Plastik in den Ozeanen: Wale, Robben, Schildkröten und Seevögel verenden qualvoll

Plastik tötet Wale

Kurzer Bericht über den in Terschelling gestrandeten Pottwal

Die Ozeane ersticken im Plastikmüll, ihre Bewohner krepieren am Darmverschluss! An der holländischen Küste starb ein junger Pottwal – 25 kg Plastik im Körper kosteten ihn das Leben. Ein Fall unter Tausenden…

Plastik ist die „Geißel der Menschheit“, kann uns „die Zukunft kosten“ und gilt dennoch nach dem Rad als der Menschen zweitliebstes Produkt. Doch bei einer Zersetzungszeit von 400 Jahren – wohlgemerkt: dann ist Plastik nur auf kleinste Teile reduziert, aber noch nicht aus dem Lebenskreislauf verschwunden – wird aus dem vielfach als besonders praktisch angepriesenen Produkt schnell ein ökologisches Desaster.

Nehmen wir zum Beispiel eines unserer beliebtesten Plastikprodukte, die Plastiktüte. Sie belastet die Umwelt in mehrfacher Hinsicht: 1. Für ihre Herstellung wird Erdöl benötigt. 2. Sie verschandelt bei unachtsamer „Entsorgung“ die Umwelt. 3. Bei ihrer Verbrennung werden Killer-Stoffe wie Formaldehyd und Phenole freigesetzt. 4. Bei einer Nutzungsdauer von durchschnittlich einer halben Stunde bleibt sie uns etwa 100-400 Jahre als ganzes Produkt erhalten, bis sie in Kleinstteile zerfällt. Gelangt sie in die Ozeane, geht dieser Zerkleinerungsprozess zwar rascher vonstatten, die Plastikpartikel schweben aber eine noch nicht erforschte Zeit lang durchs Wasser.

Plastikmüll, Meeresverschmutzung, Wale

Sieht für Wale offenbar ziemlich “fressbar” aus – eine kleine, gar nicht so harmlose Plastiktüte © nabu

Ein einziger Müllteppich

240 Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr von den Menschen produziert, wovon etwa sechseinhalb Millionen Tonnen in die Ozeane gelangen. Nach Schätzungen des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen treiben auf jedem Quadratkilometer der Wasseroberfläche 18.000 Plastikteile in allen möglichen Größen.

Doch das ist nur die vielzitierte Spitze des Eisberges: Mehr als 70% des Plastikmülls in den Meeren sinkt ab und treibt mit den großen Strömungen um unseren achso blauen Planeten oder bleibt schlicht auf dem Meereesboden liegen. Während des Zersetzungsprozesses werden zudem große Mengen Gift freigesetzt, an denen eine noch nicht erforschte Anzahl Meeresbewohner stirbt. Täglich, auf unbestimmte Zeit!

Meeresverschmutzung, Plastikmüll, Wale

Damit werden die kleinen Tölpel gleich gefüttert! © nabu

In Form von Kleinstteilen gelangt der Plastikmüll zudem wieder zurück in die menschliche Nahrungskette – wer Fisch isst, labt sich heute unweigerlich an Plastik!

Jedes Jahr verenden Zehntausende Tiere in den Ozeanen an den Folgen unseres Umgangs mit dem „Zivilisationsprodukt“ Plastik. Jeder zweite tote Seevogel, der heute an den Stränden Europas gefunden wird, ist ein Opfer unserer Wegwerfgesellschaft. Der Film der mit Müll gefütterten Albatros-Küken auf Midway sorgte für Aufsehen.

Ornithologen und Meeresbiologen berichten von grauenhaften Funden: Bis zum Platzen mit Plastik gefüllte Mägen kleiner wie großer Seevögel, kleine und mittelgroße Meeressäuger, die sich in umhertreibendem Plastikplanen oder Plastik-Fischernetzen verfangen haben und ertranken.

Doch vor allem die größten Meeresbewohner, die Wale, sterben nachweislich immer häufiger an Plastikmüll, den sie bei der Nahrungsaufnahme mit einsaugen oder den sie irrtümlich mit ihrer Nahrung wie etwa Octopusse oder eben Plankton verwechseln. Das Resultat ist immer das gleiche: Die Tiere krepieren qualvoll an einem Darmverschluss, weil Plastik eben unverdaubar ist und bleibt.

Viele Wale, die an Stränden (mitunter noch lebend) gefunden werden, sind dorthin nicht aufgrund einer Fehlorientierung gelangt, sondern weil sie geschwächt vom Todeskampf oder um mehr als zwei Drittel ihres Körpergewichtes abgemagert dorthin abtrieben.

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Michael Kunst

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16 Kommentare zu „Plastik in den Ozeanen: Wale, Robben, Schildkröten und Seevögel verenden qualvoll“

  1. avatar Sailing4Ever sagt:

    Traurig. Man hat zwar schon immer alles mögliche ins Meer geworfen, aber früher gab es kein PVC.
    Irgendwie freu ich mich aber gerade über duales System und Flaschenpfand. Das hilft zumindest vor der Haustür.

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    • avatar stefan sagt:

      …das “Flaschenpfand” hat gar nichts gebracht. Die Mehrweg-Quote sinkt seit Jahren weiter und Glasflaschen werde weiter vom Markt verdrängt.

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  2. avatar Lars sagt:

    Wo kommt der ganze Mist her? Das müsste mal geklärt werden.

    Was kann ich also tun? Weniger Plastik verbrauchen und das Zeug aufsammeln, wenns im Meer herum schwimmt oder an der Küste herum liegt. Ich mach das zweimal im Jahr vom Beiboot aus im Schildgürtel neben dem Verein in der Trave. Was da auf dreihundert Metern so alles rumliegt! Zum Kotzen! Vereinsmülltonne ist zweimal jährlich voll.

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    • avatar stefan sagt:

      …woher der Mist kommt?

      …Länder wie Indien in denen es keine flächendeckenden Strukturen zum vernünftigen Umgang mit Müll gibt entsorgen den Müll über Flüsse und Küsten.

      http://assets.knowledge.allianz.de/img/mumbai_waste_beach_child_pollution_q_1_34000.jpg

      …allerdings sollten wir uns nicht zu weit aus dem Fenster hängen. Auch wenn wir sehr viel strukturierter und vernünftiger mit unserem Müll umgehen, so ist der Müll den wir erzeugen meist eine Schande. Ein Land in dem 50% der Lebensmittel im Müll landen darf sich in meinen Augen nicht als zivilisiertes Land bezeichnen!

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      • avatar Lars sagt:

        Ich weiß, wie es in Indien, China und SOA aussieht und welche Mentalität da herrscht. Bin dagewesen. Aus den Augen aus dem Sinn.
        Allerdings der Müll, den ich bei uns aus dem Schilf sammle kommt da nicht her.

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    • avatar Stefan sagt:

      In einer Zeitung stand ‘Plastik-Abdeckungen, die für Gewächshäuser in den Niederlanden’ (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/08/wal-verendet-vor-kueste-weil-er-zu-viele-plastik-abfaelle-geschluckt-hat/comment-page-2/).

      Der Satz ‘Die Natur zahlt einen hohen Preis für den hemmungslosen Konsum in der zivilisierten Welt’ ist dann mal wieder so doofes Gelaber, was hat denn Konsum damit zu tun, dass man nicht Plastik-Abdeckungen ins Meer schmeissen sollte (oder sie besser befestigen müsste)?

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      • avatar Stefan sagt:

        Könnten die Disliker bitte begründen…

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        • avatar Jonas sagt:

          Naja..Konsum heißt hier auch, dass man alles ständig überall neu bekommt. Man braucht die Plastiktüte nicht für den nächsten Einkauf aufheben; irgendwas, was billig und kaputt ist, muss nicht mit Geschick repariert werden. Man kann es also getroßt weghauen. Die Abbauprodukte von unserem nicht kompostierbaren Müll landen dann aber trotzdem auf unserem “Weltkompost”, nämlich unserem Lebensraum und sind dann als Östrogen-ähnliche Moleküle als hormonell wirksame Stoffe in unserem Trinkwasser (man gucke sich mal bitte eine Verlaufskurve der Spermienanzahl pro ml bei Männern für die letzten 100 Jahre an!) oder auch in Form von anderen teilweise hormonell wirksamen Stoffen im Rest der Umwelt. Irgendwelche Fische werden vermehrungsunfähig, andere Arten, ob Pflanze oder Tier spielen an irgendeiner Stelle ihres biochemisch aufgebauten Organismus verrückt und so weiter und so weiter. Das mit dem Müll in der “Umwelt”..das ist keine Hippie-Scheiße (wobei wörtlich gesehen “Hippie-Scheiße wohl das kleinste übel ist), das ist bittere Realität, dass der Kram auch noch in 500 Jahren in Form von kleinen, süßen Molekülen im Trinkwasser rumschwimmt.

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          • avatar Stefan sagt:

            Danke.

            ‘Gelaber’ habe ich geschrieben, weil dieser Satz so unkonkret ist, dass sich natürlich jeder (vernünftige Mensch) damit identifizieren kann, wie aber umsetzen?

            Wenn die Plastiktüte anständig entsorgt wird, landet sie ‘nur’ in der Luft aber nicht im Pottwalmagen. Ich denke auch, im Vergleich zu Auto/Diesel Verbrauch sind Plastiktüten vernachlässigbar.

            Wenn man aber fordert, dass die Gewächshausfolien nicht im Wasser/Meer landen dürfen, dünkt mich dies einfacher umsetzbar. Und hilft – vielleicht – dem nächsten Wal.

            Natürlich sollte man vielleicht auch nicht Tomaten essen wenn nicht Saison und Deine anderen Beispiele machen auch alle Sinn, aber im momentanen Zeitgeistklima…

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Vieles kommt m. E. vom Land. Bin mal bei viel Wind von Patras nach Piraeus a.d. Autobahn gefahren. Da war ein regelrechter Müllsturm quer über die Starße aus diesen dünnen Plastiktüten und 1,5L-Flaschen, die dann irgendwann im Wasser landen. Oder Südwestrrankreich: an einem Fluß (Garonne unweit des Meeres) gecampt, da is der gleiche Mist nonstop vorbeigeschwommen.

    Zum Kotzen und in keinster Weise zu rechtfertigen.

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  4. avatar Bandholm sagt:

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  5. avatar Fons sagt:

    Wenn man Artikel nicht selber recheriert, sondern Fakten aussem Internet zusammensammelt, sollte man Quellen angeben, woher man seine Infos bezieht. Das ist das Witzige am Internet. Viele machen imense Recherche und andere nutzen dann mir nichts dir nichts die gewonnenen Erkenntnisse anderer für eigene Artikel, damit was auf ihrer Seite steht.

    Zum Thema: Im Grunde sind das ja kostbare Rohstoffe, die da rumschwimmen. Von daher wird sich das Problem lösen. Die Chinesen kaufen ja bei uns mittlerweile schon länger den Müll in Europa auf, recyceln ihn und schicken dann unseren Müll in Form von Produkten wieder zu uns zurück. Von daher ist Müll ja ein sehr gefragter Artikel.

    Lösungen und Gedanken zum Plastik sind ja bereits in Arbeit, wie die Rückgewinnung von Öl aus Plastik!

    http://green.wiwo.de/innovation-fabrik-in-mannheim-macht-plastikmull-zu-ol/
    http://www.gratis-energie.com/rohoel-herstellung/aus-plastik/index.html

    oder Biokunstoff aus Bananen

    http://www.n-tv.de/wissen/Schuelerin-stellt-Plastik-aus-Bananen-her-article10902376.html

    Also, Sorgen machen ist hier eher unnötig. Das wird!

    Und arme Drittländer, dazu kann man mittlerweile auch europäische Regionen zählen, ohne funktionierenden Staat, ohne nötige Mittel, Bildung, etc. kann man nicht wirklich für ihr Tun verurteilen.

    Das wir als kapitalistisches System, welches sich als Einziges als funktionierend rausgestellt hat, und so wertvolle Dinge wie Demokratie, Freiheit, Innovation, Geist, Kunst, freie Entfaltung, Wissenschaft, Qualität, Erfindertum, etc. überproportional fördert und uns dadurch zu einer hohen Lebensqualität verhilft, die natürlich auch Nachteilen unterliegt, muß ich hoffentlich nicht erklären.

    Natürlich unterliegen wir in diesem System auch dem Konsumzwang und dem immer über uns schwebenden Big Bang der Grenzen des Wachstums. Auf der anderen Seite bringt uns unser System, trotz vieler Nachteile, unfassbar schnell zu immer neuen Ufern des Wissens und der Technik, wodurch man hoffen kann, daß wir irgendwann in der Lage sein werden, unser jetziges Treiben zu beenden und zu einer Lösung finden werden, welches in einem Wirtschaftssystem endet, daß ein zufriedenes und friedliches Zusammenleben aller gewährleistet, ohne die Problematiken des Wachstums und der Ausbeutung unseres Planeten.

    Da wir recht schlau sind, stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht. Im Grunde ist es ein Wettlauf zwischen schier unbegrenztem Geist und einem begrenzten Wirtschaftssystem.

    Spannende Sache für die Zukunft der Menschheit und natürlich auch die Zukunft der Tierwelt.

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    • avatar Stefan sagt:

      Sorry, aber ich glaube nüshct dat dit wat wird mit dem Plastikmüll: enorm verdünnt im ganzen Pazifik, was/wie wollen die Chinesen da zusammensammeln? Menschen mögen schlau sein, aber manchmal auch ohnmächtig, s. Fukushima.

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  6. avatar Sven sagt:

    Mir wird übel, wenn ich das lese. Schrecklich!
    Jeder kann helfen Müll zu vermeiden und dafür zu sorgen, dass der nicht vermiedene Müll sicher in Tonnen landet und nicht irgendwo rumliegt oder gar fliegt.
    z.B. Nach jedem Volksfest, Jahrmarkt etc. in Deutschland sieht es auf den Plätzen danach schlimm aus!

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  7. avatar M.H. sagt:

    Das Problem ist nicht der Werkstoff des Mülls sondern der unachtsame Umgang mit Müll generell.
    Wenn der Wal Glasflaschen oder Blechdosen frisst, ist das sicher auch nicht besser.

    Das Thema mit der Giftigkeit von Kunststoffen (gerade der Massenkunststoffe PE und PP) ist normalerweise übrigens Unfug. In PVC hat man vor vielen Jahren giftige Weichmacher verwendet, auch das ist verboten und deren Anwendung unnötig. Es gibt Herzklappen aus PVC, wenn das giftig sein soll….. Trotzdem kommt immer wieder dieses Thema der Giftigkeit von Kunststoffen pauschal und unreflektiert auf. Das Essen der Kunststofftüten ist wegen des Volumens und der Verstopfung gefährlich und nicht wegen der Giftigkeit.

    Kunststoff ist eigentlich ein sehr begehrter Abfall, da man ihn sortenrein wirtschafltich zu neuen Produkten und vermischt anstelle von Gas oder Erdöl in Kraftwerken verbrennen kann (wenn z.B. die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht). Es gibt praktisch kein Unternehmen, das Kunststoffabfälle wegschmeißt, da man dafür Geld bekommt.

    Das Grundproblem ist der achtlose Umgang mit der Ressource “Müll” und hier insbesondere das Entleeren von Müll in unsere Meere durch die Seefahrt. Was da alles an wirklich giftigen Chemikalien (nicht Kunststoffen) und Müll ins Meer gelassen wird, weiß ich nicht genau, aber das was man zurecht vermuten lässt, ist schon schlimm genug.

    In Entwicklungsländern ist das leider noch schlimmer als bei uns, da haben die Leute weniger Bildung und vor allem erst einmal die Sorge, heute nicht zu verhungern. Wie die Welt in 100 Jahren zu retten ist, interessiert diese armen Menschen verständlicherweise wenig.

    Michael

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  8. avatar na_hoppla sagt:

    Wäre mal wieder an der Zeit das Thema ‘Plastik im menschlichen Körper’ hervorzuheben. Hier insbesondere die Bisphenol-A Belastung, die durch den Kontakt von Lebensmitteln mit Kunststoffen (Folien, Plastikflaschen,..) in den Körper hervorgerufen wird.
    Mann kann es nicht komplett verhindern, aber immerhin etwas dagegen tun…einfach keine Plastikflaschen mehr kaufen.
    http://www.plastic-planet.de

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