Plastikmüll: Boyan Slat setzt Prototypen aus – erster Test unter Realbedingungen auf hoher See

Test für Müllbarrieren

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22 Jahre jung und schon ein Star unter den Umweltaktivisten: Boyan Slat © ocean cleanup

Der junge niederländische Umweltaktivist Boyan Slat kommt in eher kleinen Schritten seinem großen Ziel näher. Hundert Meter langes Test-Element vor den Niederlanden verankert.

Boyan Slat beschäftigt uns schon eine ganze Weile mit seiner Vision, die Meere vom umherschwimmenden Plastikmüll zu befreien. Doch es ist wohl ein langer Weg bis zu den ersten, tatsächlich funktionierenden Müllbarrieren weit draußen auf hoher See.

Im vergangenen Jahr verkündete der 22-Jährige stolz, dass 2016 eine erste der von ihm und seinem Ocean Cleanup-Team erdachten Müllbarrieren vor der Insel Tsushima zwischen Japan und Korea zum Einsatz kommen soll, um dort offenbar besonders zahlreich treibende, grobe Plastikmüllteile aufzufischen. Mit einer Gesamtlänge von zwei Kilometern wäre die verankerte Müllbarriere das längste künstliche Bauwerk auf den Weltmeeren gewesen.

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So sieht der die Barriere von oben aus © ocean cleanup

Doch dieses Vorhaben hat Boyan Slat nun erstmal auf nächstes Jahr verschoben. Es war wie so oft bei großen Visionen: Je näher sich Slat und sein Team ersten Realisierungen näherten, desto häufiger zeigten sich rein praktische Probleme.

Oft sind solche „Steine im Weg“ finanzieller Natur – was bei Ocean Cleanup offenbar kein großes Hindernis gewesen ist, da mittlerweile die halbe niederländische Nation hinter der Idee vom Großreinemachen in den Meeren unseres Planeten steht.

Kann das klappen?

Es sind eher technische Schwierigkeiten, die Slat und sein Team derzeit bremsen. 1. Wie kann eine gigantische, kilometerlange Müllbarriere mitten in einem Ozean sicher verankert werden? So, dass sie allen Stürmen und entsprechendem Seegang trotzt und im schlechten Wetter nicht den bereits gesammelten Müll wieder in die Meere zurückgibt?

2. Wie reagieren die angeblich hochresistenten Barrieren auf das aggressive Salzwasser? Damit nicht ausgerechnet die Müllbarriere entweder gleich neuen Plastikmüll „produziert“ oder beispielsweise Schadstoffe in die Meere abgibt.

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An einem Schlepper wird der Prototyp aufs Meer gezogen © ocean cleanup

Ein Test unter realistischen Bedingungen liegt also auf der Hand. Nachdem die Müllbarriere im kleinen Maßstab unter Laborbedingungen geprüft worden war, installierte Ocean Cleanup gemeinsam mit einer Hochsee-Baufirma nun ihren ersten Prototypen 23 Kilometer vor der Küste Den Haags. Die schwimmende, verankerte Müllbarriere ist einhundert Meter lang und kostete 1,5 Millionen Euro.

Die als äußerst widerstandsfähig bezeichnete, mit Kameras und Sensoren gespickte Barriere aus Gummi soll „zunächst nur Daten sammeln und die Realisierbarkeit des Projektes weiter unterstreichen,“ äußerte sich Umweltaktivist Slat. Neben den Daten zur Wetterbeständigkeit sollen auch Daten zur Umweltverträglichkeit gesammelt werden.

Kinderkrankheiten

Der Sinn dieses Pilot-Projektes sei also noch nicht, möglichst effektiv Müll auf der See zu sammeln. „Wir nähern uns unserem Ziel, aber wir müssen alles dafür tun, dass die erste große Müllbarriere auch wirklich funktioniert und nicht an vermeidbaren Kinderkrankheiten leiden wird!“

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Die Vision vom ersten größeren Einsatz vor einer japanischen Insel, der jetzt verschoben wurde © ocean cleanup

Bereits im Jahr 2020 will CleanUp ein 100 Kilometer langes Plastikmüll-Auffangsystem zwischen Kalifornien und Hawaii installieren. Dort, wo die gigantischen Müllstrudel Millionen Tonnen Plastik bewegen und im Laufe der Jahre zu mikroskopisch kleinen Teilen „schreddern“, die dann allerdings nicht mehr von Slats Barrieren aufgefangen werden können.

Ocean Cleanup und ihr charismatischer, junger Boss  haben mit ihrer Idee von gigantischen Müllbarrieren auf den Weltmeeren mittlerweile in Europa und den USA großes mediales Aufsehen erregt. Befürworter preisen vor allem die simple, und deshalb durchaus realisierbare Herangehensweise an das seit Jahrzehnten schwelende Müllproblem auf Hoher See.

Kritiker behaupten, die Müllbarriere könne nur bei groberem, an der Oberfläche treibenden Plastik funktionieren. Deren Anteil beträgt nach Hochrechnungen etwa zehn bis 15% am Plastikmüllaufkommen. Der Rest ist so klein, dass er buchstäblich zwischen und unter den Auffanginstallationen hindurch gelangen kann.

Falle für Wale?

Was wiederum der großen Meeresfauna vielleicht nicht gelingen wird. Ein wichtiger Aspekt, der die gesamte Zukunft von Ocean Cleanup bestimmen wird: Sollten sich eines Tages verendete Wale oder große Fische in den Müllbarrieren finden, wäre der umweltspezifische Nutzen im gewissen Sinne ad absurdum geführt.

Ein Jahr soll nun vor der holländischen Küste getestet und geprüft werden. Boyan Slat: „Ich denke, es besteht eine 30-prozentige Chance, dass die Schwimmbarrieren den Test nicht überstehen, aber auch in diesem Fall würden wir neue Erkenntnisse gewinnen, was den Test zum Erfolg macht.“

Sollte alles erfolgreich verlaufen, wird sich Boyan Slat dann aber wohl doch um Profanes wie Finanzierung des Ganzen kümmern müssen. Eigentlich eine einfache Rechnung: Wenn einhundert Meter 1,5 Millionen Euro kosten, wieviel kosten dann 100 Kilometer?

Website Ocean Cleanup

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Dieser Prototyp wurde vor der niederländischen Küste installiert © ocean cleanup

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Plastikmüll: Boyan Slat setzt Prototypen aus – erster Test unter Realbedingungen auf hoher See“

  1. avatar Cleanit sagt:

    Markig herumstehen kann der junge Mann ziemlich gut.

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  2. avatar Marc sagt:

    Vielleicht einfach weniger Müll ins Meer werfen/kommen lassen. Für die Prototyp 1,5 Millionen könnte man schon mehr Mülleimer in Häfen aufstellen können, Flüße die ins Meer führen filtern, siehe Rio.

    Natürlich ist es lobenswert, dass der junge Mann etwas für die Umwelt tut. Aber ob das ganze effektiv ist?

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