Oyster Untergang: Die Werft erklärt, wie der Kiel abfallen konnte und entschuldigt sich

"Katastrophaler Fehler"

Oyster Yachts hat seine Untersuchung zum abgebrochenen Kiel der im Juli gesunkenen Oyster 825 “Polina Star III” abgeschlossen. Ein Laminat-Fehler war die Ursache. Die Werft entschuldigt sich. 

Oyster, Untergang

“Polina Star III” kurz vor dem Untergang. © Oyster

Auf dem Weg nach Alicante war auf der “Polina Star III” fünf Meilen vor der Küste der Kiel abgefallen. Die Yacht kenterte in gut sechs Minuten durch. Der Skipper und vier Crewmitglieder erreichten die Rettungsinseln und konnten geborgen werden.

Zuerst war der Skipper dem Verdacht einer Grundberührung ausgesetzt, aber er rechtfertigte sich mit einer genauen Beschreibung des Vorfalls, nachdem sich die Werft sehr schleppend zu dem Vorfall geäußert hatte.

Nun heißt es “schlecht laminiert” in dem aktuellen ausführlichen Statement von Oyster, das die Luxus-Werft gerade veröffentlicht hat. Die Bauweise wird wie folgt beschrieben:

Die interne Struktur der 825 unter dem Maschinenraum und über dem Kiel bestehe aus einer Träger-Matrix, die auf ähnliche Weise bei vielen Qualitätsyachten wie auch Einzelbauten oder High-Tech-Superyachten Anwendung finde. Sie werde separat vom Rumpf in zwei Hälften geformt, eingesetzt und festlaminiert. Diese Arbeit des Laminierens müsse sehr sorgfältig ausgeführt werden.

Oyster, Untergang

Die Matrix Struktur, die zum Auffangen der Kiel-Kräfte konstruiert wurde. © Oyster

Die Untersuchungen an den Oyster 825 Baunummern 01 bis 03, die schon 20.000 Meilen im Kielwasser haben, hätten aber ergeben, dass im Kielbereich an den äußeren Enden der verstärkenden Netz-Struktur kleine Risse entstanden sind.

Oyster, Untergang

An den mit A gekennzeichneten Stellen sind die Risse im fehlerhaften Laminat aufgetreten. © Oyster

Das lege die Mutmaßung nahe, dass die zweite Laminier-Schicht dieser Verbindungen unsolide war. Materialproben aus diesem Bereich bestätigten den Verdacht, dass ausgedehnte Abschnitte bei den T-Verbindungen der beiden Hälften schlecht laminiert waren.

Bei den untersuchten Yachten wurde die Matrix komplett entfernt und durch eine durchgängige Karbon Struktur, verklebt mit Epoxy Harz, ersetzt. Mit einem solchen homogenen Bauteil ohne die kritische T-Verbindung der zwei Hälften sollen in Zukunft auch alle weiteren Oyster 825 gebaut werden.

So wurde der Prozess gestoppt, einzelne Teile der Yacht separat zu formen um sie später einzulaminieren. Stattdessen werden die 825 nun so wie auch alle anderen mehr als 800 Oyster Rümpfe gebaut.

Oyster, Untergang

Das Wrack unter Wasser. Die Außenhaut hat sich abgelöst. © Oyster

Die Inspektion der “Polina Star III” habe ergeben, dass genau diese T-Verbindungen gebrochen seien, wo auch die Risse an den anderen 825 entstanden seien. Dadurch wurden die Kiel-Lasten nicht mehr von der Matrix Struktur aufgefangen sondern von der Außenhaut des Rumpfes. So sei es zu dem katastrophalen Fehler gekommen.

In der Erklärung heißt es abschließend: “Wir haben dem Eigner der “Polina Star III” unser aufrichtiges Bedauern für diesen Fehler ausgedrückt und befinden uns im Prozess, die Fragen der Haftung zu klären. ”

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Oyster Untergang: Die Werft erklärt, wie der Kiel abfallen konnte und entschuldigt sich“

  1. avatar Hans Subbe sagt:

    Diese aufrichtige und umfassende Form der Aufklärung kann man sich im Abgaskandal der Autoindustrie nur wünschen…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 4

  2. avatar pjotr sagt:

    ich staune, try and error in der high-tech branche yachtbau. bei einem premium hersteller. zum glück hatte der eigner genug kohle um den rechtsstreit erfolgreich durchziehen zu können. im cad-programm und bei den fem-berechnungen sieht das alles immer so schön aus, leider kommt dann immer wieder die realität und prüft nach. zum glück wurde sich hier der hinweis auf die softwareergonomie verkniffen, ich sag nur zoom-stufen…

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