Kollision: Zwölfer-Crash in der Öffentlichkeit – Zum Fremdschämen

"Ihr Mast steckte im Segel"

Kollision, Newport

Der Zwölfer “Courageous ist” aufgelaufen. © SA

In der US-Segelszene wird äußerst laut ein Vorfall diskutiert, der zum Crash dreier Yachten geführt hat. Zwei Medien-Vertreter sind involviert und greifen sich öffentlich an.

Es muss eine fiese Szene vor der Ziellinie der New York Yacht Club Annual Regatta gewesen sein, als sich bei Flaute das gesamte Feld zusammen schob. Mit der Fahrt seiner Masse rauscht der Zwölfer “Courageous” von hinten in die Gruppe der kleineren Gennaker-Yachten. Dabei versucht der Skipper möglichst nahe am Ufer zu bleiben, wo der Gegenstrom geringer bremst.

“Courageous”, die America’s-Cup-Sieger-Yacht 1974 und 1977, läuft dabei auf die Steine. Sie wird aber auch von schreienden Crews bedrängt, die im Weg stehen. In der Folge gerät dem Cupper eine Yacht vom Typ eine J/88 vor den Bug und eine C&C 30 luvt von Lee hoch. Schließlich wickelt sich Zwölfer-Spi um das Rigg des 28-Fußers voraus und die C&C 30 steckt mit ihrem Mast im Großsegel von “Courageous”.

Ein nicht ganz normaler Rennunfall, könnte man sagen, bei dem sogar relativ wenig passierte, weil er in ziemlicher Flaute zustande kam. Es gab eine Protestverhandlung, bei der aus nicht genannten Gründen kein Repräsentant der Zwölfer-Crew erschien, und offenbar wurde der “Courageous”, die Schuld zugesprochen. Nun liegt der Fall bei den zuständigen Versicherungen. Damit sollte das Thema eigentlich abgeschlossen sein.

Medien-Urgestein aufs Korn genommen

Aber wie es der Zufall will, befanden sich auf beiden Yachten Protagonisten verschiedener Segel-Medien, die sich ohnehin in der Öffentlichkeit bekriegen. Auf der J/88 segelte Petey Crawford, der langjährige Videographer des Online Magazins Sailing Anarchy. Und der nimmt besonders gerne Gary Jobson, das Urgestein der US-Segel-Medien-Szene, aufs Korn nimmt.

Der ehemalige Taktiker von “Courageous”, der die Yacht 1977 zum Cup-Gewinn führte, war nun ausgerechnet auf dem Cupper an Bord. Der 66-Jährige prägt seit vielen Jahren den US-Segelsport und die Berichterstattung, indem er publiziert und als Kommentator bei den großen US-TV-Anstalten eingesetzt wird.

Er ist der Sailing Anarchy-Belegschaft seit Jahren ein Dorn im Auge, weil sie in ihm das etablierte und langweilige Gesicht des Segelns verkörpert sehen und selber deutlich hipper daher kommen wollen. So sieht sich Jobson schon seit einiger Zeit unflätigen Angriffen ausgesetzt.

Dieser Mann also, der auch drei Jahre lang Präsident des US-Segler-Verbandes war, segelte nun während des Vorfalls an Bord des Cuppers. Er schrieb nun über den Vorfall im Magazin Sailing World, nachdem sich Crawford in einem Podcast über die Situation geäußert hatte (ab 1:17:50  min). Dieser reagierte danach wutschnaubend auf die Darstellung von Jobson.

Eigentlich ein Vorfall zum Fremdschämen, wenn er nicht so unterhaltsam wäre. Vielleicht kann man daraus lernen, dass Regel-Diskussionen im Jury-Raum verbleiben sollten. Die Schiedsrichter sind schließlich dafür da, dass sie Dispute aus der Welt räumen, damit die Segler nach dem Rennen wieder nett beim Bier beisammen hocken können.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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