Oldtimer: “Gefährung der maritimen Tradition in Deutschland” – Widerstand gegen Dobrinth

"Minister versenkt Traditionsschiffe"

Kapitän Stefan Schmidt (75) setzt sich normalerweise für Flüchtlinge ein und saß im Gefängnis. Nun kämpft er auch gegen Alexander Dobrindt und seine Attacke auf die Traditionsschiffahrt.

Lotsenschoner No 5 Elbe, eines der betroffenen Traditionsschiffe.

Stefan Schmidt (75) hat sich einen Namen gemacht, als er schon 2004 ein Thema in die Schlagzeilen brachte, das heute eines der drängendsten Probleme unserer Zeit ist: die Flüchtlingskrise. Er war der Kapitän des zum Rettungsschiff umgebauten Frachters “Cap Anamour” der ins Seegebiet um Malta und Lampedusa auslief und dort 37 Flüchtlinge aus Seenot rettete. 

Die Aktion sorgte damals für politische Verwicklungen als Schmidt fast drei Wochen keine Einlaufgenehmigung in den sizilianischen Hafen Porto Empedocle erhielt und sogar wegen Beihilfe zur illegalen Einreise festgenommen wurde.

Attacke des Verkehrsministers

Seitdem erhebt er in Sachen Flüchtlingskrise sein Wort und bekleidet inzwischen das Amt des Landesflüchtlings- und Zuwanderungsbeauftragten für Schleswig Holstein. Nun entschuldigt er sich schon fast, dass er sich auch “über kleinere Dinge aufregt”. Aber eine Attacke des Verkehrsministers gegen die Traditionsschiffahrt ziehe immer weitere Kreise.

Kapitän Schmidt. © Ankerherz

“Was Dobrindt vorhat, ist Schwachsinn”, sagt er  in seinem jüngsten Blogbeitrag und greift damit ein Thema auf, das inzwischen immer mehr Menschen ärgert. Es geht um ein 146 Seiten starkes Papier von Alexander Dobrindt, in dem strengere Sicherheitsauflagen für Traditionsschiffe beschlossen werden.

Zum Beispiel sollen die ehrenamtlichen meist älteren Seeleute künftig jedes Jahr ihre Seetauglichkeit nachweisen, wie es auch von den Profis verlangt wird. Teilweise müssen auf den Schiffen neue Schotten eingezogen, Ankerketten erneuert oder Treppen verstärkt werden.

Mehr als 100 Schiffe betroffen

Sigmar Gabriel hatte den Vorstoß im Januar noch als Wirtschaftsminister gestoppt, aber nun soll die Verordnung doch der EU-Kommission in Brüssel vorgelegt werden. Die fünf norddeutschen Länder sind dagegen, aber Dobrindt zieht den Plan durch.

Mehr als 100 Schiffe sind von den Auflagen betroffen und es besteht die Befürchtung, dass viele Betreiber die zusätzlich notwendigen Kosten nicht tragen können. “Das wird die Traditionsschifffahrt hierzulande absaufen lassen”, sagt Schmidt.

Schmidt stellt  als Dozent für Schiffsicherheit an der Seemannsschule Travemünde  auch den Handlungsbedarf in Frage und entspricht damit der Meinung vieler Kritiker. Nach Aussage der Fachverbände gab es in den vergangenen sieben Jahren nicht mehr als sieben leichte Unfälle, und keiner wäre von den neuen Richtlinien verhindert worden.

Der Ankerherz-Verlag hat inzwischen eine Petition gestartet und hofft auf viele Unterstützer aus der Bevölkerung: “Pro maritime Tradition: Dobrindts Verordnungsirrsinn stoppen!”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Oldtimer: “Gefährung der maritimen Tradition in Deutschland” – Widerstand gegen Dobrinth“

  1. avatar Backe sagt:

    Schon unterzeichnet!

    Wer auch in Zukunft noch Traditionsschiffe deutsche Nord- und Ostseehäfen ansteuern sehen will, der sollte mitmachen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Wolfram sagt:

    @ “Nach Aussage der Fachverbände gab es in den vergangenen sieben Jahren nicht mehr als sieben leichte Unfälle…”
    Was ist mit den Untergängen von Falado von Rhodos, Astrid und Olga von Skagen??? 2013
    Ich bin kein Sicherheitsvernatiker, aber individuelle Sicherheitsanpassungen hätten da schon einiges gebracht!

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  3. avatar Falko Chrost sagt:

    Auch schon unterschrieben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Vielleicht sollte H. Dobrindt erst mal das Projekt “Autobahnmaut” zu Ende bringen, bevor er sich mit den Traditionsschiffen beschäftigt. So was von überflüssig, bei der unglaublichen Schwere der letzten Unfälle.
    Man hat manchmal das Gefühl, daß da wieder mal welche nichts zu tun haben in Berlin und/oder Bayern.

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