OceanCleanUp: Boyan Slat startet erste Aktion im Pazifik – auf 50 Yachten!

Segelnd säubern

So soll die Müllbarriere vor Tsushima Island/Japan zum Einsatz gebracht werden © OceanCleanUp

So soll die Müllbarriere vor Tsushima Island/Japan zum Einsatz gebracht werden © OceanCleanUp

Der junge Umweltaktivist Boyan Slat ist immer wieder für Überraschungen gut: Im August will er mit 50 Yachten auf dem Pazifik Müll-Infos sammeln; 2016 wird erste Müll-Barriere vor Japan installiert.

Es stimmt: Boyan Slat und seine „wilden Ideen“, mit denen er die Weltmeere von Plastik und anderem umher treibenden Müll befreien will, polarisieren. Oder sie werden zumindest sehr kontrovers diskutiert.

SR berichtete bereits mehrfach über die zunächst naiv anmutenden Pläne des erst 21-jährigen Niederländers, der kilometerbreite Müll-Barrieren auf hoher See verankern will, in denen umher treibende Plastikteile eingesammelt und später entsorgt werden sollen.

Boyan Slat vor Plastikmüll aus den Ozeanen © OceanCleanUp

Boyan Slat vor Plastikmüll aus den Ozeanen © OceanCleanUp

Das seit mehr als drei Jahren existierende Projekt begeisterte Wissenschaftler, Umweltaktivisten und Freunde der Ozeane gleichermaßen wie es andere Vertreter der gleichen Gruppen „auf die Palme brachte“. Die einen waren von Anfang an überzeugt von der Machbarkeit des utopisch anmutenden Projektes, die anderen verwiesen auf zusätzliche Gefahren für die Meeresfauna und den vermeintlichen Irrsinn, ein derart gigantisches Vorhaben als Privatinitiative zu starten. Boyan Slat kümmerte das alles herzlich wenig.

Mit Beharrlichkeit zum Erfolg?

Mit einer Crowd-Kampagne (an die zu Beginn auch kaum jemand glauben wollte), schaffte es der Umweltaktivist, gemeinsam mit seinen (mittlerweile zahlreichen) Mitstreitern innerhalb kürzester Zeit mehr als zwei Millionen Euro zu sammeln. Die wiederum wurden konsequent für die Weiterentwicklung der Hochsee-Müllbarrieren eingesetzt.

Allen Unkenrufen zum Trotz (erste Versuche mit proportional verkleinerten Prototypen der Müllbarrieren auf See zeigten eher ernüchternde Resultate) wurde kürzlich offenbar ein erster Müllsammel-Auftrag unterzeichnet. Vor der japanischen Insel Tsushima soll im Auftrag der örtlichen Kommunalverwaltung 2016 eine ca. zwei Kilometer lange Müll-Barriere verankert werden. 30.000 Kubikmeter Müll treiben dort jährlich an, dessen manuelle Beseitigung die Kommunen jährlich mehr als fünf Millionen Dollar kostet. Der Bau des Projektes beginnt bereits im kommenden Winter.

Rein grafisch sieht's schon mal toll aus und macht Sinn © OceanCleanUp

Rein grafisch sieht’s schon mal toll aus und macht Sinn © OceanCleanUp

Segelnd säubern

Doch damit nicht genug, Boyan Slat kündigte noch eine weitere Aktion an, mit der er vor allem Segler anspricht. Sein Projekt OceanCleanUp nimmt Slat diesmal spontan wörtlich: Er will bereits im August mit 50 Yachten, die nebeneinander segeln (und motoren) über das im Pazifik besonders verschmutzte Gebiet nordöstlich von Hawaii nach Los Angeles fahren.

Jede Yacht soll eine Art Müllnetz hinter sich herziehen und damit Abfall sammeln. Nicht um bei einem Törn mal eben schnell die Welt von allem Plastikmüll zu befreien, sondern um Wichtige Daten zu sammeln, um nähere Erkenntnisse darüber zu erlangen, wieviel Müll denn nun tatsächlich in den prekären Gebieten unserer Ozeane treibt, in welcher Wassertiefe und in welcher Konsistenz (mancher Plastikmüll löst sich relativ schnell in Mikroteile auf, die dann allerdings oftmals eine Halbwertzeit von mehreren Hundert Jahren haben).

Skipper und Boote gesucht

Grafisch sieht das wunderbar einleuchtend aus, in der Praxis dürfte das eine oder andere zusätzliche seglerische, organisatorische und wettertechnische Problem auf die Teilnehmer der Aktion zukommen.

Hiermit sollen auf hoher See auf den 50ß Yachten Informationen zum Müll gesammelt werden © OceanCleanUp

Hiermit sollen auf hoher See auf den 50 Yachten Informationen zum Müll gesammelt werden © OceanCleanUp

Die „größte Expedition der Geschichte“ nennt der Niederländer sein Vorhaben. Von Hawaii nach Los Angeles segelnd, sollen so 3.500.000 Quadratkilometer Meeresoberfläche „bearbeitet“ werden. Dabei soll in drei Wochen mehr Plastik eingesammelt werden, als in den letzten 40 Jahren zusammen.

Boyan Slat sucht derzeit noch nach Yachten und erfahrenen Seglern für sein „historisches Ereignis“. Durch tatkräftige Unterstützung seitens der TransPac-Organisatoren (alljährlich im Juli stattfindende Trans-Pazifik-Regatta von Los Angeles nach Honolulu) ist sich Slat jedoch sicher, genügend Teilnehmer für sein Mega-Event zu finden.

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Schön in der Reihe segeln: Die größte Expedition der Geschichte? © Hiermit sollen auf hoher See auf den 50ß Yachten Informationen zum Müll gesammelt werden © OceanCleanUp

Schön in der Reihe segeln: Die größte Expedition der Geschichte? © Hiermit sollen auf hoher See auf den 50ß Yachten Informationen zum Müll gesammelt werden © OceanCleanUp

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „OceanCleanUp: Boyan Slat startet erste Aktion im Pazifik – auf 50 Yachten!“

  1. avatar Friedrich sagt:

    Und was macht er mit dem ganzen Meeresgetier, dass er auch mit rausfischt bzw. das zwischen Müll verenden wird? Das wird doch nicht nur die größte Expedition, sondern auch der größte Fischzug aller Zeiten…

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  2. avatar Thomas sagt:

    Es soll kein Müll rausgefischt werden, sondern Messungen zur Mülldichte genommen werden, das wurde falsch verstanden/übersetzt.
    Nicht nur über eine zu trawlernde Sonde sonder auch per Oberflächensichtung.

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