Meeresverschmutzung: „one earth – one ocean“ will Müllsammel-Katamaran einsetzen

Maritime Müllabfuhr

 one earth – one ocean

Ohne Worte © one earth – one ocean

150 Millionen Plastikmüll treiben in den Meeren. Der deutsche Verein „one earth, one ocean“ will einen Teil davon sammeln, um daraus neue Rohstoffe zu gewinnen. Trotz renommiertem GreenTec-Award fehlen noch Gelder.

Was für Segler keineswegs überraschend, aber immer wieder erstaunlich ist: Die Idee zu „one earth – one ocean“ kam Günther Bonin beim… Segeln! Der leidenschaftliche Skipper überführte 2009 den Klassiker „Samarkand“, die ehemalige Yacht des Computer Pioniers Thomas J. Watson Jr., von Vancouver nach San Diego, als neben ihm Grauwale auftauchten und bliesen.

Nichts Ungewöhnliches im östlichen Pazifik, doch beim zweiten Blick auf die Wasseroberfläche war es dann vorbei mit Idylle: Die Schule der Riesen schwamm durch einen Plastikmüllteppich aus Planen, Tüten und sonstigem schwimmfähigem Dreck, der offenbar von einem Schiff kürzlich entsorgt worden war.

Bonin segelte damals zwar nicht zum ersten Mal durch Plastikmüll, bezeichnet diese Begegnung allerdings als Schlüsselerlebnis. Der heute 58 jährige IT Manager kehrte zurück nach Deutschland und gründete nach einigen Recherchen zum Thema schließlich den Verein „one earth – one ocean“ der sich zum Ziel gesetzt hat, die Weltmeere, Flüsse und Seen vom schwimmenden Müll zu befreien. Nicht mehr und nicht weniger.

one earth – one ocean, Meeresverschmutzung

Weltkarte mit den größten Müllteppichen © one earth – one ocean

Endlich wird etwas gemacht

Wir alle wissen: Die Weltmeere sind zu einer riesigen Müllhalde verkommen. Mehr als 150 Millionen Tonnen Müll treiben auf den Oberflächen der Ozeane, nahezu 80 Prozent der riesigen Müllteppiche bestehen aus Plastik. Opfer sind zum Beispiel Albatross Küken auf Midway, die mit Plastikmüll im Magen sterben. Problematisch ist, dass sich der Müll sich nicht einfach irgendwann auflöst, sondern zu immer kleineren Schwebepartikeln verkleinert und über den Ernährungskreislauf letztendlich auch wieder beim Menschen landet.

Das Thema ist längst salonfähig geworden und beschäftigt weltweit Heerscharen von Wissenschaftlern und Forschern, die dem Problem – vor allem in Bezug auf die Belastungen für unser globales Ökosystem – buchstäblich auf den Grund gehen wollen.

Nur: Es wird viel geforscht und (relativ) wenig getan. Auf gut deutsch: wir wissen mittlerweile woher der Müll kommt, kennen alle Bestandteile der Müllteppiche und ahnen, wie lange sie weiter schwimmen werden. Aber niemand sammelt den Dreck ein!

Es gibt und gab zwar schon futuristisch anmutende Konzepte, die aber noch weit von einer Realisierung entfernt sind.

one earth – one ocean, Meeresverschmutzung

So wird die “Seekuh” aussehen – ein Katamaran, der vollautomatisch Müll von der Wasseroberfläche abfischt © one earth – one ocean”

Müll auf den Meeren muss gesammelt werden – wie an Land!

Und genau hier setzt Günther Bonin mit seinem Verein „one earth – one ocean“ an – sie machen einfach.  Bonin schart (mittlerweile) Hunderte Helfer um sich, die zumindest an den Stränden der europäischen Meere, Seen und Flüsse in groß angelegten Aktionen „aufräumen“, sprich: Müll sammeln.

one earth – one ocean, Meeresverschmutzung

Ein “Seehamster” nach dem Einsatz auf einem Binnensee © one earth – one ocean

Aber er motiviert auch Schiffskonstrukteure, Werftinhaber und Metallbauer für das Projekt –u.a. auch Thomas Hahn, der für BMW/Oracle das vorletzte AC-Siegerschiff mit konstruierte und als Strukturspezialist beim Volvo Ocean Race aktiv war. Denn Bonin hat eine Vision, deren Realisierung auf den ersten Blick nahezu unmöglich erscheint, die aber auf den zweiten Augenmerk schon ein Stück Realität geworden ist.

Auf ihrer Website beschreiben die Macher von „one earth – one ocean“, wie sie das Problem „Müll“ auf und in den Gewässern beseitigen wollen:

 

One earth – one ocean – Vision mit vier verschiedenen Arbeitsplattformen

1.Seehamster (Katamaran)

Er ist  stationär/passiv vor Inseln und Flussmündungen und nachschleppbar in Seen und Meeren einzusetzen.Fischer könnten ihn ausleihen, um gegen Bezahlung Plastik zu fischen. Er ist modular konfigurierbar in der Größe und der Art der Stoffe, die er einsammeln soll. Es können verschiedene Filter, je nach Bedarf, eingebaut werden. Nach Befüllung werden die vollen Netze eingeholt. Einsatzgebiete sind z.B. Seen, Flüsse, Mittelmeer,Ostsee,Nordsee….

2. Seekühe (Katamaran)

Sie sind u.a. gedacht für den Pazifik und den Atlantik. Sie fahren (später vollautomatisch) mit neuen  Wind- und Solar-Technologien vor oder mit halben Wind. Sie grasen selbständig das Plastik aus den Gewässern und legen die vollen Netze mit Angabe der Länge und Breite ab. Sichtbarkeit und Auftrieb der Netze werden zusätzlich durch angehängte Bojen gewährleistet. Die Seekühe werden je nach Einsatzgebiet (Art des  Gewässers, Wind und Wellen) zusammengestellt. Begleitet werden sie von den Farmerschiffen.

3.Seefarmer (Katamaran) und Seewolf (Katamaran)

Die Farmer ernten die Netze der Seekühe, sammeln selber und bringen ihre Plastikfracht zum Tanker. Als Zwischenlager dienen die beiden großen Rümpfe. Der Seewolf jagt grosse Plastikinseln- zerlegt sie und übergibt sie den Farmerschiffen bzw. dem Tanker.

4. Seeelefant (Tanker- doppelwandig)

Die Tanker begleiten die Farmer und Seekühe nach einem bestimmten Konzept. Sie sortieren, zerkleinern den Plastikmüll und wandeln ihn in neue Energie um. Andere nicht verwendbare Stoffe werden zur Weiterverarbeitung an Land gebracht. So können die Gewässer vollständig gereinigt werden. Auch diese Restmüllfrachter fahren mit neuester Technologie: mit Wind, Sonne und Rotoren.

Bei der Umwandlung Öl aus Plastik entsteht u.a. schwefelfreies Öl. Die Tanker sollen später als Tankstelle für vorbeifahrende Frachter dienen. So wird z.B. auf einer Fahrt von Japan-USA-Japan Frachtraum frei, wenn die Frachter unterwegs (z. B. vor Hawaii) schwefelfreies Öl (anstatt schwefelhaltigem Schweröl) tanken können. Das ist ein sehr großer Schritt zu einer besseren Umwelt.  Die Reeder werden mehr Fracht sauberer  transportieren und damit mehr Gewinne erzielen können.

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Michael Kunst

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12 Kommentare zu „Meeresverschmutzung: „one earth – one ocean“ will Müllsammel-Katamaran einsetzen“

  1. avatar Ballbreaker sagt:

    Die Wirkung des ersten Bildes ist ja wohl mehr als genial. Und dann noch der Titel “Ohne Worte”

    Ist wirklich alles mit gesagt!

    Top!

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  2. avatar Lars sagt:

    Wenn diese Projekte dazu führen, dass ein Bewusstsein für das Problem geschaffen werden, sind sie sinnvoll.
    An sich denke ich ja, dass man, bevor man eine Summe Geld in ein Projekt zur Bekämpfung irgendeines Missstandes steckt, lieber erstmal schauen sollte, ob man mit dem Geld nicht vielleicht ein Vielfaches erreichen könnte, wenn man die Ursachen der Belastungen bekämpft.
    Mir fallen da spontan Plastiksammelstellen in Asien ein, an denen Kinder für wenige Cent Plastik verkaufen können, das sie aufgesammelt haben. Bei uns könnte man einen Müllsammeltag einrichten, die Müllabfuhr verteilt Plastiksäcke und organisiert Sammelaktionen an den Stränden.

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  3. avatar Was tun Fisch sagt:

    Die Ursachen prioritär zu bekämpfen ist mE der richtige Ansatz, heißt vor allem die Hersteller von Kunststoff in die Pflicht nehmen, nicht Schüler sollten den Dreck an Strand sammeln, sondern von Mc Donald, dupont etc bezahlte Arbeiter.
    Auf den Meeren könnten das bezahlte Fischer machen: anstatt die Bestände mit den überdimensionierten Flotten zu dezimieren, sollten eben die Überkapazitäten an fangflotten zum müllsammeln eingesetzt werden

    Und ein bewusstseimswandel sollte bei uns allen bzgl Fisch und plastikkonsum stattfinden …

    Ob das hier gezeigte Bsp funktioniert weiß man nicht, deshalb sollte es probiert werden

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  4. avatar macwester sagt:

    Klar müssen die Ursachen bekämpft werden. Aber der ganze Müll, der schon herumschwimmt, wird davon nicht weniger 🙁
    Daher finde ich es gut, wenn an der Front etwas gemacht wird, auch wenn es erstmal schier unmöglich ausschaut.

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  5. avatar Lars sagt:

    Man müsste mal ehrlich ermitteln, wieviel Plastikmüll etwa pro Tag in die Ozeane eingetragen wird und wieviel man davon mit technischen Mitteln wieder heraus fischen kann. Das Verhältnis wird höchstwahrscheinlich ernüchternd sein. Der größte Sinn dieser Aktionen liegt darin ein Bewusstsein zu schaffen.

    Wie wäre es wenn SR einen Tag des Plastikmüllsammelns ausruft? 🙂

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    • avatar bonin sagt:

      Egal wieviel noch reinkommt- wichtig ist das der sichtbare Plastikmüll aus den Gewässern verschwindet !
      Mit technischen Mitteln geht fast alles- wenn wir aber weiterhin so gleichgültig sind wird sich das Problem von alleine lösen- es wird keine Menschen mehr geben- und viele Tier- Pflanzenarten auch nicht mehr.
      Und auch das ist den meisten Menschen scheißegal.

      Mit einer sinnvollen zeitnahen Reinigung wird die Nahrungskette, das Wasser und der Sauerstoff wieder sauberer.

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  6. avatar Minnisemmel sagt:

    ich denke, man sollte an breiter Front angreifen. einerseits technisch, dann Aktionen an Stränden, die dann auch das Bewusstsein schärfen. vielleicht sogar Ferienfreizeiten anbieten zum Müll sammeln (jeden Tag eine gute Tat).
    in unserem Dorf wird einmal im Jahr eine Aktion “sauberes Dorf” durchgeführt. Das schafft sogar soziale Gemeinschaft…

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  7. avatar Lars sagt:

    Ich sammel einmal im Jahr den Schilfgürtel neben unserem Verein ab und ernte verständnislose Gesichter . “Hat er die Mülltonne schon wieder voll gemacht, der Spinner?”

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    • avatar Manfred sagt:

      Nicht entmutigen lassen, Lars.
      Ich mach s genauso und eines Tages werden sich die “Verständnislosgesichter” schämen.
      Bei mir ist das größte Problem der ganze rumfliegende Styropormist der wg der Wärmeschutzverordnung an die Neubauten am Wasser (Wohnen am Wasser) geklatscht wird. Die Abschnitte und kleineren Blöcke fliegen herum, landen im Wasser, zersetzen sich in Mikrobestandteile und am Ende befinden sie sich in der Nahrungskette. Grausige Vorstellung. Leider haben die Baufirmen für meine “Sorgen” kein Verständnis oder es sind Subunternehmer zuständig, die sie mir aus “Datenschutzgründen” nicht nennen dürfen.

      Das zersetzen gilt natürlich auch für die vielen Plastikbeutel und Flaschen die ich häufig finde. Mit ner freundlichen Beschriftung am Müllsack neben der Tonne nimmt die Abfallentsorgung das bei mir regelmäßig mit.

      Ich fand die AC45 Müllsammelaktion an den Stränden der Veranstaltungsorte gut und kann nur jeden bitten, einfach mal selbst einen schwarzen Müllsack “voll” zu sammeln. Geht schnell und ist befriedigend, hinterlässt aber auch einen gewissen Groll auf die Verschmutzer.

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  8. Alles gut und schön

    Die Idee mit den AufsammelCat´s ist zu kurz gedacht. Schleppe ich diese Gefährte hinter mir her, sammel ich auch Meereslebewesen auf. Alle Lebewesen die größer sind als die Maschen sterben in den Netzen.

    Welche Lösung gibt es dafür?

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    • avatar bonin sagt:

      Bitte lese auf unserer Homepage die Lösungen.
      Wir wollen die Biomasse erhalten. Das geht.
      Da wo es keinen Sinn macht ( die Verschmutzung ist schon zu hoch)
      reinigen wir schnell und effektiver mut herkömmlichen Methoden..

      Gruss Günther

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