Porträt: Loick Peyron über seine Karriere Highlights – Warum er im Star keine Chance hatte

Zwischen den Welten wandeln

Loick Peyron (58) kann im Segelsport kaum jemand das Wasser reichen. Das hat er gerade wieder bewiesen: Mit seinem vorletzten Platz beim Star Sailors League Finale.

Eigentlich ist Segeln ein sehr berechenbarer Sport. Die vielen Disziplinen und Klassen geben sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen für den Erfolg vor. Wer sie nicht beachtet kann noch so viel Talent und Segelwissen an Bord haben – er wird nicht erfolgreich sein.

Loick Peyron an der ungewohnten Starboot-Pinne. © SSL/Borlenghi

Es gibt nur wenige Ausnahmekönner, denen es gelingt, sich zwischen den verschiedenen Segel-Welten hin und her zu bewegen. Wenn ein Laser-Olympiasieger erstmals Match-Race segeln soll, sieht er aus wie ein Anfänger. Wenn ein 470er-Segler in das Finn Dinghy umsteigt, ist er chancenlos, und ein Volvo Ocean Race-Champ dürfte als 420er Vorschoter keine gute Figur machen.

Lasersegler glänzen im Starboot

Nur einige Disziplin-Sprünge funktionieren auf die Schnelle. Und das hat sich am Wochenende wieder bei der Star Sailors League gezeigt: Lasersegler kommen auf Anhieb gut mit dem Starboot zurecht. Diese seit vielen Jahren bestehende Grundregel haben Philipp Buhl und Paul Goodison mit ihren Erfolgen in Nassau wieder einmal bestätigt.

Das Ausreiten ist Peyron nicht gewohnt. © SSL/Borlenghi

Wenn sie mit einem starken Vorschoter und gutem Material ausgestattet sind können sie sofort vorne mitsegeln. Es ist schließlich kein Zufall, dass die bis 2012 dominierenden Olympioniken alle aus dieser Klasse stammen. Seit im Starboot das Crewgewicht limitiert wurde und die Zeit der extrem schweren Vorschoter vorbei ist, hilft es besonders, wenn der Steuermann ausdauernd ausreitet und ein gewisses Gewicht mitbringt.

In Nassau kommt noch dazu, dass anders als bei normalen Starboot-Regatten unlimitiertes Pumpen erlaubt ist, und damit die Physis und die Wellentechnik aus dem Laser eine noch größere Rolle spielte.

Altmeister bekommt bei Starkwind Probleme

Deshalb war es klar, dass ein Paul Cayard am Finaltag der Star Sailors League bei stärkerem Wind  Probleme bekommen würde. Der ex Weltmeister hat sich zwar intensiv besonders mit dem Material auf die Regatta vorbereitet, aber im Alter von 58 Jahren musste er dann doch physischen Defiziten im Vergleich zur teilweise halb so alten Konkurrenz Tribut zollen.

Genauso ging es dem jungen Ben Saxton, der als Nacra17-Weltmeister eigentlich zu leicht war und für den die Platt-vor-dem-Laken-Vorwind-Technik ohne Gennaker nichts mit dem Katatamaransegeln zu tun hat. Sein achter Platz ist deshalb sehr hoch zu bewerten.

Peyron ist einer der Größten des Sports © SSL/Gilles Morelle

Vor diesem Hintergrund war es klar, dass Loick Peyron, der strahlendste Promi im Feld der Promis von Anfang an keine Chance hatte. Der 58-Jährige saß vorher noch nie bei einer Regatta auf dem Star, und dieses Defizit konnte auch der erfahrene Olympia-Vorschoter Pascal Rambeau nicht ausgleichen.

Umso höher ist es dem Franzosen anzurechnen, dass er sich überhaupt dieser Herausforderung gestellt hat. Es ist ihm alles andere als peinlich. Schließlich ist er auch schon bei zwei Moth-WMs hinterher gefoilt. Ein Peyron muss niemandem etwas beweisen. Und diese Lässigkeit strahlt er aus. Denn schließlich ist sein Know How nicht nur auf den Weltmeeren gefragt, sondern zuletzt auch im America’s Cup, als er bei Alinghi und Artemis aktiv war. Der Franzose ist wahrlich einer der Größten dieses Sports.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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