Neue Kon Tiki Expedition: Abenteuer mit dem Balsa-Floß – Wie die Inkas zurück gekreuzt sind

Mit Steckschwertern gegen den Wind

Kon Tiki 2, Expedition, Inka, Polynesien, Urvolk

Die Reise der Kon Tiki 2-Expedition: Von Peru zu den Osterinseln und zurück © kon tiki 2

Viel mehr als „nur“ auf den Spuren Thor Heyerdahls: Die Crews des Projektes Kon Tiki II wollen beweisen, dass die Inkas von Polynesien aus auch gegen den Wind zurück kreuzen konnten und somit regen Austausch pflegten.

Thor Heyerdahl lieferte 1947 den ersten Beweis: Ein Floß aus Balsaholz, wie es die Inkas jahrhundertelang vor dem Einfall der Konquistadoren nutzten, ist durchaus hochseetüchtig.

Der Norweger trieb unter Segeln auf der Kon Tiki mit seiner fünfköpfigen Crew von Callao/Peru im Humboldtstrom nach Polynesien und bewies so, dass eine Besiedlung der Inseln mitten im Pazifik von Südamerika aus möglich war. Das Floß brauchte 101 Tage für die 3.770 Seemeilen lange Strecke, während der sich die Besatzung nahezu ausschließlich von getrockneten Früchten, Kokosnüssen, Flaschenkürbissen, Wurzelgemüse und Fisch ernährte.

Sechzig Jahre später untermauerte wieder ein Norweger die Beweisführung Heyerdahls und setzte noch ein obendrauf“: Torgeir Higraff segelte die annähernd gleiche Strecke ebenfalls auf einem Balsafloß, das nach Inka-Original-Darstellungen aus prekolumbischer Zeit nachgebaut wurde. Nur dass die „Tangaroa“-Expedition 30 Tage weniger für ihre Reise brauchte.

„Den Zeitgewinn erreichten wir vor neun Jahren mit einer simplen Erkenntnis, von der Heyerdahl damals noch keine Ahnung hatte: die Guara-Steckschwerter,“ stellt Higraff heute klar. „Obwohl zu Heyerdahls Ehrenrettung gesagt werden muss, dass er sich nach seiner Expedition explizit um die Einsatzmöglichkeiten der Steckschwerter kümmerte!“

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Viel mehr als “nur” auf Heyerdahls Spuren © kon tiki 2

Neun Steckschwerter zum Manövrieren

Tatsächlich wusste man vor Heyerdahls Kon Tiki-Experiment noch nicht, was es mit diesen ominösen „Brettern“ auf sich hatte, die man auf alten Zeichnungen und Stichen spanischer Geschichtsschreiber vage erkennen konnte. Zwar nutzte die erste Kon Tiki-Expeditionen bereits vier Steckschwerter, setzte sie aber nicht sinngemäß ein. „Schlicht und ergreifend, weil den Forschern damals noch nicht klar war, wie die Guaras tatsächlich genutzt wurden,“ berichtet Higraff weiter.

In der Zeit zwischen den beiden Expeditionen hatte die Archäologie jedoch enorme Fortschritte und bedeutende Entdeckungen gemacht.

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Die beiden Flöße treffen sich auf See und tauschen Nahrungsmittel aus © kon tiki 2

„Da waren diese Holzlatten, mehr oder weniger verziert, in unterschiedlichen Größen, die in vielen Gräbern gefunden und fälschlicherweise jahrzehntelang als mystische Grabbeigaben oder Artefakte missdeutet wurden,“ beschreibt Hagriff heute.

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Neun Steckschwerter auf Tangaroa – die neuen Kon Tiki 2 sind genauso aufgebaut und sollen gegen den Wind segeln © kon tiki 2

Irgendwann kam man dann darauf, dass es sich um Steckschwerter und im gewissen Sinne auch Ruder handelte, die auf den Balsaholz-Flößen der Inkas zum Einsatz kamen. Und den Seefahrern und Kaufleuten als Symbol für ihre Seetüchtigkeit und wohl auch für ihren kaufmännischen Erfolg zur See ins Grab gelegt wurden.

Diese „Guaras“ brachte Higraff bei seiner Tangaroa-Expedition erfolgreich zum Einsatz und schaffte es so, deutlich höher am Wind zu segeln, als Heyerdahl auf der Kon Tiki. Zudem erwies sich die Manövrierfähigkeit der Balsaholz-Flöße mit den Guara-Steckschwertern weitaus effizienter als mit dem (von Heyerdahl eingesetzten) knapp sechs Meter langen Ruder, das die Kon Tiki damals zu einem reinen Drift im Strom vor dem Wind „verdammte“.

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Manöver unter Guara-Steckschwertern – das Prinzip © kon tiki 2

Inkas segelten wohin sie wollten

Genau an diesem Punkt setzt nun Hagriff mit seiner neuen Expedition „Kon Tiki II“ erneut an. Auf zwei Flößen aus Balsaholzstämmen will er beweisen, dass die Inkas zu einem regen kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Südamerika und Polynesien fähig waren. Indem er mit den beiden Flößen zu den Osterinseln segelt – und nach einem angemessenen Landaufenthalt gegen den Strom und gegen den Wind wieder zurück kreuzt.

Higraff: „Im Laufe der Jahre sind aus den Tiefen der spanischen Geschichtsschreibung spannende Zeichnungen und Berichte von Mönchen und Forschern des 16. Jahrhunderts zutage getreten, die eindeutig darauf hinweisen, wie seetüchtig die Schiffe der Inkas gewesen sein müssen und wie rege sie über die Meere hinweg Handel betrieben!“ Von dem Inka-Herrscher Tupac Yupanqui wird sogar berichtet, dass er im 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung höchstpersönlich gen Westen gesegelt sei, um die dort liegenden Inseln zu erkunden. Oder zu erobern?

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Ein Stich aus dem 17. Jahrhundert zeigt den Einsatz der “Guaras” auf einem südamerikanischen Segelfloß © kon tiki 2

Die moderne DNA-Forschung hat mittlerweile zweifelsfrei festgestellt, dass die Bewohner der Osterinsel DNA-Spuren früher südamerikanischer Völker in sich tragen. Ebenso konnten sie nachweisen, dass einige polynesische Völker eindeutig ihre Wurzeln in Taiwan haben. „Für mich ist das kein Widerspruch,“ sagt Higraff. „Sondern der eindeutige Beweis dafür, dass auf dem Pazifik schon seit Ur-Zeiten viel gereist wurde. Und dass solche Reisen meistens auch eine Rückkehr hatten, wollen wir mit Kon Tiki II beweisen!“

Balsaholzfloß, gespickt mit HighTech

Vierundvierzig Balsa-Bäume ließ Higraff in Ecuador fällen und transportierte sie nach Callao, wo dreißig Arbeiter über drei Wochen hinweg zwei 17 Meter lange, 7 Meter breite und 40 cm tiefgehende Holzflöße bauten. Vor einer Woche segelten die beiden Kon Tikis los – an Bord sind jeweils sieben wissenschaftliche Mitarbeiter, Forscher und Abenteurer.

Während der archäologischen Expedition werden zudem Wasserproben entnommen, die den Grad der Verschmutzung in diesem Teil des Pazifiks dokumentieren soll. Die Crew ist gut vernetzt und berichtet regelmäßig im Internet über den Fortgang der Expedition.

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FacebookWebsite (mit ausführlichen Interviews und Erklärungen)

Das Guara-Prinzip

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Expeditionsleiter Higraff © kon tiki 2

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Michael Kunst

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