Ostseetörn Teil 2 von 4: Svenja und Maike von Orth nach Fehmarn

"Nachts segeln ist schööööön!"

Kurzweilig beschreibt Maike die Klassiker einer Herbsttour, dieses Mal auch mit Nacht Vid. Teil 2 der 4-teiligen Serie über die Herbstour der Schwestern Svenja und Maike führt von Marstal über Orth nach Warnemünde und über Kühlungsborn zurück nach Fehmarn.

Marstal – Orth: Neblige Nacht

Schon wieder nach Orth. Langsam kennen wir jede Welle auf dieser Strecke. Praktisch, da heute kaum Wind, dafür aber Nebel ist. Die Strecke zieht sich. Und zieht sich. Und zieht sich.

"Nachts segeln ist schöööön!" © Maike Christiansen

“Nachts segeln ist schöööön!” © Maike Christiansen

Irgendwann, es wird schon dunkel, briest es auf. Vor uns leuchtet Flügge durch die Nacht und weist uns den Weg, der Mond scheint zwischen den schnell ziehenden Wolken hervor und taucht alles in ein gespenstiges Licht. Nachts segeln ist schööööön!

Orth – Warnemünde: Crewzuwachs in der Yachthafenresidenz

Wir wachen spät auf. Birte verlässt uns heute wieder, und das, obwohl ein wunderbarer Wind weht da draußen; die Sonne scheint, neben der Mole sind Surfer und Kiter unterwegs. Cool. Wir wollen auch. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns deshalb erstmal, dann leihen Svenja und ich uns Material bei der Surfschule und gehen auch raus. Svenja macht ihre ersten Fahrversuche auf dem Brett, während ich mich ärgere, dass der Wind immer exakt dann nachlässt, wenn ich gerade ins Gleiten gekommen bin. Hätte wohl doch ein größeres Segel nehmen sollen.

Nach einer wunderbar erfrischenden Stunde machen wir schließlich Janthina segelfertig und verlassen um zwei Uhr den Hafen mit Kurs auf Warnemünde. Der Wind bläst mit einer guten Fünf von hinten, und wir rauschen mit Topspeed nach Osten. Großartige Stimmung.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang achteraus © Maike Christiansen

Ein wunderschöner Sonnenuntergang achteraus © Maike Christiansen

Es wird dunkel. Hinter uns geht die Sonne unter und hinterlässt einen blässlich-rosa Himmel; vor uns ist der volle Mond bereits aufgegangen. Wir sitzen in einträchtigem Schweigen im Cockpit, das Rauschen des Wassers vermischt sich mit der Musik. Jetzt auf ewig so weiter segeln, das wäre es. Im Schwebezustand zwischen Tag und Nacht, zwischen hell und dunkel, zwischen losfahren und ankommen.

Schnell werden die Lichter von Warnemünde größer. Kurz vor dem Hafen muss Svenja noch mal aufs Klo. Hinter dem Heck einer dicken Fähre, die im Dunkeln wie eine Stadt leuchtet, quere ich das Fahrwasser. Die Hafeneinfahrt kommt näher. Svenja ist immer noch unten. Die Fock ist noch ausgebaumt, die Festmacher tief in der Backskiste. „Ähm… Svenja, wird das hier irgendwann flach?“ „Nö nööööö, fahr einfach!“ Öhm. Okay. Ich fahr einfach. Hol schon mal die Festmacher heraus. Die Hafeneinfahrt ist querab. „Svenja, wir sind jetzt im Prinzip da, weißte schon, ne?“ „Jaja, ich komm ja gleich!“ Endlich klappt die Klotür und Svenja taucht wieder auf. Da ich keine Lust habe, im Stockdustern eine unbekannte Hafeneinfahrt hochzukreuzen, nehmen wir die Segel runter und schmeißen den Jockel an. Im riesigen, leeren Hafen finden wir schließlich ein Plätzchen, welches auch für ein kleines Boot wie Janthina die richtigen Maße hat.

Das kurze Vid fängt die Stimmung beim Nachtsegeln sehr gut ein © Maike Christiansen

Zu viel Wind am nächsten Morgen. 16 Euro Hafengeld pro Nacht. Meine Fresse, ist das teuer. Sagt ja auch schon der Name: Das ist kein Yachthafen, das ist eine Yachthafenresidenz. Interessanterweise rechnet die Dame im schnieken Hafenmeisterbüro aber nur eine Nacht ab statt der gesagten zwei. So wird‘s dann doch nicht so teuer. Das Ersparte wird allerdings beim Duschen fast wieder verballert. Angeblich ein Euro für drei Minuten. Ich gucke auf die Uhr. Es sind anderthalb Minuten. Sauerei. Leider ist der Automat auch mit Shampoo im Haar nicht zu einer Diskussion bereit.

Mittags kommen Kezia und Bjorn mit zwei ebenso großen Taschen an Bord. Die beiden wollen die nächste Woche mit uns an Bord verbringen. Der Wind ist immer noch zu stark, um auszulaufen. Stattdessen bunkern wir Essen und Wasser, gönnen uns Eis und Pizza in Warnemünde und erfreuen uns an den Erinnerungen an Wellen, die aus unserem 420er heraus so riesig aussahen wie eine Tsunami. Hafentage sind was Feines. Abends müssen wir nur noch all unsere Tetris-Künste hervorholen und das ganze Gepäck so verstauen, dass auch Kezia und Bjorn bequem auf Janthina schlafen können.

Herbsttour mit dem Segelboot in der südlichen Ostsee

Rauschefahrt nach Warnemünde © Maike Christiansen

Warnemünde – Kühlungsborn: Seekrankheit ist doof

Der Wind hat etwas nachgelassen. Kommt immer noch aus einer beknackten Richtung, aber hoch am Wind sollten wir es eigentlich nach Fehmarn schaffen. Jap, wieder nach Fehmarn. Irgendwie kommen wir einfach nicht los von dieser Insel.

Nach einer Sicherheitseinweisung von Kezia und Bjorn legen wir unser Ölzeug und Rettungswesten an. Für Kezia als alte Seglerin mit Blümchengummistiefeln ist das Ganze nichts neues. Bjorn hingegen ist mit Leib und Seele Kitesurfer und somit blutiger Anfänger, wenn es ums Dickschiffsegeln geht. Die ersten paar Stunden schlägt er sich aber wacker, steuert Janthina hoch am Wind durch die doch recht hohen Wellen und lacht uns aus, als wir „Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren müssen Männer mit Bärten sein…“ singen. Dann allerdings schlägt der Teufel namens Seekrankheit zu.

Läuft alles? Bei Seekrankheit eher weniger... © Maike Christiansen

Läuft alles? Bei Seekrankheit eher weniger… © Maike Christiansen

Ich hab irgendwo mal gelesen, dass es drei Phasen der Seekrankheit gibt. 1. Es geht einem dreckig. 2. Man will sterben. 3. Man merkt, dass man nicht sterben kann. Bjorn pendelt sich so ziemlich genau zwischen Phase 2 und 3 ein. Unsere tollen Ratschläge und unser Mitleid helfen nicht und Fehmarn ist noch weit, weit weg. So geht es leider nicht: Wir drehen ab nach Kühlungsborn.

Kühlungsborn ist hässlich, überteuert und die Stege sind von Möwen vollgeschissen. Das einzig Positive hier ist der nette Mensch, der uns den Code zu den Sanitäranlagen verrät, da das Hafenmeisterbüro schon zugemacht hat. Langsam geht es Bjorn besser. Statt des leckeren Geschnetzelten isst er abends aber zur Sicherheit nur trocken Reis.

Kühlungsborn – Burgstaaken: Fehmarn, was haben wir dich vermisst!

Kezia misst die Qualität der Häfen grundsätzlich an der Qualität der dazugehörigen Duschen und lebt nach dem Prinzip „Wenn es kostenlose Duschen gibt, muss man duschen“. Wir verändern das Motto in diesem Hafen: „Wir müssen solange duschen, bis sich die 19,50 € Hafengeld gelohnt haben“. Beim Frühstück umgibt uns glänzende, saubere Menschen wahrscheinlich eine riesige Duftwolke. Bjorn fühlt sich leider immer noch nicht so richtig gut und entschließt sich deshalb, mit dem Bus nach Rostock zurückzufahren. Als Übeltäter wurde inzwischen ein Magenvirus aus der Woche zuvor ausfindig gemacht. Wie schade! Wir hoffen, dass wir ihn nicht gleich ganz vom Segeln abgeschreckt haben…

Kezia bleibt uns zum Glück aber erhalten und zu dritt segeln wir nun die Etappe nach Burgstaaken, die wir eigentlich für gestern geplant hatten. Es ist wunderbares Wetter, der Wind weht mit drei Beaufort und schiebt uns mit rasenden sechs Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit (das mag sich jetzt nicht nach viel anhören, für ein kleines langkieliges IF-Boot ist es das aber) über die Ostsee. Burgstaaken macht von weitem erstmal nicht viel her. Im Hafen allerdings erkennen wir den Charme dieses Ortes: Ein alter Fischereihafen, in welchem immer noch Fischkutter liegen, ein altes Silo mit Kletterwand, kein Automat, sondern ein sehr netter Hafenmeister, ein Wal-Kunstwerk und ein großartiger Fischladen (und daraus resultierendes, superleckeres Fischcurry am Abend). Können wir nur empfehlen.

Svenja stratzt noch in Ölhose sofort los und holt ihren Freund Sunke aus Burg ab, wo er mit dem Bus angekommen ist. Der Leichnam ist noch nicht ganz kalt… ääääh, ich meinte, kaum ist der eine von Bord, kommt schon der nächste. Da soll noch mal jemand sagen, es gäbe kaum junge Menschen, die segeln wollen. Für die nächsten Tage sind wir jetzt wieder zu viert unterwegs.

Teil 1 Es geht wieder los!
Teil 2 “Nachts segeln ist schööööön!”
Teil 3 Mädels auf Tour
Teil 4 Im Schwebezustand

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6 Kommentare zu „Ostseetörn Teil 2 von 4: Svenja und Maike von Orth nach Fehmarn“

  1. avatar Piet sagt:

    Alle ausgeschlossene sollten mal meine neue Website anschauen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

  2. avatar Arwed Wolf sagt:

    Toll!
    Solche Törnberichte sind immer wieder schön zu lesen. Wecken Erinnerungen an Erlebnisse, Burgstaaken und Fehmarn und Hafenduschen. (Unter Hafenduschen scheint die Zeit für Frauen scheinbar schneller zu laufen ;-))
    Freue mich auf den nächsten Bericht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  3. avatar R9009 sagt:

    Oh wie schön. Burgstaaken hat jetzt einen netten Hafenmeister.

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

  4. avatar sven sagt:

    Ich bezahl nix.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

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