Piraten: Segler weiterhin gefährdet – größere Gefahr in Westafrika, Brasilien und der Karibik

Segler im Visier

Während vor Somalia und im Golf von Aden die Patrouillenfahrten durch internationale Marineeinheiten Wirkung zeigen, nehmen die Übergriffe vor Westafrika zu. Yachten weiterhin stark gefährdet.

Piraten

So sieht Hollywood die Piratengefahr. Standbild aus “Captain Phillips” © sony pictures

Die Gefahr durch Piraten ist im Indischen Ozean zwar noch längst nicht gebannt, aber deutlich verringert! Zu dieser Erkenntnis kommen mehrere internationale Organisationen, unter ihnen die EUNAVFOR mit den beteiligten Ländern Deutschland, Frankreich, Niederlande, Spanien, Großbritannien und Norwegen .

Kaum ein Küstenabschnitt des „Schwarzen Kontinents“ war in den vergangenen fünf Jahren so oft in den Schlagzeilen wie Somalia. Das ostafrikanische, sozial und wirtschaftlich besonders schwach aufgestellte Land erregte durch Schiffsentführungen, Geiselnahmen, Morde und Raubüberfälle auf Handelsschiffe und Yachten weltweites Aufsehen.

Piraten

… und so sieht die Nato am liebsten die Piraten © nato bildarchiv

„Mittlerweile ist die Situation dort noch nicht geklärt, aber doch zumindest beruhigt,“ ist von Seiten der europäischen EUNAFVOR zu vernehmen. Die multinationale Mission der EU zum Schutz der Freien Seefahrt und zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika und am Golf von Aden scheint deutliche, auch langfristige Wirkung zu zeigen.

Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung

Patrouillenfahrten durch Kriegsschiffe in den besonders gefährdeten Seegebieten, aber auch Luftangriffe (von See) auf die Piratencamps (wie in 2012), Selbstschutz der Reedereien durch Anheuern von Security-Diensten, die an Bord mitfahren und wirtschaftliche sowie soziale Maßnahmen an Land zeigen spürbare Wirkung. Die Zahl der Überfälle durch somalische Piraten konnte so drastisch reduziert werden.

Dennoch warnt EUNAVFOR weiterhin alle Yachten, in die ausgewiesenen Risikogebiete auf See zu segeln bzw. zu motoren. „Jede Yacht sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie in diesen Seegebieten von Piraten aufgebracht werden kann – mit tödlichen Folgen für die Crew.“

Armut, Arbeitslosigkeit, Giftmüll

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Westafrikanische Staaten wie Guinea und Ghana haben Somalia in Sachen “Piraterie” mittlerweile den Rang abgelaufen. © nato archiv

Die wahren Ursachen für die Piratenübergriffe seien noch längst nicht beseitigt, kritisieren viele Beobachter.

Extreme Armut, mangelnde Perspektiven, Korruption in Regierungskreisen und behördliche Willkür destabilisieren weiterhin die Küstenregionen Somalias. An manchen Orten wurden den Fischern die Lebensgrundlage entzogen, weil vor den Küsten Giftmüll aus westlichen Ländern verklappt wurde.

Nach Schätzungen unterschiedlicher internationaler Organisationen haben die Piraten bisher Summen im dreistelligen Millionenbereich erpresst.

„Die Piraten sind derzeit mit genügend „cash flow“ ausgestattet,“ sagte kürzlich ein Sprecher des „International Commercial Crime Services“. „Aber sie sind derzeit kaum von Interesse für die Weltöffentlichkeit, sie brauchen wieder mehr „PR““ Was wiederum die Gefahr für Yachten deutlich erhöht.

Von Ost nach West

Piraten

Effiziente Patrouillenfahrten vor Somalias Küste © Bundesarchiv Marine

Während sich die Situation vor Somalia leicht entspannt, steigt die Anzahl der Übergriffe im Golf von Guinea vor der westafrikanischen Küste drastisch (SR berichtete). Allein 25 versuchte Überfälle auf Handelsschiffe wurden in diesem Jahr vor Nigeria und Ghana gemeldet.

Auch dort sind Yachten in höchster Gefahr – nicht zuletzt wegen der erhöhten Medienaufmerksamkeit bei Überfällen auf Segler.

Weltweit wurden in der ersten Jahreshälfte 2014 mehr als 118 bewaffnete Überfälle auf Handelsschiffe und Yachten offiziell gemeldet – eine Zahl , die bis heute auf 195 geschätzt, aber noch nicht bestätigt wurde.

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Verhaftete Piraten vor der Küste Westafrikas © Nato Archiv

Diese Werte werden mittlerweile unter Blauwasserseglern stark angezweifelt. Ein Blick auf die Statistik der Website „noonsite“ zeigt, dass die Menge der tatsächlichen Übergriffe auf Yachten im Laufe der letzten Jahre deutlich anstieg. Dabei wird deutlich, dass vor allem die brasilianischen und karibischen Küstenregionen immer unsicherer werden.

Auch wenn „noonsite“ etwa den Diebstahl von Außenbordmotoren oder den Versuch, ein Dinghi zu stehlen, als tätlichen Angriff wertet, steht doch fest: Blauwassersegeln in den vermeintlichen Paradiesen unserer Welt und die Überfahrten dorthin werden immer gefährlicher. Zumindest statistisch.

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Hier werden Piraten vor Westküste Afrikas aufgebracht © nato Archiv

 

 

 

 

 

 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Piraten: Segler weiterhin gefährdet – größere Gefahr in Westafrika, Brasilien und der Karibik“

  1. Das ist wirklich traurig. Nach mehreren Versuchen etwas zu schreiben, gebe ich auf. Ich finde keine Worte die hierzu passen würden. Beide Seiten sind schrecklich.!. Ich belasse es dabei.

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