Olympische Kloake: Keine Virus-Tests in der Guanabara-Bucht vor Rio

„Schwer auszuwerten!“

Die Organisatoren der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gaben bekannt, dass sie auf Empfehlung des WHO auf  Virus-Tests im Abwasser-verschmutzten Regattarevier verzichten werden.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Associated Press über fünf Monate hinweg aufwändige Tests durch ein unabhängiges Labor in der Guanabara Bucht durchführen lassen. Dabei wurden in der von ungeklärten Abwässern belasteten, weltbekannten Bucht mehrere Viren gefunden, die schwere gesundheitliche Schäden (Atemwegs- und Darmerkrankungen) bei Personen auslösen könnten, die mit dem Wasser in Kontakt kommen. In jedem Fall können die Viren kontaminierte Sportler innerhalb kürzester Zeit erheblich schwächen.

Was wiederum die Bedenken der Segler, Triathleten, Langstreckenschwimmer und Ruderer bestätigte, die bereits seit Jahren auf die katastrophalen Zustände in der Guanabara-Bucht hinweisen.

guanabara bucht, Wasserverschmutzung, Meeresverschmutzung

Außerhalb der Bucht ist es sauberer. Aber wie kommt man da hin? © Turismo Rio

Segler, Ruderer und Schwimmer erkrankten

Nahezu 80% aller in der Metropole produzierten Abwässer fließen ungeklärt in die Bucht; kurz vor der Vergabe der Olympischen Spiele versprachen brasilianische Politiker, das Problem bis 2016 „in den Griff zu bekommen“. Bis heute, weniger als ein Jahr vor Beginn der Spiele, hat sich der Zustand in den Regatta- und Schwimmgewässern nur geringfügig bis kaum messbar verbessert. Segler, die in den letzten Monaten Regatten im Olympischen Revier segelten oder dort trainierten berichteten von riesigen Müllteppichen, durch die sie hindurchfuhren. Mehrere Sportler erkrankten ernsthaft, darunter auch der deutsche 49er-Segler Erik Heil.

Der Weltschwimmverband FINA hatte nach Bekanntgabe der AP-Tests vehement neben den gängigen Bakterien- auch Virus-Tests gefordert, damit die Wasserqualität zumindest bis zu den Olympischen Spielen unter ständiger Kontrolle bleibe. Der Weltseglerverband ISAF stellte sich hinter diese Forderung.

Viren sind in tropischen Gewässern viel länger Salzwasser-resistent als etwa Bakterien.

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Es gibt keine standardisierten Tests © latin post

Keine standardisierten Tests

Die Organisatoren der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gaben nun bekannt, dass sie aufgrund einer Empfehlung des WHO auf eigene Virus-Tests verzichten werden.

Die WHO hatte zuvor zu Bedenken gegeben, dass es noch keine weltweit standardisierten Virus-Tests gebe und somit die Resultate unterschiedlich ausgelegt und ausgewertet werden könnten.

Tatsächlich sahen verschiedene Umweltverbände und Naturschutz-Organisationen genau darin ein Problem. Sie befürchteten, dass die von den brasilianischen Behörden beauftragten Labors die Testergebisse nicht ganz so unabhängig interpretieren und am Ende die Gewässer als fälschlicherweise „virenfrei“ bezeichnen würden – nur aufgrund einer nicht standardisierten Testmethode.

Die WHO empfahl zwar weiterhin die gängigen und standardisierten Tests im Hinblick auf Bakterien, machte aber offenbar auch deutlich, dass die Behörden Rios endlich wie zugesagt die Wasserverschmutzung  „an der Wurzel packen“ sollten.

Wie dies in weniger als einem Jahr möglich sein soll, bleibt allen Beteiligten jedoch weiterhin ein Rätsel.

Rios Gouverneur Luiz Fernando Pezao regierte jedenfalls prompt und verschob die „Deadline“, bis zu der die Guanabara Bucht gesäubert sein sollte, von 2016 auf 2035.

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