Ostsee-Runde: Max Lessner (23) macht nach 191 Tagen in Kappeln fest

„Mit nichts zu vergleichen“

Mit der Sirius 26 „Nonsuch“ segelte der angehende Jurist im Relax-Modus rund Mare Balticum. Sein Empfang in Kappeln nach 3.765 sm und 10 Ländern war standesgemäß.

“Bevor ich nach dem universitären Studium ins Staatsexamen einsteige, nehme ich eine Auszeit. Viele machen das nach dem Abi – ich wollte erst mein Studium beenden,“ berichtete Max Lessner im März auf SR. Damals war noch nicht so ganz klar, ob er lieber 25 x rund Rügen schippern oder doch die „große Runde“ in der Ostsee wagen werde. Nur eines war klar: „Ich will fünf bis sechs Monate auf der „Nonsuch“ segeln und keinen Campus mehr sehen!“

Es gibt vielleicht schnellere Schiffe… © Lessner

Es gibt vielleicht schnellere Schiffe… © Lessner

Sein Schiff aus der Anfangszeit der berühmten Sirius-Werft wurde in dieser Ausführung nur 20 mal gebaut. „Der Typ zeichnet sich vor allem durch hochwertige Verarbeitung und ein großzügiges Innenraumangebot aus, welches selbst nach heutigen Maßstäben in dieser Größenklasse nur schwer zu toppen ist.

Darüber hinaus sind die Yachten sehr seetüchtig, gutmütig und gut alleine zu handlen. Zwar gibt es zweifellos deutlich schnellere Boote, jedoch macht einem dieser Typ die dadurch hin und wieder längere Reisezeit äußerst angenehm!“ beschreibt Max Lessner seine „Nonsuch“ (= „mit nichts zu vergleichen!“).

Seine akribisch geführten, durchweg unterhaltsamen (B)Logbücher, begeisterten Hunderte Leser über den gesamten Sommer hinweg – jetzt liegt die Sirius 26 wohlbehalten wieder in Kappeln, ihrem Heimathafen. Und Max Lessner dürfte mittlerweile in Hamburg so viel Stadtluft geschnuppert haben, dass er schon wieder „reif für die nächste Runde“ ist…

In den folgenden Zeilen beschreibt er die bewegende letzten Seemeilen seiner 191-Tage-Reise…

Feiern können nicht nur die Franzosen nach ihren doofen Weltumseglungen – nach Ostsee-Rund darf auch die Fackel brennen! © Lessner

Feiern können nicht nur die Franzosen nach ihren doofen Weltumseglungen – nach Ostsee-Rund darf auch die Fackel brennen! © Lessner

„Es ist vollbracht!“

Am Sonntag den 05.10.14 um 14:57h habe ich  nach 191 Tagen mit der Nonsuch in Kappeln festgemacht. Der Segelsommer ist vorbei, die Ostsee ist bereist.

Am 03.10 habe ich auf dem Weg nach Laboe das erste Mal meine Kurslinie aus dem April gekreuzt. Ich segelte bei herrlichen leichten Winden der Kieler Förde entgegen, als auf dem Plotter plötzlich diese rote Linie quer vor mir auftaucht: Meine Kurslinie. Obwohl es herrlicher Sonnenschein ist, ist in meinen Gedanken schlagartig Nacht.

Ich denke nämlich zurück an die Nacht, als ich hier im Stockdunklen den Großschifffahrtsweg kreuzte, wie die Positionslaternen der Frachter an einer Perlenschnur entlang zogen, wie ich durch die Hohwachter Bucht Kurs Wismar gesegelt bin. Das Ganze ist 6 Monate her. Aber mir kommt es vor, als wäre es erst gestern gewesen. Aus dem Kopf weiß ich das Wetter und Barometerstand von damals, wie ich mich auf die Fahrt ins Ungewisse gefreut habe, wie ich die kalte Nacht durchgefahren bin.

Solche Gedanken kommen mir in den letzten Tagen immer öfter. Ich fühle mich, als wäre ich gerade mal drei Wochen unterwegs, so lebendig sind alle Erinnerungen. Und doch fühlt es sich an, als würde ich nach einem ganz normalen Wochenendtörn aus Dänemark zurück kommen. Alle Erinnerungen kommen nur hin und wieder mal hoch, doch dann sind sie dann so klar als wäre es gestern gewesen. Ich frage mich ganz ernsthaft nicht nur einmal, ob ich das letzte halbe Jahr vielleicht geträumt habe.

Ein Gefühl von Heimat © Lessner

Ein Gefühl von Heimat © Lessner

„Hier nur Ilse, Skipper pinkelt!“

Von Laboe geht es dann auf den letzten Einhand-Tag nach Eckernförde. Und noch einmal beschert das Wetter mir einen Segeltag wie man ihn sich besser nicht vorstellen könnte. Schöne 5 Beaufort Halbwind bis Raum, konstant über 6kn auf der Logge, so geht es in die Eckernförder Bucht. Auf einmal ist auch wieder viel auf dem Wasser los.

Alle deutschen Segler zieht es zum langen Einheitswochenende nochmal aufs Wasser. So viele Yachten habe ich seit Stockholm vor genau 2 Monaten nicht mehr gesehen. Funfact nebenbei: In 6 Monaten Ostsee wurde auch nie so viel Blödsinn über den UKW-Funk gesendet. “Seemöwe, Seemöwe, hier ist Carpe Diem, bitte kommen. over. – Ja der Skipper ist grad pinkeln, hier ist Ilse, kann ich dir auch weiterhelfen?”. In der Fülle gabs das nirgendwo, was mir durchaus den einen oder anderen kleinen Lacher entlockt. Ich fühle mich wohl.

Irgendwie freue ich mich aber auch wieder, viele deutsche Segler zu sehen. Denn es wird sich nirgendwo so viel zugewunken unter Sportskameraden wie hier. Auch so eine schöne kleine Tradition. Und beim Anblick meiner Gastlandflaggen sind auch immer wieder hochgehobene Daumen, Grölen, Rufe und sogar einmal Klatschen dabei. Ich freue mich. Eigentlich war ich ja nur 6 Monate segeln und habe nichts besonderes gemacht aber doch wärmt es einem irgendwie das Herz. Auch in Eckernförde kommen schnell viele Gespräche zusammen.

Ich hab aber erstmal richtig zu tun. Schnell aus dem Ölzeug gepellt (es hat über 20 Grad an diesem 4. Oktober) und die 6-Monats-Jungsellenbude mal feucht – ach ne, das hat der Westwind schon zur Genüge getan – trocken durchgewischt. Für heute Abend hat sich nämlich der erste Besuch von Segelfreunden aus Kappeln angekündigt.

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https://northsails.com/sailing/de/

3 Kommentare zu „Ostsee-Runde: Max Lessner (23) macht nach 191 Tagen in Kappeln fest“

  1. avatar Holgi sagt:

    Ne, das ist nicht Digger.
    Der trinkt doch gar keinn Bier.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

    • avatar digger.hamburg sagt:

      Stimmt, das ist Bente. Die kleidet sich mittlerweile genau so bescheuert wie ich.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 7

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