Langfahrt: Eine Familie aus Florida will die Welt umsegeln – Schiffbruch nach zehn Tagen

"Alles verloren"

Die fünfköpfige Familie ankerte mit Motorschaden vor der mexikanischen Küste. Doch der vermeintlich sichere Platz war eine Falle. Totalverlust und finanzieller Ruin – doch keine Verletzten!

Schiffbruch, Strandung, Familie

So sah das Heim von Alan, Regina und ihrer Familie ein paar Wochen nach Abreise in Key West aus © kraken kissed

„Ja, wir werden unseren Traum leben und um die Welt segeln. Ich will endlich wissen, ob man die polynesischen Inseln im Pazifik wirklich schon riechen kann, obwohl sie noch unsichtbar hinterm Horizont liegen. Ist Thailand wirklich so schön, wie immer alle behaupten? Und gibt es im Mittelmeer tatsächlich ein Blau, das man nirgendwo sonst auf der Welt mehr findet?“

Mit diesen Sätzen eröffnet Regina den Blog auf ihrer Website und stellt von Anfang an klar: Es wird kein „ja… aber“ oder „vielleicht doch nicht“ geben. Nach über 16 Jahren Träumerei müssen jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden.

Mit ihren beiden Töchtern Kali und Lilly im Teenager-Alter und einem erst zweijährigen Nesthäkchen wollten Regina und Alan auf der klassischen Route von Florida durch den Panamakanal, über den Pazifik, Indonesien, Südafrika, Europa und wieder zurück in die USA segeln. So weit der Traum.

Erstmal weg

Eigentlich waren die Voraussetzungen zur Realisierung desselben nicht die schlechtesten. Zwar hatte das 42-Fuß-Schiff, auf dem sie offenbar schon seit ein paar Jahren lebten und auf dem Reginas und Alans jüngster Sprössling geboren wurde, schon bessere Zeiten erlebt.

Doch nach einhelliger Meinung von Freunden und Marinabekanntschaften stand das schwimmende Heim zwar nicht besonders gut im Lack, war aber durchaus seefest und machte den Eindruck, als könnte es auch längere Strecken verkraften. Zudem war Alan ein erfahrener Segler und galt als „Bastler, der kleine Reparatur-Wunder vollbringen kann“. Nur der Motor schien ein wenig aus der Puste zu sein, aber schließlich sollte ja gesegelt werden.

Schiffbruch, Strandung, Familie

So richtig gut stand die Langfahrtyacht nicht mehr da. Aber wer gibt schon was aufs Aussehen? © kraken kissed adventure

Alan und Regina steckten ihr letztes Geld in ein Refit, bunkerten Wasser und Nahrung für die fünfköpfige Crew und segelten am 23. Oktober von Key West vor Florida los. Hauptsache erstmal weg, alles andere wird sich schon finden.

 2,5 Knoten Fahrt

Der 7-Tage-Wetterbericht prognostizierte 10-15 Knoten Windstärke aus Nordost – perfekt, um auf dem stäbigen Schiff locker gen Süden zu schippern. Nach fünf Tagen lag Kuba querab und sie konnten südlich in Richtung Guatemala segeln, wo der erste Landgang ihrer Reise vorgesehen war.

Es ging nur schleppend voran. Trotz 20 Knoten Windstärke trieben sie unter kleiner Beseglung mit nur 2,5 Knoten Geschwindigkeit in den Golf von Mexiko. Am 10. Tag begann hoher Seegang das Schiff ordentlich durchzuschütteln, und der Außenborder des Dingis wurde von einer Welle abgerissen. Im Generator war nur noch Sprit für vier Tage Energie an Bord, bis nach Belize waren es aber noch sieben Tage, mindestens. Also wurde nach Westen abgedreht, um die Islas Mujeras vor Mexiko anzulaufen.

Dreißig Meilen vor der Inselgruppe schlief der Wind schließlich ein. Da der Motor nach 10 Minuten seinen Geist aufgegeben hatte, ankerten sie schließlich in zehn Meter tiefem Wasser drei Meilen nördlich von Contoy.

Schiffbruch, Strandung, Familie

Die beiden Jüngsten der fünfköpfigen Familie © kraken kissed adventure

Nach zwei Nächten und einem Tag vor Anker und nach einem Kontroll-Besuch der mexikanischen Marine, kam der Wind in der richtigen Stärke aus der richtigen Richtung und sie segelten südlich, bis er vor einer Untiefe sieben Meilen nördlich der Isla Mujeras erneut einschlief. Sie kamen nicht mehr weg. Um zwei Uhr morgens fiel der Anker in Lee der Untiefe.

Dann begannen die Sturmböen

Im Morgengrauen blickte Alan um sich, und begann zu ahnen, dass sie im Dunkeln in eine Falle geraten waren. Drei Meter hohe Wellen rollten unter dem Schiff hindurch und brachen ungefähr eine Seemeile entfernt in Lee auf einem Strand. Unmöglich, unter diesen Bedingungen ohne Motor davon zu segeln.

Alan funkte den ganzen Tag nach einem Schlepp – keine Antwort. Um drei Uhr nachmittags legte Alan einen zweiten Anker aus. Der Wind hatte auf 30-40 Knoten aufgefrischt, die Wellen waren mittlerweile fünf Meter hoch. Doch „das Boot ritt sie gut, es fühlte sich zwar ungemütlich, aber sicher an!“ beschrieb Alan später die Situation.

Um Mitternacht ging zunächst ein Anker auf Slip, dann rissen die Anker-Leinen und das Schiff trieb ab. Kurz darauf krachte die Brandung gegen das Schiff, als „würde es von Lastern gerammt“. Alan funkte verzweifelt um Hilfe – keine Antwort.

Sie rammten einen Felsen, wurden aber mit einer Strömung in ruhigeres Gewässer vor einem Strand gerissen. Dort versuchte Alan Segel zu setzen, bis Regina ihm in dem Chaos zuschrie, das Schiff reagiere nicht mehr auf Ruderbewegungen. Alan fackelte Leuchtraketen ab, um irgendwie zu sehen, auf was sie da zutrieben. Dann hoben Zwei-Meter-Wellen ihr Schiff an und ließen es krachend auf einem Strand zurück.

Schiffbruch, Strandung, Familie

Kurz nach der Strandung © kraken kissed adventure

Ist sie noch zu retten?

Regina, Alan und die Kinder sprangen auf den Strand, waren unverletzt in Sicherheit. Ihr auf der Seite liegendes Schiff wurde weiter von Wellen gerammt.

Zunächst glaubten noch alle an einen mehr oder weniger glimpflichen Ausgang der Strandung. Arbeiter, die offenbar in der Nähe in einer Hütte schliefen, alarmierten die Polizei, die wiederum die Familie in einem Hotel in der Touristenmetropole Cancun, 13 Seemeilen weiter südlich unterbrachte.

Mit Hilfe der Behörden versuchte Alan eine Bergung zu organisieren, doch die dem Strand vorgelagerten Untiefen machten die Sache höchst kompliziert. Die Zeit drängte, aber die Uhren in Mexiko ticken nun mal anders.

Wochen später schreibt Regina: „Wir haben sie verloren. Alan hat ein letztes Mal versucht, unser Schiff, unser Heim vom Strand zu ziehen. Vergeblich!“ Mittlerweile war das Schiff nur noch ein Wrack. Der wochenlange Wellenschlag hatte ein Loch in den Rumpf geschlagen, das Boot lief voll Wasser. Ein Mast war gebrochen und Plünderer hatten alles, was nicht niet- und nagelfest war, von Bord geklaut. Die Familie rettete nur das, was sie am Leib trug, ein paar hastig ausgebaute elektronische Geräte, einige Bücher, Spielzeug für die Kurze.

„Unser Traum ist wie eine Seifenblase geplatzt. Wir haben nur unser nacktes Leben gerettet,“ schreibt Regina in ihrem Blog. „Doch das ist das Wichtigste! Aber wir sind völlig ruiniert, haben keinen Cent Geld mehr.“

Die offenbar nicht versicherte Familie startete eine Sammelaktion auf einer Spenden-Website.

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Können schon wieder lächeln, wenn auch gequält: Die gestrandete Familie mit den Arbeitern, die für sie Hilfe holten © kraken kissed adventure

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden

8 Kommentare zu „Langfahrt: Eine Familie aus Florida will die Welt umsegeln – Schiffbruch nach zehn Tagen“

  1. avatar Arwed sagt:

    Reality Check: Es droht das Schicksal des Lohnerwebslebens. Wilkommen im Club.

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  2. avatar Christian1968 sagt:

    Ach, ich denke, das hätte uns ja in einer ähnlichen Situation auch passieren können und daher habe ich einen kleinen Betrag gespendet, mehr ist leider gerade nicht drin.
    Hoffentlich kommen die wieder auf die Beine, die sehen alle supersympathisch aus.

    Ahoi

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    • avatar Anwalt sagt:

      Haben die überhaupt schon einmal gearbeitet ?

      Das Schnorren scheint bei dieser Famile nämlich System zu haben: https://www.patreon.com/KrakenKissed?ty=h

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      • avatar christian1968 sagt:

        Ich finde das durchaus legitim. Machen ja viele andere Segler und Seglerinnen auch und da habe ich hier noch keine Anwälte bemerkt, die sich darüber mokieren…

        Mit so einem Post wie dem oben wird etwas suggeriert und wir sollten uns nicht anmaßen, aus der Entfernung darüber zu urteilen.
        Auf den Fotos wirkt diese Familie extrem harmonisch und sympathisch und das läßt zumindest den Schluß zu, dass sie vieles was wirklich wichtig ist im Leben, richtig gemacht haben.

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        • avatar Anwalt sagt:

          Wer urteilt denn aus der Entfernung ?

          Ich habe mir die Mühe gemacht, zu recherchieren und habe bsw. die Schrott-Videos gesehen, mit denen sie Geld verdienen wollten. Den Seelenverkäufer, d.h. den für ein für eine Weltumsegelung ungeeigneten kannst Du von innen in dem folgenden Video https://www.youtube.com/watch?v=kwVMwxtPLv0 anschauen. Schau Dir bitte auch die anderen Videos auf dem Kanal “Kraken Kissed Sailing Adventures” an.

          Dass wir es mit Spinnern zu tun haben zeigt sich auch auf der Facebook-Seite: “Kraken Kissed- One family’s sailing, live aboard adventures”

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  3. avatar Kugelfisch sagt:

    Das war nicht nur Pech, da spielt schon eine ganze Portion Unfähigkeit/Dummheit/Naivität mit hinein: Wozu eine ausreichende oder gar ordentliche Vorbereitung, wenn der Skipper (ziemlich sicher als einziger an Bord) ein Bastelgenie ist? Da segeln wir einfach mal los – mit drei Kindern an Bord. Wird schon gut gehen, Bastelgenies sind unverwundbar und können bei jedem Seegang jedes Problem mit Hammer und Meissel lösen…
    Das ganze liest sich wie das Drehbuch zu einem schlechten amerikanischen Film: Eine fünfköpfige Familie segelt mit einem teilweise maladen Schiff los, verliert gleich mal den Außenborder des Dingis, die Maschine stellt nach 10 Minuten (!!!) den Betrieb ein, die einzige (!!!) Stromversorgung ist ein Generator, für den nicht mal genug Sprit an Bord ist, per (vermutlich VHF-) Funk ist keine Hilfe erreichbar (anscheinend kein SSB oder Inmarsat an Bord und ich wette, der Skipper spricht kein Wort Spanisch) – am Ende Totalverlust.
    Warum wurde der Motor nicht noch in der Heimat betriebssicher gemacht? Warum waren die bei 20 kn Wind mit 2,5 kn unterwegs? Da lag doch noch mehr im Argen…

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    • avatar Kugelfisch sagt:

      Nachtrag:
      gleich in der ersten Nacht ist ihnen durch eine Bö ein Vorsegel geplatzt (welches schreibt er nicht), was die Geschwindigkeit von 2,5 kn aber auch nicht erklärt, ein Schoner hätte ja genug Alternativen zu bieten. Wenn man sich die Fotos auf krakenkissed.com ansieht, auf denen man Details des Schiffes sehen kann, dann gewinnt man eher den Eindruck eines Seelenverkäufers als den einer Fahrtenyacht am Beginn einer Weltumsegelung.
      Richtig geil finde ich Reginas Spruch, dass sie es schätzt, auf Langfahrt mit seinen Ressourcen haushalten zu müssen – stolz schreibt sie, sie hätten 3 5-Gallonen Kanister Wasser (Zitat: We have 3 5-gallon jerry cans.); das sind nicht mal 60 Liter für 5 Personen. Da fällt mir nichts mehr ein…
      Alles in allem haben die richtig viel Glück gehabt, dass sie nicht auf hoher See in ernste Schwierigkeiten geraten sind (gab es überhaupt eine Rettungsinsel an Bord?), sondern am Sandstrand einer bewohnten Küste. So, wie sich mir das Schiff und dessen Betreiber darstellt, war das eine reine Zeitfrage!

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