Rekordsegeln: Coville halst auf die Zielgerade – Joyon jagt Jules Verne-Trophy

Winter der Rekorde?

Einhandsegler Coville trennen nur noch 1.300 Seemeilen von der Ziellinie vor Brest – Rekord zum Greifen nahe. Francis Joyon und Crew zu Beginn ihrer Rekordjagd leicht im Rückstand.

Der unglaubliche Vorsprung von Thomas Coville auf seinen virtuellen Gegner.

Der unglaubliche Vorsprung von Thomas Coville auf seinen virtuellen Gegner.

Purzeln diesen Winter drei der prestigeträchtigsten Hochseerekorde? Der wohl sicherste Kandidat für Rekord Nr. 1 ist Thomas Coville auf seinem Trimaran „Sodebo“. Der Mann, den sie nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen zuletzt nur noch „Bruchpilot“ nannten, sieht sich nach rund 26.500 einhand gesegelten Seemeilen kurz vor dem Ziel seiner Träume: Die schnellste Nonstop-Einhand-Weltumseglung.

Auf seinem Ultim-Trimaran „Sodebo“ umsegelt er gerade mit (für seine Verhältnisse) moderaten 23 Knoten Geschwindigkeit westlich der Azoren  ein Hochdruckgebiet. Mit Seegang von vorne und seitlich einfallendem Westwind musste Coville innerhalb der letzten 48 Stunden zwei mal halsen. „Die gegenan stehende Welle macht mein Leben hier an Bord nicht leichter.

Thomas Coville wird bald auf der Zielgeraden gen Brest brettern © sodebo

Thomas Coville wird bald auf der Zielgeraden gen Brest brettern © sodebo

Ich muss schon bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten aufpassen, dass ich die Rümpfe nicht allzu sehr belaste. Also nehme ich mitunter etwas „Druck raus“ berichtet Coville im täglichen Video von Bord. „Außerdem ist diese Halserei jedes Mal Schwerstarbeit. Bis ich das Groß auf der anderen Seite habe, vergehen mit Vorbereitungszeiten mitunter zwei Stunden!“

Covilles Shore-Crew rechnet damit, dass er noch heute erneut halsen und endgültig seinen Bug in Richtung Frankreich ausrichten wird. Nur noch ca. 1.500 Seemeilen trennen Coville auf seiner Zielgeraden vom bretonischen Brest. Sein virtueller Vorsprung auf den bisherigen Einhand-Rekordhalter Francis Joyon beträgt derzeit komfortable 2.560 Seemeilen. Coville wird am 2. Weihnachtsfeiertag im Ziel erwartet – um den Rekord von Francis Joyon zu schlagen, muss er vor dem 3. Januar im Ziel sein.

Sodebo Rekord Tracker

Jules Verne Trophy im Visier

Francis Joyon wird aber, wenn alles gut geht „seinem“ alten Rekord keine Träne nachweinen. Denn der legendäre Hochseerekordjäger ist längst mit dem nächsten, noch prestigeträchtigeren Rekord beschäftigt: Seit nunmehr sieben Tagen jagen er und seine Crew im dritten Anlauf dieses Jahres hinter der Jules-Verne-Trophy her.

Die schnellste Nonstop-Weltumseglung mit Crew – bisheriger Rekordhalter sind Loick Peyron und Team mit 45:13:42 Tagen – gilt bei den Franzosen als eine der wichtigsten „Trophäen“ des Sports und wird deutlich höher eingeschätzt als etwa das Volvo Ocean Race.

Bei dem ersten Versuch, der wegen eines suboptimaler Wetterfensters abgebrochen wurde, war noch der Deutsche Boris Herrmann als Navigator mit von der Partie. Der Deutsche verließ jedoch das Team, um sich verstärkt um seine kürzlich angekündigte Vendée Globe-Kampagne zu kümmern (SR berichtete).

Hochseerekorde, Einhand, Jules Verne Trophy, Vendée Globe

Francis Joyon will es mit seiner Crew auf IDEC im dritten Anlauf des Jahres endlich wissen © IDEC

Zwar liegt Francis Joyon nach sieben Tagen bereits südlich des Äquators ca. 150 Seemeilen hinter dem virtuellen Gegner Peyron, doch ist man an Bord und beim begleitenden Team an Land zuversichtlich, dass man mit dem Trimaran „IDEC“ in den kommenden fünf Tagen dank eines idealen Wetterfensters einen Vorsprung auf den bisherigen Rekord herausfahren kann.

Die Jules Verne-Trophy liegt zwar noch in weiter Ferne – „IDEC“ müsste in weniger als 37 Tagen wieder zurück in Brest sein – doch wird Francis Joyon und seiner Crew der Rekord allemal zugetraut, da das Spindrift-Team den angekündigten Versuch diesmal nicht gestartet hat. So soll der bisherige Rekordhalter Loick Peyron kürzlich gesagt haben, er bereite sich schon mal darauf vor, dass noch in diesem Winter seine liebste Trophäe in Joyons Hände übergehen wird.

IDEC Rekord-Tracker

Rekorde purzeln erst im Ziel

Rekord Nr. 3 könnte  in diesem Winter der Vendée Globe-Führende Armel le Cleac’h auf seiner IMOCA Banque Populaire bescheren. Der Bretone segelt derzeit mit mehrtägigem Vorsprung auf den bisherigen Rekord des letzten VG-Siegers Francois Gabart um Kap Hoorn.

Hochseerekorde, Einhand, Jules Verne Trophy, Vendée Globe

Amel le Cleac’h auf seiner Banque Populaire: Knackt er den dritten Hochseerekord in diesem Winter? © Vendée Globe/ Liot

Immer vorausgesetzt, alles läuft weiter „rund“ für Le Cleac’h und seine IMOCA Banque Populaire, dürfte ihm nicht nur der prestigeträchtige Sieg bei der Vendée Glob winken, sondern auch die Trophäe für die schnellste Einhand-Weltumseglung auf einem Monorumpf.

Doch ohne Unkerei: Gesiegt wird eben erst im Ziel. Abwarten und Daumen drücken.

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Michael Kunst

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