Nachruf: Ex Tornado Coach Peter Bedei auf dem Stoller-Grund bestattet

"Bester Coach von allen"

Peter Bedei hier mit Oliver Schwall, prägte das Gesicht der erfolgreichen deutschen Segel-Olympiamannschaft Anfang der 90er Jahre.

Peter Bedei hier mit Oliver Schwall, prägte das Gesicht der erfolgreichen deutschen Segel-Olympiamannschaft Anfang der 90er Jahre.

Der legendäre ex Tornado Coach Peter Bedei ist auf dem Stoller-Grund vor Kiel auf See bestattet worden, nachdem er im Alter von 77 Jahren einer schweren Krankheit erlegen war. Oliver Schwall, der seine größten Erfolge mit Bedei feierte, erinnert sich in einem persönlichen Facebook Eintrag an den Bundeshonorartrainer, der schon mal das Training auflockerte, indem er aufgeblasene King Kongs als Wendetonnen auslegte.  In den 90er Jahren legte Bedei die Basis dafür, dass die stärksten Katamaran-Segler der Welt aus Deutschland kamen:

“Die letzte große Fahrt von Peter Bedei … dem besten Coach von allen!!!

Letzten Sonntag haben wir im kleinen Kreis der Familie, der Freunde und der Tornado-Segler Peter Bedei auf seiner letzten Seefahrt begleitet. Peter liegt nun dort, wo wir am liebsten mit ihm waren: Stoller-Grund, da wo meistens die Startlinie für die Tornados ausgelegt wurde.

Peter war der Coach, den wir uns selber ausgesucht haben. Dabei hatte er sich doch gerade auf ein entspanntes Rentnerleben eingestellt. Er wurde einer der erfolgreichsten deutschen Segel-Trainer aller Zeiten. Unzählige WM-, EM- und Weltcup-Siege gehen maßgeblich auf sein Konto. Und zum Abschluss 2000 Bronze mit Roland und René in Syndney!

Peter war Freund, Berater, Vaterersatz und immer und überall dabei. Wir haben unsere Frauen in seinem Beisein kennengelernt und später geheiratet. Peter hielt uns mit seinem unglaublichen Wohnmobil die gesamte Logistik vom Hals und kurvte damit für uns durch ganz Europa.

Peter hat Streit geschlichtet, wenn es mal welchen gab. Er hat die so unterschiedlichen Charaktere wie Roland, Olli, René, Jojo, Floh, Justus, Stefan, Paul und die Säcke immer zusammengehalten.

Peter hat so intensiv Pfeife geraucht, dass wir ihn auf dem Wasser zwischen all den Motorbooten am Geruch finden konnten. Sein unglaublicher Bus – dazu muss man vermutlich nicht mehr sagen. Ein Kunstwerk. Er gehört eigentlich ins Museum!!! – ist das Vorbild für die heutigen Fahrerlager beim Sailing Team Germany, die wir wann immer möglich für alle Segler auf den WC einrichten.

In dem Bus findet man noch heute in jeder Ecke Spuren von unseren gemeinsamen Touren (Aufkleber, Anstecker, Bierdeckel, Fotos, Krebsscheren, Ketten, T-Shirts, Caps, usw usw).

Ich glaube Peter war einer der Wenigen, die die Welt trotz allem Druck, Stress, Erfolg und Misserfolg immer sehr klar gesehen hat. Er machte uns Heißdüsen immer wieder klargemacht, dass es auch ein Leben neben dem Segeln gibt.

Er hat den besten Kaffe gekocht, den es gibt (der hat sogar Christian geschmeckt) und wenn wir doch mal dringend eine Zigarette brauchten nach dem Rennen, dann hatte er auch immer eine unter dem Kartentisch.

Peter war auch Anlaufstelle für alle anderen Segler der Olympischen Disziplinen … unvergessen war, wie sein Bus mitten im Olympischen Dorf in Barcelona stand. Darunter lag dann irgendwann noch die Riesen-Wasserschildkröte, die er tot aufgefischt und versteckt hat … der Gestank war unerträglich!!! Gefeiert haben wir auch oft (natürlich am oder im Bus … natürlich Grillen … das hat immer für uns arrangiert).

René und mir hat er Roman Hagara vom Hals gehalten, als er uns uneinholbar den WM Titel in Long Beach mit ungerechtfertigten Protestdrohungen streitig machen wollte. (Ich weiß bis heute nicht was er Roman gesagt hat).

Als ich nach durchzechter Nacht auf Sardinen am Tag des Finalrennens um 10.00 Uhr noch immer in der Hängematte lag, hat er mich wieder auf den Damm gebracht (Aus dem Titel wurde dann zwar nix mehr – aber immerhin Bronze … darüber ist Rene heute noch sauer!!! .-)

Mit Peter waren die Trips zu den Regatten echte Weltreisen! Zusammen haben wir die halbe australische Ostküste abgereist und alles gesehen was man nur sehen muss. Australien (Perth) war ohnehin die prägenste Veranstaltung! Peter hat sich da sauwohl gefühlt – er wollte am liebsten bleiben.

Nach nur zwei Tagen hatten wir Dutzende australische Freunde und Fans, die uns herzlich aufgenommen und mit uns Perth unsicher gemacht haben. Rottnest Ireland, Margrit River, Peter Johnsens Motor Yacht und dann auch noch die Wasserschlange im Motorboot (hochgiftig natürlich).

Perth war neben unserem Vizeweltmeistertitel auch die Nummer mit der “PR Ente”, die er der FAZ aufgebrummt hat: “Hai-Biss ins Ruderblatt und die Segler haben mit lauten Oink Oink rufen den Hai vertrieben” … Ja sie haben es geschrieben!!!

Sanne musste er ständig beruhigen, dass das ganze Krabbelzeug (u.a. handgroße Spinnen) zwar ekelig aber keineswegs giftig sei. Hat natürlich nix genützt … wir sind aus dem Seglercamp ins Hotel gezogen … und zwar mit Blaulicht!!

Ich denke wir könnten endlos so weiter machen …….

Peter hat viel für uns getan, wir haben ihm sehr viel zu verdanken und bestimmt hat er auch einen erheblichen Beitrag geleistet, dass wir das geworden sind was wir sind. Eines hat er aber bestimmt geschafft: Wir sind alle heute noch enge Kumpels und Freunde. Der Profisegler, die Landwirte, der Arzt, der Werber, der Marketingmann …. und all die Anderen

Wir werden ihn sehr vermissen …. den besten Coach von Allen.”

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3 Kommentare zu „Nachruf: Ex Tornado Coach Peter Bedei auf dem Stoller-Grund bestattet“

  1. avatar Wolfgang Kalisch sagt:

    Der beste und ergreifendste Nachruf!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  2. avatar Jentsch Jürgen sagt:

    Peter Bedei war einer charsmatischsten Tornadosegler der Welt.
    Wir haben ihm viel zu verdanken!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

    • avatar Thomas sagt:

      Ja so habe ich Peter auch kennen gelernt. Er war einer der engagiertesten hilfsbereitesten Menschen, den ich in dem Regattacircus kennen gelernt habe. Er hatte immer ein offenes Ohr, egal mit was man bei ihm ankam. Er war immer interessiert an den Seglern und hat sich für einen gefreut bei guten Ergebnissen oder einen Trost bei schlechteren Ergebnissen gehabt. Er hat sich immer um das Wohl der Segler gekümmert und so machen Abend mit Grillen Bier und Anderem organisiert… Danke Peter – schade das du “Bester Coach von Allen” von uns gegangen bist.

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