Meeresverschmutzung: Satelliten zeigen Müll-Strudel – jährlich acht Millionen Tonnen Plastik

Müllmahlstrom

Über einen Zeitraum von 35 Jahren dokumentierte die NASA mit Satellitenaufnahmen die Wege treibender Ortungsbojen auf den Weltmeeren. Hochrechnungen belegen katastrophale Plastikvermüllung.

Seit Jahrzehnten warnen Forscher, Wissenschaftler und Aktivisten von Umweltschutzverbänden und – ministerien vor der ständig wachsenden Plastikmüllmenge in den Weltmeeren. Ende der Neunziger Jahre beschrieben Meeresforscher erstmals den „Great Pacific Garbage Patch“, in dem sich Plastikteile, Mikroplastik und deren Zersetzungsprodukte sammeln und in einem gigantischen Wirbel verdichten. Mittlerweile wurden bereits fünf dieser gigantischen Müll-Wirbel auf den Weltmeeren nachgewiesen.

Meeresverschmutzung, Plastikmüll, Müllstrudel

Alle Bojen zusammen zeigen deutlich, wo die Müllstrudel sich auf den Weltmeeren drehen © NASA

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersuchte man die fatalen Auswirkungen des treibenden Plastikmülls auf unser Ökosystem und „Plastikmüll in den Ozeanen“ war in den letzten zwei Jahren das am häufigsten diskutierte umweltspezifische Thema weltweit. Viele junge Forschungsprojekte widmen sich dem Thema mit zum Teil höchst kreativen Ansätzen.

35 Jahre im Zeitraffer

Was dabei als Randnotiz immer wieder auffiel: Welche Ausmaße die Müllstrudel in den Ozeanen denn tatsächlich haben und wo sie sich wirklich „drehen“, konnte nie exakt nachgewiesen werden.

Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Langzeitstudie, die eindeutig die Dimensionen, vor allem aber die sich dauernd verändernde Lage dieser Strudel darstellen.

In einem Zeitraum von mehr als 35 Jahren verfolgten NASA-Satelliten Hunderte Ortungsbojen, die zur Erforschung der Meeresströmungen in den Ozeanen unseres „Blauen Planeten“ ausgesetzt wurden.

Meeresverschmutzung, Plastikmüll, Müllstrudel

Plastikmüll am Roten Meer © Vberger

Ausgehend von der Tatsache, dass diese Bojen die gleichen Wege wie die Plastikmüllteile nehmen, konnten so in einer Zeitraffer-Verdichtung die Strömungen und somit die schwimmenden Müllhalden relativ exakt nachgemessen werden.

Zudem verwendeten die Meeresforscher in den letzten Jahren weitere Ortungsgeräte, die sie an Plastikteilen unterschiedlicher Größe befestigten. Denn insbesondere der nicht an der Oberfläche treibende und somit sichtbare Plastikmüll, sondern die in teilweise großer Tiefe trudelnden Mikro-Plastikpartikel gaben immer wieder Anlass zu Spekulationen.

Acht Millionen Tonnen – jährlich!

Plastikmüll, der in den Meeren treibt, wird durch UV-Einstrahlung und Wellen innerhalb unterschiedlich langer Zeiträume in Kleinteile und Mikropartikel zersetzt. Die über die Meeresbewohner in die Nahrungskette gelangen, aber auch in einem noch immer nicht exakt datierten Ausmaße als Plastikmüllteppich bis auf den Meeresboden absinken.

Die Ergebnisse der erwähnten NASA-Studie wurden im Zeitraffer auf einem Chart zusammengefasst. Sie zeigen deutlich, wo genau sich die fünf Strudel im nördlichen und südlichen Pazifik, im Nord- und Südatlantik sowie im Indischen Ozean befinden. Die NASA-Erkenntnisse decken sich dabei zu einem großen Teil mit den Theorien und Hochrechnungen der Meeresforscher, zeigen aber auch, wie sehr die Strudel bereits an den Rändern „ausfransen“ und letztendlich an Umfang zunehmen.

Meeresverschmutzung, Plastikmüll, Müllstrudel

Toter Albatross mit Plastikmüll in den verwesenden Eingeweiden © Chris Jordan

Mittels Plastikmüll-Ortungen in unterschiedlichen Meerestiefen konnte zudem eine Hochrechnung bestärkt werden, die bereits Anfang 2015 aufgestellt und im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurde. Demnach gehen Forscher davon aus, dass allein im Jahr 2010 acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane gelangten. Aktuellen Hochrechnungen zufolge hat sich diese Zahl bis heute auf schätzungsweise acht bis zwölf Millionen Tonnen erhöht – jährlich, wohlgemerkt.

Übrigens haben Wissenschaftler im letzen Jahr auf Hawaii eine Art „neues Gestein“ entdeckt: Diese steinharte, feste Masse Plastikglomerat besteht aus geschmolzenen Kunststoffen, Vulkangestein, Korallenfragmenten und Sandkörnern.

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Michael Kunst

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