Abenteuer

Meuterei auf der Bounty

Don MyIntyre vor der "Talisker Bounty Boat"

Manchmal wiederholt sich Geschichte. Und beinahe hätte sie sich auf der „Talisker Bounty Boat“ nach 221 Jahren realistischer wiederholt, als es der Crew lieb war. Nur knapp ist das Team um den australischen Abenteurer Con McIntyre, 53, einer kleinen Meuterei entgangen.

Zuerst jedoch der Anfang der Geschichte. Am 28. April diesen Jahres hat sich die Meuterei auf der „Bounty“ zum 221. Mal gejährt. Damals hat der erste Offizier des Schiffes Fletcher Christian seinen Chef und Kapitän William Bligh, zusammen mit 18 Crewmitgliedern, in einem offenen Holzboot in der Nähe Tongas ausgesetzt – mit nur wenig Wasser und Nahrungsmitteln an Bord. Der verhasste Bligh schaffte daraufhin eine seemännische Meisterleistung, erreichte er doch nach sieben Wochen und rund 4000 Seemeilen Kupang in Timor.

Das Schiff bei ersten Probefahrten

Dieses Abenteuer will der Australier Don McIntyre nun mit drei Crewmitgliedern nachempfinden. Seit dem 29. April sind die Vier nun in ihrem, Blighs Holzboot nachempfundenen, nur 25 Fuß langen offenen Holzboot, der „Talisker“ unterwegs.

Schon nach wenigen Tagen stellt sich jedoch heraus, dass Captain Bligh entweder ein viel besserer Seemann war, als McIntyre es je vermutete, oder einfach ein unglaublicher Glückspilz. Denn im Gegensatz zu Bligh, musste die Besatzung der „Talisker“ nun schon wiederholt von einem GPS-Gerät Gebrauch machen – was so eigentlich nicht vorgesehen war.

In der Nacht zum 6. Mai wäre die „Talisker“ beinahe auf einem Riff zerschellt, und nur der Einsatz des GPS konnte das kleine Boot sicher aus der Gefahrenzone befördern. Dies verhinderte indes nicht, dass die Crew am folgenden Tag einen Knock-down erleben musste, wonach der Kapitän McIntyre beschloss die Insel Naingain nördlich von Fiji anzulaufen.

Als hier nun ein Schiff aus einem Touristen-Resort anlegte, kam es zu der Situation, die Kapitän McIntyre so lieb gewesen sein muss, wie der Moment, als Fletcher Christian seinem Kapitän Bligh freundlich den Weg ins Beiboot wies. Crewmitglied David Wilkinson unterbreitete McIntyre, dass er die Expedition verlassen wolle. Nicht, dass er das Schiff unsicher fand, und nicht, dass er die Crew nicht mochte. Vielmehr wollte er mit der Aussicht, weiterhin nur Corned-Beef zu essen nicht leben. Wilkinson hatte darüber hinaus schon am zweiten Tag der Reise eine der wichtigsten Regeln gebrochen, indem er auf einer angelaufenen Insel, Klopapier aufgetrieben und auch benutzt hatte – was McIntyre schon fast zur Verzweiflung gebracht hatte, wollte er die Reise Blighs doch so authentisch wie möglich wiederholen.

Im weiteren spielte McIntyre nun schon mit dem Gedanken, den jungen Amerikaner Zach Sunderland, um die Crew der „Talisker“ aufzufüllen. Spätestens hier fragt sich der Laie nun natürlich, ob Kapitän William Bligh vor 221 Jahren nicht auch ein Telefon hätte nutzen können, was die ganze Unternehmung vielleicht leichter gestaltet hätte. Nun ja.

Übrigens: Zach Sunderland ist der Bruder der derzeit in Kapstadt gestrandeten Weltumseglerin Abby Sunderland, und ehemals jüngster Weltumsegler. Seinen Rekord hatte ihm jedoch der Brite Mike Perham schon nach wenigen Wochen abgeluchst. Perham wollte wiederum von Beginn an auf der „Talisker“ mitsegeln, wurde jedoch durch die Nachwehen einer Blinddarm-OP ausgebremst. Verdammt klein die Segelszene, oder?!)

Letztlich hat sich der anscheinend sehr verweichlichte und konsumverrückte David Wilkinson nach einer kurzen Denkpause doch entschlossen, weiter an Bord der „Talisker“ zu segeln, was nach die Situation der Crew erst einmal entspannt, nach augenscheinlich verschiedenen Auffassungen von McIntyre und ihm jedoch die Frage aufwirft, wie lange die Sache mit den Beiden noch gut geht, beziehungsweise, ob sich die Meuterei auf der Bounty bald wirklich, und sehr authentisch, wiederholen wird.

Hier der Blog und die Internetseite des Talisker-Bounty-Boat-Projekts:
http://www.taliskerbountyboat.com
http://bountyboat.blogspot.com/2010_05_01_archive.html

Mathias Müller
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