Piraten: Zwei neue Überfälle in der Karibik – soziales Elend ist Grund für Übergriffe

Von Angreifern gerammt

 

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Soziales Elend treibt die Fischer mancher mittelamerikanischer Länder in die Piraterie © warisbondi

Eine französische und eine amerikanische Yacht wurden im Seegebiet vor Honduras vollständig ausgeraubt. Beide Überfälle endeten unblutig, einige Crewmitglieder standen jedoch unter Schock.

Nachdem es im Dezember 2016 bereits auf Höhe Grenzgebiet zwischen Honduras und Nicaragua in der Karibischen See zu einem Überfall gekommen war, schlugen die Piraten zu Beginn des neuen Jahres erneut zu.

Ein französischer Katamaran befand sich auf Törn zwischen der kolumbianischen Insel Providencia und dem Rio Dulce in Guatemala, als etwa 70 Seemeilen vor der Küste von Nicaragua und 25 Seemeilen östlich der Hobbie-Inseln ein Fischerboot mit sechs oder sieben Männern an Bord am frühen Morgen des 19. Januar auf die Yacht zuhielt. Aus Vorsicht hatten die Franzosen über Nacht ihr AIS ausgeschaltet, im klaren Morgenlicht waren sie jedoch bereits von Weitem zu orten.

Die Besatzung des Fischerbootes bat um Wasser und Lebensmittel, die ihnen offenbar von der Yacht-Crew übergeben wurden. Danach drehten sie ab, um kurze Zeit darauf wieder auf die Yacht zuzuhalten.

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Die Piraten aus dem Kinofilm Captain Phillips mit Tom Hanks. © warner

Zeitgleich rasten zwei kleinere Fischerboote mit jeweils fünf Männern an Bord heran und rammten den Katamaran. Die mit Messern, Macheten und Brechstangen bewaffneten Piraten enterten die Yacht und raubten sie systematisch aus: technisches/elektronisches Equipment wurde ausgebaut, Computer, Funk- und nautische Geräte, Geld etc. wurden auf die Fischerboote geladen.

Erst als sie bemerkten, dass ein in der Nähe fahrender Frachter, der heimlich von der Crew über ein verstecktes Gerät angefunkt worden war, auf sie zuhielt, brachen sie ihren Überfall ab und flüchteten. Die Katamaran-Crew wurde zwar während des einstündigen Überfalls permanent bedroht, aber weder misshandelt noch verletzt. Der Ramming-Schaden am Rumpf des Katamarans wurde als „erheblich“ bezeichnet.

Yachten erscheinen wie Selbstbedienungsläden

Sechs Tage zuvor ein ähnliches Szenario. Eine Yacht mit einem kanadisch-amerikanischen Paar an Bord wurde nur fünf Seemeilen vor der Nordwestküste von Honduras entfernt auf dem Weg nach Roatan (Islas de la Bahia) überfallen. Auch ihr Boot wurde gerammt und anschließend von Piraten geentert, die diesmal mit Schusswaffen drohten. Die Eindringlinge stahlen ein TV-Gerät, Navigations-Elektronik, Funkgeräte, Tauchausrüstung, Bargeld, Pässe und das Dinghy samt Außenborder. Die beiden Segler wurden ebenfalls bedroht, jedoch nicht tätlich angegriffen.

Der amerikanische Skipper unterstrich später gegenüber den Behörden, dass er mit Kooperation und ruhigem Auftreten gegenüber den Piraten alles getan habe, damit die Situation nicht eskaliere. Die Piraten hätten einen überaus nervösen und angespannten Eindruck vermittelt und seien zu allem bereit gewesen, berichtete der überfallene Segler.

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Ein mutmaßliches Piratenboot wird aufgebracht © CSSN

Beide Überfälle zeigen erneut, dass die Karibik derzeit vor allem im Bereich der mittelamerikanischen Landbrücke zurecht  zu einem besonders gefährdeten Gebiet deklariert worden ist. Die Anzahl Überfälle nimmt laut dem Caribbean Safety and Security Netzwerk (CSSN) stetig zu. Gründe für die Überfälle sind teils dramatische Armut vor allem unter den Fischern in Anrainer-Ländern wie Honduras, Belize, Nicaragua, aber auch Venezuela und Kolumbien. Yachten, die in unmittelbarer Nähe der häufig im sozialen Elend lebenden Menschen vorbeischippern, erscheinen da oftmals wie ein „Selbstbedienungsladen“.

CSSN weist auf seiner Website immer wieder darauf hin, dass es extrem wichtig sei, die „Ruhe zu bewahren“. Hysterie oder falsches Heldentum seien völlig unangebracht, man solle „kooperieren“ und sich so unauffällig wie nur möglich verhalten. Zwar steige die Anzahl der Überfälle in den genannten Seegebieten, im Vergleich zu anderen „heißen“ Piratengebieten, etwa vor der Westafrikanischen Küste oder in Indonesien, sei die Anzahl der Gewalttaten jedoch eher gering.

Mit Informationen von CSSN Caribbean  Safety an Security

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Michael Kunst

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