Naturphänomen: Neuer ESA-Satellit fotografiert Algenblüte in der Ostsee

Im Auge des Algensturms

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Das Schiff zieht eine deutliche Spur im Algengrün nach sich © ESA

In nie dagewesener Schärfe fotografiert „Sentinel 2“ aus 786 Kilometern Höhe unseren Planeten. Er wurde Zeuge einer spektakulären Algenblüte in der Mitte der Ostsee.

Wie faszinierend schön kann doch unser Planet sein. Vor allem dann, wenn man eine gewisse Distanz zu ihm wahrt. Um ihn mit einer unglaublichen Schärfe und Auflösung wieder näher zu sich heran zu „zoomen“…

Diese Aufnahme ist nicht nur eine Augenweide. Sie ist Dokument einer enormen biologischen Gefahr in unserem „Hausmeer“. Von der wir alle längst wissen, die wir aber immer wieder verdrängen und gegen die kaum etwas getan wird.

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Der Umweltsatellit in einer Computersimulation © sentinel

In zuvor so noch nie gesehener Schönheit und Schärfe fotografierte der erst kürzlich in den Orbit geschossene ESA-Satellit „Sentinel 2“ (Wächter) eine Algenblüte und ihre Verwerfungen auf der Meeresoberfläche des Mare Balticum. Letzten August sorgten hohe Temperaturen, ein relativ ruhiger Seegang und die Auswirkungen einer seit Jahrzehnten andauernden Überdüngung der umliegenden Landstriche mit Phosphat für eine überproportional starke Algenblüte auf der Ostsee.

Diese plötzliche und massenhafte Vermehrung von Algen und Cyanobakterien kann ganze Ökosysteme wie etwa die sowieso schon schlecht mit Sauerstoff versorgte Ostsee zum Umkippen bringen.

Die Aufnahme der „Sentinel 2“ zeigt fadenförmige Strukturen und Wirbel im Algenteppich, die entfernt an die bekannten Bilder vom Auge eines Hurrikans erinnern und wohl ebenfalls von (leichten) Winden und Strömungen verursacht wurden. Selbst die „Spuren“ – Wirbel der Schrauben – eines Schiffes, das schnurgerade durch den Algenteppich fährt, sind deutlich auszumachen.

Eine Aufnahme von faszinierender Schönheit, die gleichzeitig bedrückend wirkt: Und wenn uns die Ostsee wirklich mal umkippt?

Frühwarnsystem und Umweltwächter

Der Satellit „Sentinel 2“ wurde am 23. Juni mit einer „Vega“-Trägerrakete des Europäischen Raumfahrtinstituts ESA von Franz. Guayana aus in den Orbit geschossen. In 786 km Höhe dreht der etwas mehr als eine Tonne schwere Satellit im Rahmen des Erdbeobachtungsprogramms „Copernicus“ nun seine Runden um unseren Planeten – 100 Minuten braucht er für eine Erdumrundung.

Dabei fotografiert/filmt Sentinel 2 einen 290 km breiten Streifen nach dem anderen auf der Erdoberfläche. Die Satelliten-Kamera deckt dabei 13 Farbspektren ab, darunter auch solche, die fürs menschliche Augen gar nicht sichtbar sind. So kann etwa im Infrarotbereich erkannt werden, wie hoch die Chlorophyll- und Wasseranteile in Pflanzen sind.

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Faszinierendes Naturphänomen, das bedrückende Stimmung hinterlässt – Algenblüten-Aufnahme aus 786 Kilometern Höhe © ESA

Bei einer Geschwindigkeit von sieben Kilometern in der Sekunde fotografiert die Kamera 30.000 Pixel breite und einen Pixel hohe Streifen, die später vom Computer zu einem Bild zusammengesetzt werden. So sind Aufnahmen in einer Auflösung von „1 Pixel auf dem Bildschirm = 10 Meter auf der Erde“ möglich.

Bis 2022 will die ESA eine Flotte von elf dieser Sentinel-Satelliten im Orbit haben, die gemeinsam das wohl umfassendste Bild der Erde liefern werden. Schon nächstes Jahr soll „Sentinel 2 b“ zu seinem Zwillingsbruder in die Erdumlaufbahn geschickt werden. Sieben Jahre entwickelten und bastelten Airbus-Ingenieure an den zwei „Sentinel“-Satelliten, 360 Millionen Euro kostete das Projekt bisher.

Ziel des Sentinel/Copernicus-Programms ist, dass die belichteten Aufnahmen und damit verbundenen Informationen etwa für Landwirte, Geologen aber auch Katatrophenschutzdienste oder Lebensrettungsgesellschaften kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. So soll die gesamte Erde in kürzesten Zeitabständen aufs Genaueste abgelichtet werden. Um auch die kleinsten Veränderungen im Gesamtgefüge zu dokumentieren.

Website ESA/Sentinel

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Von wegen blauer Ozean: Giftgrün blüht die Ostsee © ESA

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Michael Kunst

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