Naturphänomen: Ein grünes Leuchten krönt manchen Sonnenuntergang – Fakt oder Fantasie?

Grüner Blitz

Es gibt unzählige “gefakte” Videos über den Grünen Blitz – dieses hier macht einen ehrlichen, weil wenig spektakulären Eindruck.

Seefahrer haben die größten Chancen, ihn zu „erwischen“ – der Grüne Strahl oder Blitz leuchtet (sehr selten) in der letzten Sekunde des Sonnenuntergangs.

Nein, es hat nichts mit der zugeführten Menge gewisser alkoholgeschwängerter Sundowner-Getränke zu tun. Auch die oft zitierte Einsamkeit der armen Menschen, die mitunter wochen- und monatelang alleine auf hoher See unterwegs sind und außergewöhnlich oft von dieser blitzschnellen Erscheinung berichten, steht nicht zur Debatte. Und einer allzu hell aufblühenden Fantasie sollte man dieses grüne Leuchten am Ende eines Sonnenuntergangs auch nicht zuschreiben. Denn den Grünen Blitz gibt es tatsächlich. Wenn er auch höchstwahrscheinlich nur vom menschlichen Auge als solcher wahrgenommen wird.

Grüner Blitz, Naturphänomen

Die einzelnen Stadien des Grünen Blitz © wikipedia

Schon in frühesten Aufzeichnungen von Reisen durch die großen Wüsten unserer Erde, von epischen Törns über die Sieben Meere oder von langen Expeditionen in die Hochgebirge unseres Planeten wurde immer wieder von dem Naturphänomen Grüner Blitz, Grüner Strahl oder Grünes Leuchten berichtet. Mystische Kräfte wurden diesem Grünen Blitz früher nachgesagt und manche behaupten sogar, der Begriff „erleuchtet sein“ sei nach dem Anblick dieses scheinbar unerklärlichen, göttlichen Strahls entstanden. Ein grünes Aufleuchten am oberen Rand der untergehenden Sonne oder unmittelbar nach dem Verschwinden unseres nächsten Fixsterns hinterm Horizont, das meistens nur eine Sekunde oder noch kürzer andauert. In Polarregionen allerdings auch schon minutenlang beobachtet wurde.

Je weiter unsere vermeintliche industrialisierte Zivilisation im Laufe der letzten Jahrhunderte voranschritt, desto seltener wurde das grüne Leuchten gegen oder zum Ende des Sonnenuntergangs beobachtet. Kunststück: je reiner die Luft in der Umgebung des Beobachtungspunktes, desto größer ist die Chance auf den Grünen, mitunter sogar Blauen Blitz. Und da die Luft heutzutage über den Ozeanen deutlich weniger verschmutzt ist als über den Landflächen…

Grüner Blitz, Naturphänomen

Grüner Blitz © wikipedia

Mystische Kräfte?

Womit wir bei der physikalischen Erklärung des Grünen Blitzes angelangt wären. Dieses seltene, atmosphärisch-optische Naturphänomen wurde bereits auf die unterschiedlichsten Weisen erklärt. Neben der relativ ausführlichen Definition bei Wikipedia ist auch die Erläuterung des Arbeitskreis Meteore e.V. nachvollziehbar:

Der grüne Strahl kann drei verschiedene Erscheinungsformen annehmen:

  1. Der Grüne Saum, der mit einem Fernglas fast immer am oberen Rand der Sonne erkennbar ist und der umso breiter wird, je tiefer die Sonne sinkt; gleichzeitig färbt sich der untere Rand rot. Häufig bleibt er als grüner Streifen selbst nach Sonnenuntergang noch sichtbar.
  2. Das Grüne Segment, welches entsteht, wenn sich das obere Segment der untergehenden Sonne durch Luftspiegelungseffekte abtrennt und grün färbt. Dieser Erscheinungsform geht gewöhnlich eine starke Verzerrung der Sonnenscheibe voraus.
  3. Der eigentliche Grüne Strahl oder auch Grüner Blitz ist mit bloßem Auge äußerst selten zu sehen. Er gleicht einem grünen Flämmchen oder Büschel und ist in dem Moment zu beobachten, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Diese Erscheinung ist oft nur den Bruchteil einer Sekunde, oder bei günstigen Bedingungen auch wenige Sekunden lang zu sehen.

    Grüner Blitz, Naturphänomen

    ein anderer “Aufbau” des Grünen Blitzes” © sciences et natures

Die grundlegende Ursache für den Grünen Strahl ist eine Brechung des Lichtes der Sonne. Da die Refraktion nahe am Horizont am stärksten ist, wird dort das letzte Lichtsegment der untergehenden Sonne in seine Spektralfarben zerlegt. Es gibt einen roten, grünen und blauen Sonnenrand. Diese Aufspaltung nimmt gen Horizont zu, ist allerdings auch dort nur einige Bogensekunden klein (eine Bogensekunde ist 1/3600 Grad). Da der rote Rand zuerst untergeht, liegen für sehr kurze Zeit nur noch der blaue und der grüne Rand über dem Horizont. Durch die Verschmutzung der Atmosphäre wird das blaue Licht stark abgeschwächt und für wenige Sekunden ist tatsächlich der grüne Rand zu sehen. Bei außerordentlichen Bedingungen kann in seltensten Fällen auch das blaue Licht gesehen werden.

Achtung: Risiko für die Augen

Also: Augen auf beim nächsten See-Törn. Wenn die Sonne dem Horizont entgegen eilt, vielleicht ausnahmsweise nicht hektisch runter in die Kajüte klettern, um dort den Sundowner (geschüttelt, nicht gerührt) zuzubereiten. Sondern lieber die letzten Sekunden des täglichen Sonnen-Versteckspiels aufmerksam beobachten . Vielleicht beglückt euch ja der Grüne Strahl, dem die polynesischen Völker seit Jahrtausenden magische Kräfte zuschreiben. Aber Vorsicht, auch in die rot gefärbte, untergehende Sonne sollte man nicht allzu lange etwa mit einem Fernglas schauen – Verletzungsgefahr!

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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