Ostseetörn Teil 4: Svenja und Maike von Strib auf Fünen zurück in die Schlei

Im Schwebezustand

Ist die nächste Segel-Tour in der südlichen Ostsee schon geplant? Svenja und Maike geben in einer vierteiligen Serie Einblicke in ihre Herbsttour auf ihrem IF-Boot. Teil 4 geht von Strib auf Fünen zurück nach Schleimünde.

Strib – Aarö: Ein Hafenmeistervorbild

RUMS. Wir blicken vom Abwasch auf. Kampf Motorboot gegen Pfahl und Bavaria. Ich weiß wirklich nicht, auf welcher Seite ich stehen soll. Im Zweifelsfall auf der des Pfahls. Obwohl ich auch Mitleid mit der Bavaria habe, die gerade vom einparkenden Motorboot einige Annäherungsversuche ertragen muss. Uäääh! Man stelle sich mal eine Kreuzung aus hässlichem Motorboot und Bavaria vor. Manchmal finde ich Kopfkino echt blöd.

Nebelgeister? © Maike Christiansen

Nebelgeister? © Maike Christiansen

Wir segeln heute nach Aarö. Gestern haben wir einen nebligen Hafentag am Strand von Strib verbracht, heute soll es wieder Richtung Süden gehen. Wir kommen an Brandsö vorbei. Privatinsel. Würde ich mir auch kaufen, wenn ich das Geld hätte. Obwohl… nee, eher noch meine schwedische Lieblingsschäre. Kann man Schären überhaupt kaufen? Und was soll ich denn überhaupt mit einer Schäre, ich hab doch Janthina?

Nach einem tollen Segeltag die richtige Belohnung - Mmmmh, Qualle! © Svenja Christiansen

Nach einem tollen Segeltag die richtige Belohnung – Mmmmh, Qualle! © Svenja Christiansen

Es ist ein toller Segeltag. Wir kämpfen uns mit breitem Grinsen durch Stromschnellen und Riesenwellen, die uns der dem Wind entgegenlaufende Strom beschert. Der Westwind treibt Janthina zu rekordartigen Geschwindigkeitsspitzen und wieder einem Durchschnittsspeed von sechs Knoten. Cool. So kann es bleiben.

Aarö ist echt schnuckelig. Vom Hafen aus hat man einen schönen Blick auf das idyllische Aarösund auf der einen, die Marsch und das Dorf auf der anderen Seite. Wir legen längsseits an. Ist schließlich genug Platz da. Segel aufrollen. Zelt aufbauen. Sonnenuntergang bewundern. Fröhlich summend kommt irgendwann der Hafenmeister vorbeigeschlendert. Wir springen auf, ich will schon das Portemonnaie aus der Tasche ziehen, da winkt er ab und hält uns einen gelben Streifen hin: „Ich hab heute Geburtstag, hier, schenk ich euch!“ Allein für diesen Hafenmeister lohnt es sich, hierhin zu fahren.

Premierte Weintrauben auf Aarö © Maike Christiansen

Premierte Weintrauben auf Aarö © Maike Christiansen

Hafentag in Aarö wegen zu viel Wind. Wir wandern gefühlt einmal um die ehemals nördlichste deutsche Insel herum. Wusstet ihr, dass hier Wein angebaut wird? Nee, wir auch nicht. Hat sogar schon mehrere Preise gewonnen.

Aarö – Mommark: Prioritäten

Steine aufeinanderstapeln war gestern - heute gibt es Fish-Art! © Maike Christiansen

Steine aufeinanderstapeln war gestern – heute gibt es Fish-Art! © Maike Christiansen

In der Hafeneinfahrt von Mommark explodiert neben unserem Boot ein Unterwasserschlammvulkan. Wir halten uns aneinander fest. Hoffentlich ist das kein Methan, welches die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzt und Janthina in den dumpfen Fluten des Meeres versinken lässt, während ein hämisch grinsender Orca uns genießerisch verspeist (an dieser Stelle ein großes Dankeschön, lieber Frank Schätzing). Puh. Glück gehabt. Wir überleben. Kein Orca weit und breit. Sind wahrscheinlich schon längst gestorben in dieser Brühe. Oder von den Kameraden aus Mürwik, deren Yacht uns ihren schlanken Hintern entgegenreckt, bei Schießübungen als Zielscheibe missbraucht worden.

In Pyjamahose beim Strandspaziergang. Hafentage können auch wunderschöne Tage sein © Svenja Christiansen

In Pyjamahose beim Strandspaziergang. Hafentage können auch wunderschöne Tage sein © Svenja Christiansen

Mal abgesehen von der Wasserqualität finden wir Mommark auch sonst nicht so richtig pralle. Der Campingplatz sitzt direkt vor der Nase der Boote und gibt ein irgendwie trostloses Bild ab; unaufgeregte Landschaft zieht sich zu allen Seiten hin. Dafür gibt es einen netten Hafenmeister und ein schickes Klohaus. Man muss einfach Prioritäten setzen.

Mommark – Svendborg: Alt und neu

Ich sitze entspannt im Cockpit und warte auf Svenja, die Sunke vom Bahnhof abholt. Der Svendborger Yachthafen mag überteuert sein und den Charme einer Autobahntoilette versprühen, aber man muss einfach zugeben: Der Ausblick auf die Holzschiff- und die Abwrackwerft hat was. Man kann sich gut vorstellen, wie das hier noch vor 100 Jahren ausgesehen haben muss, mit vielen Seglern, Schleppern, Dampfschiffen, Kontorhäusern. Die Zeiten sind heute vorbei. Jetzt ist es ziemlich still, dort drüben auf der Werft. Stattdessen hört man das Rauschen der Autos, die auf der Promenade entlangfahren.

Svendborg – Birkholm: Inselerkundung

Fünf Knoten Strom im Svendborgsund © Maike Christiansen

Fünf Knoten Strom im Svendborgsund © Maike Christiansen

„Booooooaaah, guckt euch mal die Tonne an!“ Ich zeige auf die grüne Fahrwassertonne. Der Strom zieht sie mit über fünf Knoten Geschwindigkeit fast komplett unter Wasser. Zum Glück läuft der Strom mit uns in Richtung dänische Inselwelt. Dagegen ankreuzen, das muss nicht unbedingt sein.

Wir sind nur kurz unterwegs heute. Anderthalb Stunden, zehn Meilen bis Birkholm. Im Hafen liegt nur ein einziges Boot mit einem Einsiedler drauf. So stell ich mir den idealen Hafen vor: Klein, idyllisch, netter Hafenmeister, schöne Landschaft und Einsiedler als Nebenlieger. Hihi. Gefällt uns gut.

Birkholms Gräser leuchten in der Sonne © Maike Chistiansen

Birkholms Gräser leuchten in der Sonne © Maike Chistiansen

Alte Geräte am Strand von Birkholm © Maike Christiansen

Alte Geräte am Strand von Birkholm © Maike Christiansen

Die Insel gefällt uns auch gut. Am nächsten Tag machen wir eine Erkundungstour über Strände, Wiesen, Weiden, Felder, Bauernhöfe und durchs Dorf. Vor einem Haus entdecken wir eine wunderschöne, aus Treibholz geschnitzte Bank; am Strand finden wir Milchkannen und verrostete Überbleibsel alter landwirtschaftlicher Geräte. Man kommt sich ein bisschen vor wie im Schatz auf Pagensand.

Birkholm – Maasholm: Nach Hause fliegen

Letzter Tag heute. Leider. Bei bestem Wetter kreuzen wir in Richtung Schlei, wo wir uns mit unseren Eltern verabredet haben. Die Wellen sind relativ hoch. Janthina stampft auf und nieder. Hoch und runter. Sie fliegt und taucht wieder ein.

Im Schwebezustand, im Zwischendrin. © Sabine Christiansen

Schwerelosigkeit © Sabine Christiansen

Unsere Eltern haben ein Bild aufgenommen, in dem Janthina gerade abgehoben hat, der Bug ragt aus dem Wasser, ist am höchsten Punkt festgehalten. So fühle ich mich immer, wenn ich mit unserem Schiff auf Törn bin. Im Schwebezustand, im Zwischendrin. Leider kann man aber nicht an dem Punkt bleiben, irgendwann muss man wieder eintauchen in den Alltag. Auch wenn man Ewigkeiten so weiterfliegen könnte.

Teil 1  Es geht wieder los!
Teil 2  “Nachts segeln ist schööööön!”
Teil 3  Mädels auf Tour

Svenja und Maike, die uns Lust auf die kommende Ostsee-Tour gemacht haben © Maike Chistiansen

Svenja und Maike, die uns Lust auf die kommende Ostsee-Tour gemacht haben © Maike Chistiansen

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Ein Kommentar „Ostseetörn Teil 4: Svenja und Maike von Strib auf Fünen zurück in die Schlei“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Deine Schreibe ist einfach schön! Schade, das die Tour schon zuende ist!

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