Latrinensegeln: Jetzt amtlich – Guanabara Bucht vor Rio bleibt eine Kloake

"Sauberes Wasser? Unmöglich!"

Offenbar ziemlich wirkungslos: Die Öko-Müllsammelboote in der Guanabara Bucht vor Rio de Janeiro © Bras. Umweltministerium

Offenbar ziemlich wirkungslos: Die Öko-Müllsammelboote in der Guanabara Bucht vor Rio de Janeiro © Bras. Umweltministerium

Neuer brasilianischer Umwelt-Minister stellt klar, dass die für Olympia gesteckten Ziele in Bezug auf die Wasserqualität nicht erreicht werden. Segler angeblich nicht gefährdet.

In einem verstörenden Bericht, den Associated Press kürzlich veröffentlichte, machte Andre Correa, neuer Chef des brasilianischen Umweltministeriums deutlich, dass es unmöglich sei, die vor knapp zwei Jahren gemachten Zusagen einzuhalten.

Bis zum Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sollte die Wasserqualität in der Guanabara Bucht vor der Metropole deutlich verbessert werden (SR berichtete mehrfach).

Correa: „80 Prozent der Schadstoffe entfernen? Unmöglich, das wird nicht klappen, das wird ganz und gar nicht klappen!“ Dennoch insistierte der Umweltminister, dass „die Olympischen Spiele, unabhängig vom Fortschritt bei der Wassersäuberung, nicht beeinträchtigt werden!“

„Das wird ganz und gar nicht klappen!“

Seit Jahren versuchen die brasilianischen Landesbehörden und die ebenfalls zuständige Stadtverwaltung von Rio de Janeiro, das Problem der Gewässerverschmutzung in der Guanabara Bucht zu verschleiern. Eher halbherzig anmutende Versuche mit vereinzelten „Öko-Müllsammelbooten“ und Auffangnetzen an der Mündung mehrerer Flüsse blieben bislang ohne spürbaren Erfolg. Das Regattarevier der olympischen Segler ist nach wie vor eine gigantische Müllhalde, in der Zehntausende Tonnen Müll treiben.

Noch mehr Symbolcharakter braucht man wirklich nicht © meu rio

Noch mehr Symbolcharakter braucht man wirklich nicht © meu rio

Mehrere Versprechen, zusätzliche Klärwerke für die Millionenstadt zu bauen, blieben bislang Lippenbekenntnisse. Andre Correa sieht die Gesundheit und Sicherheit der segelnden Olympioniken allerdings nicht in Gefahr: „Dass wir eine um 80 Prozent verbesserte Wasserqualität nicht schaffen werden, hat jedoch nichts mit den Segelrevieren zu tun. Es gibt keine größere Gefahr für Segler, krank zu werden oder Ähnliches!“ Der Umweltminister weiter: „Ich sehe ein viel größeres Problem in dem Müll, der durch die Bucht treibt!“

Kaum Erfolg mit Netzen und Müllbooten

Womit Correa auf die Netze anspielt, die vor die Flussmündungen gespannt wurden und zumindest den groberen Müll wie etwa Sofas, Tierkadaver, Matratzen, Müllsäcke etc. abzufangen. Die Sorte Müll, dem die vor Ort trainierenden Segler immer wieder „begegnen“ und Rennen entscheiden können, wenn er am Schwert hängt.

Die Sauberkeit der Guanabara-Bucht vor Rio de Janeiro als Olympisches Segelrevier lässt knapp zwei Jahre vor den Spielen weiter zu wünschen übrig.  © Secretaria de Estado do Ambiente do Rio

Die Sauberkeit der Guanabara-Bucht vor Rio de Janeiro als Olympisches Segelrevier lässt knapp zwei Jahre vor den Spielen weiter zu wünschen übrig. © Secretaria de Estado do Ambiente do Rio

„Dieses Netzsystem funktioniert überhaupt nicht!“ stellt der Minister klar. „Aber: Ich werde das ändern!“ Zum „Wie und Womit“ äußerte sich Correa jedoch nicht.

Um die Abwässer von Rio de Janeiro, die derzeit noch größtenteils ungeklärt in den Atlantik fließen, nach internationalen Maßstäben zu säubern, veranschlagt der neue Umweltminister von Brasilien 3,8 Milliarden Dollar. Ob und wann diese zur Verfügung stehen werden, steht in den Sternen.

Zusagen sollten eingehalten werden

Einen Vorteil hat die mehr oder weniger klare Aussage des Politikers jedoch: Weder das Olympische Komitee noch die Olympischen Verbände können noch auf ein Wunder hoffen, an das sie ganz offensichtlich geglaubt haben. Die zugesagten 80 Prozent Verbesserung bei der Wasserqualität (ob Müll, Schadstoffe oder Keime) werden nicht erreicht. Bei den Olympischen Spielen 2016, die in 18 Monaten beginnen, werden die Segler und Surfer auf einer Kloake regattieren.

Es sei denn, jemand pocht auf die Einhaltung von Versprechen und Zusagen. Nach den Erfahrungen in Sotschi, Peking und Qingdao eine fast schon naive Einstellung zu den Olympischen Spielen.

Rio Müll

Die Stromkanten sind auf dem Olympiarevier leicht zu erkennen. © STG/Völkers

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Latrinensegeln: Jetzt amtlich – Guanabara Bucht vor Rio bleibt eine Kloake“

  1. avatar Thomas König sagt:

    Vielen Einwohnern Rio’s dürften die “Regattierbedingungen” in der Bucht herzlich egal sein, solange sie weder über brauchbares Trinkwasser, eine geordnete medizinische Versorgung, einen menschenwürdigen Arbeitsplatz oder Bildungschancen für ihre Kinder verfügen. Zudem hat die Errichtung einer geordneten Abfall- und Abwasserentsorgung auch in Mitteleuropa Jahrzehnte gedauert. Wohlgemerkt, als die o.a. Themen abgearbeitet waren. Dass angesichts der Spiele diese Themen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken, ist sicherlich begrüssenswert. Dass jedoch die Segler die falschen Versprechungen der Politiker im wahrsten Sinne “ausbaden” müssen, ist skandalös. Hier sollten die nationalen Verbände und die ISAF auf eine Verlegung der olympischen Segelregatten in Reviere mit besserer Wasserqualität drängen. Diese sind auch in zumutbarer Entfernung von Rio, z.B. an der Ilha Bela vorhanden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 19 Daumen runter 1

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