Mitsegeln: „ShareMySea“ will den Wassersport demokratisieren – per App als Gast an Bord

Gemeinsam mehr Meer

 

Boatsharing, Vermittlung, Mitsegelgelegenheit

Mit der App “sharemysea” im Stil von Airbnb auf Segelbooten unterkommen © sharemysea

Im Stil von Airbnb und Blablacar bringen die Macher von „ShareMySea“ in Frankreich Bootsbesitzer und potentielle Mitsegler für gemeinsame Ausflüge bei geteilten Kosten zusammenbringen. Doch die französische Justiz könnte was dagegen haben…

Das Geschäftsprinzip ist rasch erklärt. Mit ihrer App „ShareMySea“ wollen zwei Ingenieure aus Nantes, die beide eine eigene Firma leiten und „diese digitale Spielerei“ (Zitat) nur nebenher betreiben, allen Menschen mit einer gewissen Affinität zum Meer und Wassersport die Möglichkeit geben, ihren Traum auszuleben.

Wer also schon immer mal von einem Tagestörn auf einem Segelboot entlang der Küste geträumt hat, aber nie dazu kam, braucht einfach nur auf der App „ShareMySea“ seinen Standort (oder ein Wunschziel) eingeben, und schon erhält man eine mehr oder weniger lange Liste von mitnahmewilligen Skippern in der Nähe, die zum angegebenen Zeitpunkt einen Mitsegler akzeptieren würden.

Alle wollen mee(h)r

Das Gleiche gilt selbstverständlich für Motorbootfahrer, die durchaus noch einen weiteren Wasserskifahrer ziehen könnten oder für Angler auf ihren Booten, die keine Lust mehr darauf haben, die Fische in asketischer Einsamkeit aus dem Wasser zu ziehen.

Genau wie bei Airbnb oder Blablacar fungiert die App bzw. Plattform „Sharemysea“ also als eine Art Vermittler zwischen zwei Personen oder „Parteien“, die im Prinzip das gleiche Interesse haben. „Den Wassersport demokratisieren“ nennen das die Macher von „ShareMySea“; wohl auch, weil sie allen – also etwa denjenigen, die aus finanziellen Gründen sich kein Boot oder Segelkurs leisten können – den Zugang zum Meer respektive Wassersport öffnen wollen.

Ist der Kontakt zustande gekommen, wird der Nutzer der App darüber informiert, wie viel die Unkostenbeteiligung (und angeblich soll dies wirklich nur eine Beteiligung an den unmittelbaren Kosten sein und keine Mietgebühr mit Gewinnspanne!) an dem gewünschten Ausflug oder Törn beträgt. Auf diesen Betrag wiederum schlägt „sharemysea“ eine Vermittlungsgebühr von 12% und schon kann’s losgehen.

Das Detail macht den Unterschied

Das Prinzip, Boote auf unterschiedliche Arten zu teilen, ist selbstverständlich nicht neu. Schon seit Jahren sind international Webportale erfolgreich, die sich auf die Vermietung etwa von privaten Booten an Dritte spezialisiert haben oder nach dem Boatsharing-Prinzip etwa Mitsegelmöglichkeiten auf eigenen oder fremden Segelyachten gegen Gebühr vermitteln bzw. direkt vermieten (zum Beispiel co-navigation.fr, barqo oder im Binnenbereich Sailbox.com und Sailcom.ch, um nur wenige zu nennen).

In Deutschland ging mit den „bootschaftern“ eine sympathische, aber leider wirtschaftlich wenig erfolgreiche Initiative Anfang letzten Jahres buchstäblich baden (SR berichtete).

Was nun an „sharemysea“ neu sein soll, ist der (angeblich) in erster Linie angepeilte rein private Aspekt der Vermittlung unter „Freunden der See“, eben ganz wie bei blablacar (Mitnahme im Auto gegen Unkostenbeteiligung) oder wie ursprünglich bei Airbnb.

Boatsharing, Vermittlung, Mitsegelgelegenheit

Sharemysea will der Leuchtturm werden, an dem sich alle anderen Boatsharing-Sites orientieren © sharemysea

Juristen untersuchen

Und genau bei diesem Vergleich mit Airbnb und den Anfängen des weltweit aktiven und höchst erfolgreichen Unterkunftvermittlers (eine der wertvollsten Sites im www) fühlen sich nun französische Juristen und sogar der französische Gesetzgeber angesprochen.

Denn „ShareMySea“ hat ausgesprochen vielversprechend „eingeschlagen“: Seit Anfang August 2016 ist die App aktiv und bis beute wurden bereits mehr als 16.000 Transaktionen respektive Vermittlungen durchgeführt.

Die französischen Medien haben sich während der Ferienzeit, vulgo: im Sommerloch förmlich auf die neue App gestürzt und so dem Start-Up zu unverhofften Aufmerksamkeitswerten verholfen. Ein Erfolg, mit dem bei „ShareMySea“ so noch nicht gerechnet wurde und der nachweislich noch größer gewesen wäre, wenn mehr „Anbieter“ von Plätzen auf Booten welcher Art auch immer von der neuen Vermittlungsmöglichkeit gewusst hätten.

Ohne Gewinn?

Unter diesen Anfangserfolgen bei „ShareMySea“ wurden jedoch – ähnlich wie bei Airbnb im großen Stil – gewisse „schwarze Schafe“ ausgemacht, die den sozialen Aspekt dieser Art von Boatsharing unterlaufen haben. So sollen etwa Bootsbesitzer größerer Yachten zu nicht näher genannten, relativ hohen Preisen, die nichts mehr mit einer Unkostenbeteiligung zu tun hatten, wochenlang vollbesetzte Tagestouren angeboten haben und so zu einem „netten“ Nebenverdienst in diesem Sommer gekommen sein.

Ganz wie bei Airbnb, wo zunächst „Zimmer in einer Wohnung mit Familienanschluss“ auf dem Programm standen und heutzutage meistens ganze Wohnungen und Häuser, die oft sogar speziell zu diesem Zweck gekauft bzw. angemietet wurden, zu exorbitanten Preisen weitervermietet werden.

Boatsharing, Vermittlung, Mitsegelgelegenheit

Einfach mal mit neuen Bekanntschaften an den Strand schippern © sharemysea

Entsprechend wird das Thema „ShareMySea“ nicht nur in der französischen Wassersportszene derzeit heiß diskutiert, sondern auch von französischen Juristen explizit untersucht. Spezialisierte Kanzleien, die sich schon seit längerem etwa mit dem Thema „Airbnb“ beschäftigen, wollen eine Gesetzeslücke im französischen Rechtssystem ausgemacht haben, die es zu schließen gilt.

Denn wo eine privat ausgerichtete Mitnahme von Gästen, die sich an den Unkosten beteiligen aufhört und eine als „gewerblich“ zu bezeichnende, also auf Gewinn ausgerichtete „Vermietung von Plätzen auf einem Schiff“ anfängt, scheint in Frankreich nicht eindeutig geregelt zu sein. Jedenfalls reden manche Medien bereits davon, dass ein Verbot dieser Form der „Co-Navigation“ drohen könne.

Die Macher von „ShareMySea“ schert das jedoch ganz offensichtlich wenig. Sie weiten gerade ihre Aktivitäten auf andere Länder als Frankreich aus: Zum Beispiel auf die französischen Dom-Tom-Gebiete wie Madagascar, die Karibik, La Reunion, aber auch Kanada und nordafrikanische Staaten wie Marokko und Algerien. Einen Einsatz ihres Modells in Ländern wie Deutschland oder Großbritannien „wollen sie nicht ausschließen“.

Tipp: André Mayer

Website ShareMySea

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Michael Kunst

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