Keine Lüge: Der Meister des Segel-Schwanks meldet sich zurück

Lüchtenborg: "Ein kleines Stück Leben bleibt."


Bernt Lüchtenborg meldet sich wieder zurück in der Yachtie-Szene. © U. Röttgering

Es war einige Monate lang wohltuend ruhig um Bernt Lüchtenborg geworden, der unter dem Namen „Lügenbaron“ in die deutsche Yachtsportgeschichte eingehen wird. Der Ehemann, der zweimal einhand nonstop um die Welt wollte, dessen doppelter Betrug dann aber mit der BILD Schlagzeile „Rekord-Segler schmuggelt Geliebte an Bord“ einem größeren Publikum zugänglich wurde, will nun zurück ins Rampenlicht.

Lüchtenborg kündigt auf seiner Homepage das Buch und die DVD zu seinem Törn an. „Sehnsucht nach Meer – Der Versuch einer doppelten Weltumsegelung“. Dazu bietet er eine Filmshow an, die er „in Segelvereinen, bei Firmenevents u.a. Veranstaltungen“ präsentieren möchte.

Dazu schreibt er: „Der Film zeigt einen außergewöhnlichen Segeltörn zwischen den Extremen. Von Höhen und Tiefen bei fast 290 Tagen nonstop und allein auf See, durch Flauten und Orkane.“ Uwe Röttgering, der regelmäßig über Lüchtenborg berichtet und ein Aufsehen erregendes Interview mit der heimlichen Mitseglerin geführt hatte, sagt dazu: “290 Tage nonstop ist wieder einmal gelogen. Es wird niemanden wundern. Die längste Etappe, die Lüchtenborg nonstop auf See war, waren 88 Tage auf der Strecke Neuseeland – Gran Canaria.

Das ist schon eine ordentliche Leistung. Sie hat Lüchtenborgs Ego aber offenbar nicht befriedigt. Die 290 Tage kommen womöglich so zustande, dass er einfach alle Tage zusammen gezählt hat, die er alleine auf See war. Nur von nonstop kann in anbetracht seiner zahlreichen Stopps keine Rede sein.”

Er plant offenbar auch ein neues Projekt: „Auf den Spuren der Entdecker.“ Demnach mag ihm wohlmöglich eine Charteryacht zur Verfügung stehen. Denn auch „Mitsegelreisen“ sind Teil seines neuen Programms. Die Begründung für die neue Aktivitäten: „Der Ozean lässt mich wie tot zurück, aber ein kleines Stück Leben bleibt, denn ich fühle noch die Kälte und die Nässe im Unterwegssein. Auch den Duft der Südmeere habe ich mit allen Poren eingesogen.“

Man hätte denken können, dass Lüchtenborg doch noch mehr Gras über seine Eskapaden wachsen lässt, bevor er sich zurück an die Front wagt. Vor knapp einem Jahr hatte er sich vor Neuseeland nach einem Ruderschaden von seiner „Horizons“ abbergen lassen müssen, war dann auf das treibende Schiff zurückgekehrt, um es schließlich im Juni 2010 auf einem Felsen vor Feuerland endgültig zu verlieren.

Der Skipper stellt wohl eine der tragischsten Figuren in der deutschen Segelsportgeschichte dar. Seine Refexion hört sich so an: „Das Projekt sail2horizons ist gescheitert. Durch die Mitnahme einer Begleiterin bis zu den Kanaren, war der Start bereits das Ende. Dazu kamen die verschwiegenen Stopps aus technischen Gründen. Die Mission hätte gelingen können, das Resultat hingegen, wird auch seinen Platz in der Chronologie menschlichen Versagens finden.

Für meine Verfehlungen habe ich mich entschuldigt. Dennoch bedauere ich noch immer, durch mein Verhalten Menschen und Sponsorenpartner enttäuscht zu haben, die an mich glaubten und mich unterstützten.“

Was treibt den Mann zurück zur Yachtie-Gemeinde, deren Gunst er mit der Erzählung von Unwahrheiten verloren hat?  Er will jetzt erst einmal Geld verdienen. Und das könnte sogar klappen. Denn Lüchtenborg darf mit dem Publicity-Faktor spekulieren. Selten hat ein Segler eine solche mediale Präsenz erhalten. Da spielt es keine Rolle wie zweifelhaft sie sein mag.

Dazu kommt die Neugierde. Wie offen wird er die Gedanken über seine Verfehlungen darlegen? Wird er sich kritisch selbst demontieren? Nichts anderes dürfte helfen, verlorenen Kredit zurückzugewinnen.

Es besteht allerdings wenig Hoffnung, dass er diese Chance wahrnimmt. Eine größerer Teil gesunder Wahrnehmungsfähigkeit schien ihm beim Umgang mit der persönlichen Krise abhanden gekommen zu sein. Das Dilemma: Falls er in der Zwischenzeit doch zur Vernunft gekommen sein sollte, wird man es ihm nicht glauben.

Zum Thema:
Darf man über den gefallenen Helden Bernt Lüchtenborg berichten?
Lüchtenborg Interview: Aus Fehlern lernen, besser werden

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Keine Lüge: Der Meister des Segel-Schwanks meldet sich zurück“

  1. avatar Marc Bäuml sagt:

    Wer einmal lügt den glaubt man nicht, auch wenn er auch die Wahrheit spricht.
    Irgendwas ist dran an der Redensart.

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  2. avatar Backe sagt:

    Lüchtenborg hält bereits Einzug in die Trivial-Medien, jedoch anders als ihm lieb sein dürfte. Die OPAL-Film aus Berlin produziert zur Zeit eine Folge der bekannten ZDF-Serie “Küstenwache” mit dem Titel “Das Logbuch der Lügen”.
    Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, dreht sich die Handlung um einen vermeintlichen Einhand-Nonstop-Rekordsegler, der jedoch weder die von ihm behauptete Extrem-Route durch die Nord-West-Passage befahren hat, noch alleine unterwegs war… Na, klingelts?
    Ausstrahlungstermin dürfte im Frühjahr sein. Vermutlich wird es auf SR einen kleinen Hinweis hierzu geben. ;.)

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  3. avatar hurghamann sagt:

    Gab es nicht schon in einem von Vettermans Barawitzka Romanen (“Taiwan Klipper” glaub ich) die Figur des gefeierten österreichischen Einhandseglers mit dem von seiner Frau gesponsorten Boot (Ultima Onda oder so?), der allerdings weniger Einhand sondern vielmehr mit einer jungen Britin unterwegs war?.
    Somit ist nichtmal das originell. Er hat das Drehbuch woanders gelesen.

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  4. avatar T.K. sagt:

    Wer einmal lügt…

    Unglaublich finde ich auch, dass er weiterhin folgenden Inhalt auf seiner Seite stehen hat:

    auf sail2horizons.com
    unter “Bernt Lüchtenborg” Rubrik Informationen steht:
    ……
    Ausgezeichnet mit dem TO-Weltumseglerpreis 2005 und der TO-Medaille 2005 für ausgezeichnete seglerische Leistungen…..

    unglaublich, der Trans Ocean hat ihm den Preis längstens aberkannt und er tut so als ob nichts gewesen wäre….

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  5. avatar Uwe sagt:

    @T.K.:
    BL hat von TO drei Preise verliehen bekommen. Nur den “höchsten”, den TO Preis, hat man ihm aberkannt. Was BL schreibt, ist also formal korrekt. Ich finde es allerdings stillos noch mit den beiden anderen Preisen zu werben, zumal er einem Vereinsaussschluß nur dadurch entgangen ist, dass er kurz vorher ausgetreten ist.

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  6. avatar T.K. sagt:

    @ Uwe: Danke für die Aufklärung

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  7. avatar Backe sagt:

    Die BL-Webseite wäre ein Fall für die Kumpels von Assange!

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