Meeresverschmutzung: Norwegischer Milliardär steckt Vermögen in Müllsammel-Projekt

Milliarden im Kampf gegen den Plastikmüll

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Die REV soll nicht nur forschen, sondern auch Müll sammeln © TRT

Kjell Inge Røkke lässt ein 180 Meter-Forschungsschiff bauen und will dem Kampf gegen die Ozeanverschmutzung Milliarden zugute kommen lassen.

Es geht voran – und die Schritte werden immer größer! In den vergangenen Jahren hat sich das Thema „(Plastik-)Müll in den Ozeanen“ neben dem Klimaschutz zu einem der international meist beachteten Umweltprobleme entwickelt. Immer mehr Menschen wird bewusst, dass die Meere als Lebensadern unseres „Blauen Planeten“ in großer Gefahr sind.

Die Vermeidung von Plastikmüll und das Auffischen desselben aus den Ozeanen sind auch immer häufiger angesprochene Artikel- bzw. Beitrags-Motive. Mittlerweile findet man auf allen Kontinenten und zumindest bei allen „Küstenvölkern“ durchaus seriöse Forschungs- und Umweltschutzprojekte, Bürgerinitiativen und sogar private Vorhaben, die sich allesamt dem Kampf für saubere Ozeane verschrieben haben. 

Müll kostet Geld

So ist etwa der junge Niederländer Boyan Slat mit seinem Oceancleanup-Projekt eine Art Rising Star unter den Umweltschützern geworden (SR-Berichte). Und die sowieso schon legendäre Hochseeseglerin Ellen MacArthur kümmert sich bereits seit Jahren mit ihrer Stiftung um die Vermeidung von Plastikmüll im großen Stil. Sie konnte dafür schon Konzerne wie Coca-Cola, Mars und Danone gewinnen.

Der Google-Verwaltungsrat-Chef Eric Schmitt machte 2016 aus dem Plastikmüll in den Meeren ein großes Thema beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos, und in der  internationalen Segelszene begann zuletzt Yvan Bourgnon mit großen Sammelaktionen für sein Projekt „Müllmaran“.

Zuvor waren bereits Surf-Profi Florian Jung mit seiner Aquapower-Expedition (SR-Bericht) aufklärend entlang der Atlantik-Küsten unterwegs und der deutsche Verein „One Earth, one Ocean“ (SR-Bericht) begann mit dem Bau erster Müll-Sammel-Katamarane und organisiert seitdem großangelegte Müllsammel-Aktionen an verschmutzten Stränden.

Kjell Inge Røkke , Müll, Umweltverschmutzung

Kjell Inge Røkke beim Verkauf von frisch gefangenem Meeresgetier © Trond Solberg

Doch selbst nachdem nun die „Vereinten Nationen“ dem Plastikmüll in den Meeren höchstoffiziell den Kampf ansagten, haben die meisten dieser Aktionen weltweit einen gemeinsamen Nenner: Sie sind mit relativ schwachen finanziellen Polstern ausgestattet und kommen mit ihren Projekten und der Realisierung ihrer Visionen oft nur sehr schleppend voran. 

Zum Thema „Finanzierung“ gibt es nun einen Hoffnungsschimmer zu vermelden. Der norwegische Milliardär Kjell Inge Røkke hat bekannt gegeben, er wolle einen Großteil seines auf über zwei Milliarden Dollar geschätzten Vermögens für die Forschung spenden, um die Ozeane vom Müll zu befreien.

180-Meter-Müllsammler

Kjell Inge Røkke (59) lässt – in Zusammenarbeit mit dem WWF – derzeit ein 180 Meter langes Forschungsschiff in Norwegen und Rumänien bauen, von dem aus richtungsweisende Forschungen über, auf und in den Meeren stattfinden sollen. So werden etwa kleine U-Boote vom Mutterschiff „REV“ (Research Expedition Vessel) den Meeresboden untersuchen, Wasserqualitäten messen oder gesunkene Wracks auf giftige Inhalte untersuchen.

In erster Linie soll die „REV“ jedoch als Müllsammel-Schiff aktiv werden. Das Forschungsschiff wird eine Müllsauganlage an Bord haben, mit der schwebende Mikro-Plastikteile oder ganze Müllteppiche auf der Wasseroberfläche abgesaugt werden. Dieser Müll wird dann gleich an Bord emissionsfrei verbrannt – eine Lösung, auf die internationale Forscherteams besonders gespannt sind. Zumal Geld bei diesem Unternehmen offenbar nur eine sekundäre Rolle spielen wird. 

Kroatien, Müll, Strand, EU-Kommission

Auch das Mittelmeer wird zusehends zugemüllt © BUND

Wie hoch der finanzielle Einsatz von Røkke sein wird, wurde bisher noch nicht bekannt. Aus Werft-Kreisen ist zu vernehmen, dass allein der Bau des Schiffes deutlich im dreistelligen Millionenbereich liegen wird. Zudem hat der Milliardär – er gilt derzeit als der zehntreichste Norweger – schon sichergestellt, dass er nach Fertigstellung des Forschungs- und Müll-Schiffes im Jahre 2020 ein 60-köpfiges Wissenschaftlerteam und die etwa 30 Crewmitglieder an Bord langfristig bezahlen will. 

Die ansonsten als eher zurückhaltend bekannte, norwegische Bevölkerung zeigt sich durchweg begeistert von dem Vorhaben und traut „ihrem“ Kjell Inge Røkke einen durchaus bahnbrechenden Erfolg im Kampf gegen die Verschmutzung der Ozeane zu. 

Fischer vor Alaska

Der Milliardär hat eine „klassische“ Tellerwäscher-Millionär-Karriere hinter sich: Røkke verließ früh die Schule in Norwegen, haute ab nach Seattle/USA, arbeitete auf einem Fischerboot, kaufte dasselbe, hatte kurze Zeit später eine ganze Flotte, stieg später in das Ölbusiness ein und und und… 

Im Alter von 38 Jahren kam er als Multimillionär zurück nach Norwegen, um dort sein Vermögen erst richtig aufzustocken. Er gilt seither als der erste norwegische Businessman, der den knallharten US-Verhandlungsstil in sein Heimatland brachte. Womit er sich nicht nur Freunde machte. 

Kjell Inge Røkke , Müll, Umweltverschmutzung

Die Flotte des Milliardärs ist standesgemäß – unter anderen eine der weltgrößten Superyachten, die “Reverie” © TRK

Der als „hemdsärmelig“ bekannte Selfmademan hat oft mit einem eher schillernden Privatleben Schlagzeilen gemacht. Der Fußballfan unterstützte mehrere große Sport-Teams (u.a. den Fußball-Verein Wimbledon in England) und baute sogar ein Stadion in Norwegen. Er besitzt zudem eine der größten Motoryachten der Welt, die 70 Meter lange „Reverie“ von Benetti.

Doch in die Herzen der Norweger brachte er sich vor allem mit „volksnahen“ Aktionen. So fuhr er etwa mit seinem ziemlich luxuriös umgebauten Fischkutter im Hafen von Oslo ein, um dort seinen Fang neben den anderen Fischern direkt auf der Mole zu verkaufen. 70 Kronen verlangte er für einen Eimer Krabben. Die rein „zufällig aufgetauchten“ Journalisten mussten jedoch pro Eimer 100 Kronen mehr bezahlen! 

Im Jahre 2005 saß Røkke sogar drei Wochen, offenbar wegen Bootsführerschein- und Lizenzstreitereien und wegen Korruptionsversuch, im Knast. Warum genau „ihr“ Røkke damals „brummen“  musste, weiß heute kaum noch jemand. Doch die Geschichte von seiner Freilassung kennt jeder: Gleich nachdem der Businessman wieder „draußen“ war, spendierte er allen Zellenkollegen und anderen Knastbrüdern für Tausende Dollar wochenlangen Pizzaservice. Er wisse schließlich jetzt, was die Jungs da drin am meisten brauchen, soll Røkke gesagt haben. 

Die Aktion „REV“ versteht der norwegische Erfolgsmensch als einen Beginn. Er wolle der Gesellschaft, vor allem aber dem Meer ein Maximum wieder zurückgeben. „Das Meer ist die Grundlage meines Reichtums, meines Lebensglücks und meiner Fortune. Ich kann und darf einfach nicht zusehen, wie die Ozeane vor die Hunde gehen!“ 

Doch wer weiß, vielleicht sieht der findige Geschäftsmann in der „REV“ auch ein Projekt mit Zukunftspotential. Wäre doch mal was anderes, wenn sich zu Gunsten der Ozeane auch noch Geld verdienen ließe…

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Michael Kunst

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