Streiflicht: Seit wann gibt es die Hochtakelung?

Neulich im Museum

 

Dreimastschoner mit Hochtakelung vor Jamaika um 1834. Ölmalerei von John Lynn im Londoner National Maritime Museum. © Uwe Röttgering

Die Hochtakelung, also eine Takelung, bei der statt eines trapezförmigen Gaffelsegels ein dreieckiges Segel am Mast angeschlagen wird, habe ich bislang für eine Erfindung des 20. Jahrhunderts gehalten (mehr dazu bei Wikipedia).

So war Ludwig Schlimbach in den 1930er Jahren der erste Einhandsegler, der den Atlantik mit einer hochgetakelten Yacht überquert hat (sogar mit einer Rollfock, wenn ich mich recht erinnere). Dass die Geschichte des Bermuda- oder Marconi Riggs viel weiter zurück reicht, ist mir bei einem Besuch des National Maritime Museums in London bewusst geworden.

In der Gemäldeausstellung habe ich das Bild oben aus dem Jahr 1834 gesehen. Es zeigt einen hochgetakelten Dreimastschoner. Interessant, dass die zwei Großsegel ohne Baum gefahren werden und dass der mittlere Mast offenbar durch ein fliegendes Vorstag gesichert ist.

Warum es noch 100 Jahre gedauert hat, bis sich die Hochtakelung auf Yachten durchgesetzt hat, weiß ich nicht. Über Ideen zu dieser Frage würde ich mich freuen.

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Streiflicht: Seit wann gibt es die Hochtakelung?“

  1. avatar Peter sagt:

    Vielleicht, weil es höhere Masten braucht, um mit der Hochtakelung die gleiche Segelfläche zu bekommen, wie mit einer Gaffeltakelung. Dies könnte bei Holzmasten ein Problem sein. Vielleicht kann die Hochtakelung ihre Vorteile nur richtig bei Alumasten ausspielen, die man länger und dünner als Holzmasten machen kann.

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  2. avatar O. sagt:

    Ich finde auch nicht sicher das da keine Bäume sind, am Besan ist offensichtlich einer und auch die Reffbändsel der Segel könnten das vermuten lassen.
    Das sich das nur langsam druchgesetzt hat, könnte daran liegen, dass bei einem Gaffelsegel tatsächlich die gleiche Segelfläche mit einem deutlich kleineren Mast erreichbar ist, ohne allzu grossen Verlust der positiven Eigenschaften.

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  3. avatar O. sagt:

    Was ich auch noch auffällig finde ist die Befestigung der Segel am Mast mit Ringen bis Vorstaghöhe, danach scheint es fliegend zu sein, wie man am Grossmast erkennen kann.

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  4. avatar ASL sagt:

    Die Ringe bekommt man ja ohne weiteres nicht am Vorstag vorbei. Daher ist das eigentlich klar. Soviel ich weiss, hat man früher gerne die Masten zweigeteilt. Einmal aus Vereinfachnungsgründen in der Herstellung und und darüber hinaus, um bei Schietwetter die oberen Stengen kappen bzw. verlieren zu können, um das Toppgewicht zu reduzieren. Da wäre das Dreieckssegel auch mit weg, nicht aber das Gaffelsegel. Vielleicht so???

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  5. avatar ASL sagt:

    Ergänzung: schaut man sich die Zugrichtung der Schoten an, erinnert das stark an de Zugrichtung einer Genua, also eher keine Bäume. Die Reffbändsel werden ja auch gerne bei reffbaren Vorsegeln (nicht Roll (LoL)) verwendet.

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