Oyster-Pleite: Computerspiel -Unternehmer rettet Luxusyacht-Werft

"Geschäftssinn und gesunden Menschenverstand"

Für die Luxusyacht-Werft Oyster aus Southampton schien das Ende besiegelt. Zu groß war der Image-Schaden aus dem Kielverlust, zu intensiv die öffentliche Anklage des geschädigten Eigners, zu hoch die finanziellen Forderungen und zu extrem die Misswirtschaft der britischen Vorzeigewerft.

Oyster Yachts

Das neue Oyster 745 Modell, das auch in Düsseldorf vorgestellt wurde. © Oyster Yachts

Denn die Auftragsbücher sind laut Angaben der Zeitung Telegraph sogar noch um mehr als 11 Millionen Euro voller als zuvor erwartet. Der Betrag soll sich auf mehr als 91 Millionen Euro belaufen.

Aber nun wird die Werft und viele der 420 Arbeitsplätze offenbar gerettet. Richard Hadida, der in Schweden die erfolgreiche Computerspiel-Firma Evolution Gaming Group mitbegründet hat, will das schwer angeschlagene Unternehmen übernehmen.

Der Untergang der “Polina Star III” soll Oyster knapp 6 Millionen Euro gekostet und im vergangenen Jahr zu einem Verlust von rund 8,5 Millionen geführt haben.

Hadida begründet seinen Einstieg mit den Worten: “Ich habe mich verliebt in die Werft”, nachdem er eine Oyster gesegelt sei. Die Investition sei aber natürlich mehr als ein Hobby. Er glaube, dass man diese große britische Marke retten und auf lange Sicht fördern muss. “Aber das Geschäft muss nachhaltig sein. Wir müssen harte und schnelle Entscheidungen treffen.”

Gesunder Menschenverstand

Seine bisherigen Unternehmungen passen zwar nicht zum Yacht Business, aber er könne Geschäftssinn und gesunden Menschenverstand beisteuern. Hadida beschäftigt überwiegend in Litauen und Malta 3500 Mitarbeiter bei Evolution Gaming, einer digitalten Plattform für Online Casinos.

Oyster Yachts

Ediie Jordans Oyster 885 “Lush”. © Mike Jones/Oyster

Er betont, dass sich die Bootsbau-Industrie entwickeln müsse, wie alle anderen Industriezweige. So wird erwartet, dass er Oyster dazu drängt, mehr in moderne Konstruktionstechniken zu investieren, um die Bauzeit zu verkürzen.

Es ist nicht klar, wie viel Geld Hadida in die Werft investiert, aber es sollen “viele Millionen” sein. Er will vorläufig den Posten des CEO übernehmen, bis ein Ersatz gefunden ist. Das Management Team werde neu aufgestellt. Die zukünftigen Pläne deuten darauf hin, dass Oyster auch in den Markt für kleinere Yachten einsteigen könnte. Zurzeit misst das kleinste Modell 47 Fuß. 

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Der Salon von “Lush”. © Mike Jones/Oyster

Der 52-Jährige bemüht sich gegenüber Yachting World klar zu machen, dass es sich bei seinem Engagement nicht um ein normales Investment zur alleinigen Gewinnmaximierung handelt.  Er sei vom Segeln fasziniert und sei viel mit seinem Freund, dem ehemaligen Formel 1 Rennstall-Besitzer Eddie Jordan, unterwegs gewesen.

Der hat sich 2013 die erste Oyster 885 “Lush” bauen lassen, mit der er im Rahmen der Oyster World Rally um die Welt segelte. Es sei kein schneller Exit geplant sondern er plane vielmehr ein Geschäft, mit dem er sich ein Leben lang beschäftigen könne.

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Frühstück im Cockpit. © Mike Jones/Oyster

Vor 25 Jahren habe er seinen Segelschein gemacht und später mit seiner Familie eine Oyster 56 in der Karibik gechartert. Im Jahr danach segelte er die Oyster 82 und es entstand der Wunsch, irgendwann selber einmal eine soche Yacht zu besitzen. Die Nachricht von der Oyster-Pleite traf ihn während eines Törns mit Eddie Jordan. Zusammen heckten sie den Plan für die Rettung aus.

 

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