Rekordsegeln: Vater und Sohn rasen auf F20-Kat in Rekordzeit von Marseille nach Karthago

Feel(s) Good

Marseille-Karthago, Rekordsegeln, Formula20

Den alten Rekord um knapp elf Stunden unterboten: Vittorio und Nico Malingri

Vittorio und Nico Malingri verbesserten den bisherigen Rekord für offene Katamarane unter 6.50 Metern Länge um knapp 11 Stunden. Eine Meisterleistung!

Die neue Rekordzeit für die Strecke zwischen dem französischen Marseille und dem tunesischen Karthago liegt nun bei 42 Stunden und 54 Minuten – eine selbst von den Protagonisten so nicht für möglich gehaltene Leistung. „Wir sind mit einem durchschnittlichen Speed von 10, 6 Knoten übers Mittelmeer geheizt,“ freuten sich Vater und Sohn Malingri nachts um halb Zwölf Uhr lokaler Zeit im Ziel. „Es war berauschend!“

„Eine wetter-taktische und seglerische Meisterleistung,“ kommentierte dann auch gleich Yvan Bourgnon, der den Rekord vor über zehn Jahren aufstellte. Und Yo Wiebel sowie Simon Koster, die sich im nächsten Jahr auf einem Nacra mit Foils genau diesen Rekord vorknöpfen wollen (SR berichtete vom Training), gratulieren auf ihrem Blog „ Wow, die haben die Messlatte ja gleich ordentlich hochgelegt…das wird hart für uns, aber foilend werden wir’s toppen!“

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Im Ziel klassisch gefeiert: Vater und Sohn nach Rekordfahrt © feelgood

In Böen bis 45 Knoten

Vittorio und Nico Malingri starteten am 6. August morgens um 6:30 bei 30 Knoten Windstärke auf ihrem 6,05 Meter langen Formula 20-Katamaran „Feel Good“, verließen den „Golfe du Lion“ bei Böen bis zu 45 Knoten und hielten dieses extreme Wetter mehr als 24 Stunden lang aus. „Es war richtig physisch,“ kommentierte Vater Vittorio, „wir kamen schnell an den Rand der Erschöpfung!“

Um möglichst lange von raumen Winden zu profitieren, fuhren die beiden dicht am südlichen Kap von Sardinien vorbei, passierten mit sechs Meilen Abstand die Insel Galite, wo sie erneut halsten um dann durch den Golf von Tunis zu brettern.

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Vittorio und Nico nach dem Schleudergang © feelgood

Vittorio sprach nach der Ankunft von einem Törn „wie in einer Waschmaschine“ – „allerdings im Schleudergang!“ ergänzte sein Sohn. „Wir haben ständig unseren Trockenanzug anbehalten und nur sehr, sehr wenig geschlafen.“ Vittorio döste in der ersten, besonders stürmischen Nacht zwei Stunden, Nico brachte sich mit kurzen Schläfchen von selten mehr als einer Viertelstunde über die Strecke. „Wir haben auf der ganzen Fahrt nur zwei andere Schiffe gesehen – das Wetter war einfach zu hart für Urlaubssegler!“

Die beiden haben sich ausschließlich von wenigen Energieriegeln und zuvor abgepackten Sandwiches ernährt. „An unser zweites Nahrungsmittelpaket kamen wir nicht ran, das hatten wir etwas zu sicher verstaut,“ grinste Nico vielsagend.

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Markenzeichen © feelgood

Großer Hochseesegler

Die beiden widmeten ihren Rekord dem Bruder des bisherigen Rekordhalters, Laurent Bourgnon. Laurent starb im Herbst letzten Jahres bei einem Tauchunfall vor Polynesien. „Er lehrte mich vor vielen Jahren mit seinem unerschöpflichen Enthusiasmus den Respekt vor der See und brachte mich auf den Geschmack für Rekorde!“

Der 55-jährige Vittorio Malingri ist einer der ganz großen italienischen Hochseesegler: er startete als erster Italiener bei der Vendée Globe (1993), siegte mehrfach bei der Zweihand-Regatta Roma per Due, wurde 1996 Dritter bei Quebec-St. Malo, nahm zwei Mal auf dem Trimaran TIM gemeinsam mit seinem Freund Giovanni Soldini beim Transat Jacques Vabre teil (2005 mit spektakulärer Kenterung) und schaffte auf dem offenen Katamaran „Royal Oak“ einen Einhand-Rekord für die Strecke Dakar/Senegal – Pointe a Pitre/Guadeloupe in 13 Tagen und 17 Stunden.

Website Malingri

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Das Grauen am Morgen © feel good

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Michael Kunst

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