Mann über Bord: Ein Crewmitglied wird per Patenthalse über die Reling geschleudert

Kommt ein Segler geflogen...

Was hier nun der Plan war? Gab es überhaupt einen? Warum steht ein Mann auf dem Deckshaus? Fragen über Fragen, die sich aus diesem Video ergeben.

Offenbar segelt die Yacht vor dem britischen Ramsgate platt vor dem Laken und die Crew bereitet ein Manöver vor. Ein Mann befindet sich auf dem Vorschiff und der Pitman im Niedergang beschäftigt sich möglicherweise mit dem Klarieren einer Spischot.

Vermutlich handelt es sich aber um eine Regattayacht. Darauf deuten die volle Crewstärke und die Foliensegel hin. Der Junge auf dem Kajütdach mag seine geübte Beobachtungsposition für einen längeren Vorwindkurs eingenommen haben.

Der Steuermann allerdings überdreht das Rad und steuert in eine ungeplante Halse. Bei der relativ geringen Bootsgeschwindigkeit ist das Großegel maximalem Druck ausgesetzt und entwickelt beim Herumschlagen maximale Katapult-Wirkung.

Dabei ist es erstaunlich, dass der Skipper noch den Kurs halten kann. Der Impuls des krachenden Baums führt oft dazu, dass die Yacht stark krängt und dann zur neuen Luvseite aus dem Ruder läuft. Aber er hat rechtzeitig gegengesteuert.

Selten ist die Kraft des Baums so deutlich zu sehen. Er schleudert den Mann hoch über die Reling und verfehlt nur um eine Handbreite den Kopf des Pitmanns. Nicht Auszudenken, wenn der getroffen worden wäre. Vor kaum vier Wochen ist ein Segler beim Clipper Round The World Race nach einer Kopfverletzung gestorben.

Es bleibt festzuhalten, dass die Position auf dem Deckshaus einfach sehr gefährlich ist. Würde der Mann näher am Mast stehen, könnte er der Patenthalse ausweichen. Auf jeden Fall lehrt das Video, wie wichtig es für jedes Crewmitglied ist, ein Gefühl dafür zu bekommen, wann es kritisch wird.

Segelt eine Yacht platt vor dem Laken, kann ein kleiner Steuerfehler immer mal zur Patenthalse führen. Wenn die ganze Crew das rechtzeitig antizipiert, dann passiert auch nichts.

Auf Fahrtenyachten wird gerne ein sogenannter Bullenstander gesetzt, um den Baum in seiner Position zu fixieren. Das macht einen langen Vorwindkurs entspannter ist für eine Regattayacht aber keine Option.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Mann über Bord: Ein Crewmitglied wird per Patenthalse über die Reling geschleudert“

  1. avatar Arwed sagt:

    “Der Junge auf dem Kajütdach mag seine geübte Beobachtungsposition für einen längeren Vorwindkurs eingenommen haben.”
    Kann mich, als Nichtregattasegler, jemand aufklären, was der Junge an dieser potentiell gefährlichsten Stelle des Bootes bei diesem Kurs beobachten soll? Ob der Baum sauber rüberkommt, wenn was schief läuft?

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    • avatar Advokat sagt:

      Mit einer Beobachtungsposition hat das nichts zu tun. Der “Junge” ersetzt den Bullenstander. Hab ich früher auch oft so praktiziert.

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  2. avatar Kluchschieter sagt:

    Normalerweise soll die Person (nebst der Hauptfunktion als lebender Bullenstander) nach achtern blicken und dem Rudergänger und/oder Taktiker eventuelle Windfelder und/oder Böen, sowie Konkurenten ansagen die das Boot abdecken könnten oder von achtern ‘angreifen’

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  3. avatar Arwed sagt:

    Aha. Vom Ergebnis her ist der Bursche aber ein lausiger Bullenstander. Naja, möglicherweise wollte er nur dem Rudergänger nacheifern.

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  4. avatar wet rabbit sagt:

    Der Steuermann ist die Pappnase, beide Segel stehen back und er tut nix.

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