Königlich: Verstorbener Monarch von Thailand baute 25 Jollen und segelte OK-Dinghy

Des Königs kleine Jollen

OK Jolle, Moth Klasse, Thailand, König

Der König (rechts) seine Untertanen (mit formschönem Auftriebskörper) und im Hintergrund die wahren Boote (OK-Jollen) © Sportministerium Thailand

Seine Majestät Bhumibol Adulyadej pflegte einst Holzboote in der Palastschreinerei selbst zu bauen. Nach seinem Tod könnte die Ausstellung der königlichen Flotte zum Wallfahrtsort werden.

Ganz Thailand trauert um einen außergewöhnlichen Regenten. König Bhumibol Adulyadej (gest. am 13.10. in Bangkok im Alter von 88 Jahren), kurz Rama IX genannt, war während seiner mehr als 70-jährigen Amtszeit für das thailändische Volk so etwas wie eine einigende Distanz in einem an politischen Krisen und Erschütterungen bekanntlich nicht armen Land.

Während seiner Regentschaft erlebte er 15 erfolgreiche und gescheiterte Putsche, setzte sein königliches Autogramm unter ebenso viele Verfassungen und ernannte nebenbei Dutzende Politiker zu Regierungschefs. Gemeinsamer Nenner bei all’ dem Kommen und Gehen: Seine Majestät Rama IX selbst. Der Herrscher wurde von allen, untereinander zum Teil tief zerstrittenen Parteien, als Respektperson akzeptiert – auch dann, wenn er sich teils tief in die regierungspolitischen Geschäfte einmischte.

Der Grund für die abgrundtiefe Trauer der Thailänder um ihren kürzliche verstorbenen König liegt eindeutig in seiner Volksnähe. Rama IX gilt als einer der letzten Regenten, die sich im fast schon märchenhaften Stil inkognito unter ihr Volk mischten, um sich ein Bild über dessen tatsächliches Befinden zu machen. Angeblich soll er bis ins höhere Alter hinein den direkten Kontakt zum thailändischen Volk auf Märkten, bei lokalen Veranstaltungen oder sogar bei Hausbesuchen gesucht haben.

Was davon Legende ist, sei dahin gestellt. Tatsache ist jedoch, dass der paradoxerweise reichste Monarch der Welt (geschätztes Vermögen: 35 Milliarden Dollar) durch seine Begeisterung für Volkstümliches und die „einfachen Dinge“ beliebt wurde.

So wurde Rama vor allem in jungen Jahren immer wieder mit den Worten „am wohlsten fühle er sich in seiner Werkstatt“ zitiert. Bhumibol Adulyadej hatte während eines Studiumaufenthaltes in der Schweiz bei einem Schreiner des fachgerechten Umgang mit Holz erlernt und baute seitdem für sein Leben gern… Boote!

OK Jolle, Moth Klasse, Thailand, König

Manchmal bastelte seine Majestät so lange an den Booten, dass er morgens neben denselben aufwachte © Sportministerium Thailand

Nah am Wasser

Nun ist es nichts Neues, dass sich Regenten, vor allem solche, die im Laufe des letzten Jahrhunderts von sich Reden machten, für wahrhaft königliche Schiffe und Yachten interessierten. Ja, diese sogar selbst segelten und zu Regattaerfolgen führten. Das Besondere an Rama war jedoch: Er baute Jollen und segelte diese auch bei Regatten und auf längeren Fahrtentörns.

Kurz: Bhumibol Adulyadej war erklärtermaßen ein Fan des „Back to the Roots“-Gedanken. Von ihm sind schon aus den Sechzigerjahren Sprüche bekannt geworden wie „lieber nah am Wasser segeln“ oder „wer beim Segeln nicht nass wird, segelt nicht!“

Zum Segeln kam seine Majestät übrigens eher durch Zufall: 1963 ruderte er vor seinem Palast und überholte dabei ein Segelboot, obwohl ein ordentlicher Wind wehte. „Das wird doch nicht richtig gesteuert, müsste doch eigentlich schneller sein als ich,“ sinniert er und ließ sich Tage später seine ersten Segelstunden geben.

Schmutzige, königliche Hände

Dass sich einer wie Bhumibol Adulyadej im wahrsten Sinne des Wortes die Finger schmutzig machte, um kleine Jollen zu bauen, die er dann auch noch selbst mit nassem königlichen Hintern durch die Wellen steuerte, war zu den damaligen Zeiten durchaus etwas Besonderes.

Der märchenhaft reiche Monarch fand Gefallen am „Selbermachen“ und „Einfachen“, nervte teilweise aber auch seine ganze Familie damit, wie seine Gattin später erzählen sollte. Sohn und Tochter mussten ebenfalls in die Werkstatt und später mit Papa bei Regatten mitsegeln. Dabei teilte die Prinzessin durchaus die väterliche Begeisterung fürs Segeln, aber Schleifen, Schrauben, Lackieren?

OK Jolle, Moth Klasse, Thailand, König

Auf der “Vega 2” © Sportministerium Thailand

25 Jollen soll der Monarch von A bis Z selbst gebaut haben; mehr als 100 Jollen (darunter viele Geschenke von Staatsoberhäuptern aus der ganzen Welt) , die er zum Teil selbst renovierte oder aufrüstete, hinterlässt er in offenbar segeltüchtigem Zustand. Derzeit wird in Thailand überlegt, ob man die Arbeiten und die Flotte des geliebten Königs nach der auf ein Jahr festgelegten Staatstrauerzeit nicht als eine Art Hinterlassenschaft in einem Museum zur Schau stellen soll.

Apropos Geschenke: In den Sechzigerjahren segelte Rama auch einmal gegen den britischen Prinz Charles bei einer königlichen Regatta vor Thailand. Charles zeigte sich very british als wahrer Sportmann, als er eingestehen musste, dass der Amtskollege in Thailand deutlich besser steuerte als er. Der Brite schenkte dem Thailänder daraufhin einen Katamaran. Angeblich der Erste seiner Art in Asien.

Gespür für die richtigen Klassen

Dass der König eine Art zeitlosen Geschmack und ein zukunftsorientiertes Händchen für den Bootsbau hatte, zeigt sich vor allem in den Vorlieben für bestimmte Bootsklassen. So begeisterte ihn in den Sechzigerjahren vor allem die dänische OK-Jolle, auf denen er viele Regatten segelte – auch gegen internationale Konkurrenz – und von denen er gleich drei höchstselbst baute.

Die „Navaruek“, „Vega 2“ und die „Awake“ (die Legende sagt, seine Majestät pflegte spät nachts an den Booten zu basteln und wachte offenbar öfters am Morgen direkt neben den Booten auf) sind noch bis heute in segelfertigem Zustand. Die mittlerweile 50 Jahre alte „Vega 2“ wurde in diesem Jahr zum ersten Mal nach Jahrzehnten bei einer Technischen Messe einem breiten Publikum vorgestellt. Es heißt, thailändische Besucher hätten das Boot wie ein Relikt betrachtet.

1966 durchquerte der begeisterte Jazzmusiker und fanatische Fotograf Bhumibol Adulyadej einhand und offensichtlich ohne jegliche Begleitung einsam den Golf von Thailand – immerhin 60 sm in 17 h auf einer nicht gerade für ihre Stabilität bekannten 4m-Jolle. Damals ein „unerhörtes Unterfangen“ für einen Monarchen, der sich zumindest in punkto Segeln nur wenig um Etikette scherte.

In den folgenden Jahren wurde er oft bei internationalen Regatten am Start gesehen und als die vierten Südost-Asien-Spiele in Thailand ausgerichtet wurden, holte er sich die Goldmedaille. In der OK-Jolle, selbstredend! (SR berichtete von der WM 2013 vor Thailand).

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Beim Segeln werden auch Könige nass © Thailändisches sportministerium

Von Moth zur Mod

Richtig spannend, vor allem im Hinblick auf das „Näs’chen des Königs“ für Bootsklassen mit dem gewissen zukunftsweisenden Charakter, wird es beim Blick auf drei Boote, die der König selbst entwarf.

Obwohl Bhumibol Adulyadej nie müde wurde immer wieder zu erwähnen, dass es sich eigentlich nur um Modifikationen und den verbesserten Zuschnitt auf die Körpergröße thailändischer Segler bei einer bestehenden Bootsklasse handelte. Die wiederum war keine geringere als die Moth-Konstruktionsklasse – damals wie heute die wohl spannendste Bastel-Jolle überhaupt!

So entwarf seine Majestät die Mod, Super-Mod und Micro-Mod (für Jugendliche). Vor allem die 11 Fuß kurze Super Mod, die mit einem sieben Quadratmeter großen Segel bestückt wurde, und die ähnlich wie ihr „Vorbild“ Moth jede Menge Bastelmöglichkeiten erlaubte, erhielt in den späten Sechzigern, den Siebzigern und Achtzigern große Aufmerksamkeit in Thailand und Asien.

Rama wollte damit den Segelsport bei seinem Volk fördern und ermutigte Interessierte vor allem, ihre Boote selbst zu bauen. Angeblich soll Rama auch für weniger betuchte, angehende Segler sämtliche Materialien für den Bootsbau gestiftet haben.

Noch bei den 13. Asian Games 1985 war die Super-Mod eine der konkurrierenden Bootsklassen. Logisch, dass Thailand auf des Königs Booten überlegen gewann!

Seit den Achtzigerjahren wurde der Monarch immer seltener segelnd angetroffen. Aber vielleicht erledigte er das auch lieber inkognito. Sein Interesse für den Segelsport soll bis zuletzt ungebrochen gewesen sein.

Manche aus seiner Umgebung behaupten, er hätte sich noch viele Jahre mit Rissen und Konstruktionen von Jollen beschäftigt. Und wer weiß, vielleicht findet sich eines Tages in einer der königlichen Werkstattschubladen eine Zeichnung aus den Siebzigerjahren, auf der eine Mod, die über die Wasser schwebt, angedacht wird. Wer hat’s erfunden? Der thailändische König!

OK Jolle, Moth Klasse, Thailand, König

Die Vega 2 wurde bei einer technischen Messe ausgestellt © nawnarong

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Königlich: Verstorbener Monarch von Thailand baute 25 Jollen und segelte OK-Dinghy“

  1. avatar Bernd sagt:

    sehr cooler Artikel! 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

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