Rettungsaktion: Aus Seenot gerettete US-Familie verklagt Telefongesellschaft

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Sind zwar glücklich, heil an Land zu sein – bleiben aber stinksauer auf die Telefongesellschaft, die ihnen das Satellitentelefon kappte: Die Kaufmanns © Kaufmann

Sind zwar glücklich, heil an Land zu sein – bleiben aber stinksauer auf die Telefongesellschaft, die ihnen das Satellitentelefon kappte: Die Kaufmanns © Kaufmann

Die Rettungsaktion wäre vermeidbar gewesen, hätte man ihr Satellitentelefon nicht gesperrt, behaupten die Kaufmanns heute.

Nachdem die vierköpfige Familie in einer der aufwändigsten Rettungsaktionen der letzten Jahre im April von ihrem Schiff gerettet wurde, erwartete die Kaufmanns ein wahrer „Shitstorm“ an Land. Mit „unverantwortlich, naiv, herzlos, grausam oder schlicht dumm“ wurden die  Eltern Charlotte und Eric bezeichnet und „was sie ihren Kindern zugemutet hätten, würde an Kindesmisshandlung grenzen!“.

Lokale und überregionale Medien sowie viele ihrer Leser und Zuschauer verurteilten damals die Tatsache, dass die Familie auf ihrer Yacht „Rebel Heart“ von Mexiko aus zu einer Pazifik-Überquerung gestartet war, obwohl die jüngste Tochter Lyra (1) nur wenige Wochen zuvor noch an Salmonellen erkrankt war.

„Aber unser behandelnder Arzt hatte tatsächlich grünes Licht gegeben, die Krankheit sei überstanden,“ verteidigte sich damals wie heute Mutter Charlotte.

Doch nach zwei Wochen auf See, ungefähr 1.000 Seemeilen westlich von Mexiko, erwischten sie einen schlechten Tag. Das Schiff schlug bei schwerem Wetter quer, machte Wasser, „aber letztendlich hätten wir das mit den Pumpen in den Griff kriegen können!“ behauptet Vater Eric heute.

Problematisch wurde es dann allerdings, als das Nesthäkchen Lyra, die während der letzten Tage immer wieder über Bauchschmerzen klagte, nun auch hohes Fieber bekam.

„Das war der Moment, als wir eigentlich mit unserem Arzt Kontakt aufnehmen wollten!“ erklärt Mutter Charlotte heute. „Wir wollten nachfragen, wie wir uns zu verhalten haben, ob das mitgeführte Antibiotika verabreicht werden müsse oder ob wir andere Maßnahmen ergreifen sollten, um das Fieber bei Lyra zu senken!“ Doch das Telefon funktionierte nicht – die Telefongesellschaft hatte es aufgrund von „Zahlungsunstimmigkeiten“ abgestellt.

Kurz darauf forderten die Kaufmanns – etwa zehn Tage Segelzeit vom nächsten Festland entfernt –  aufgrund des weiterhin steigenden Fiebers Rettung an und lösten damit eine der größten Rettungsaktionen der US-Navy-Geschichte aus, die u.a. mit Hochseekreuzern und Flugzeugen beteiligt war.

Bezahlt per Abbuchung

Die US-Navy rettete sie schließlich auf hoher see © US Navy

Die US-Navy rettete sie schließlich auf hoher see © US Navy

„Wir haben bezahlt! Und zwar pünktlich!“ behaupten die Kaufmanns heute und können offenbar belegen, dass ihr Konto am 7.März und am 3. April mit den geforderten Rechnungsbeträgen belastet wurde. Am letztgenannten Datum kappte die Telefongesellschaft die Leitung – warum sie dies tat, ist derzeit noch unklar. „Kein Kommentar vor einem anstehenden Gerichtsverfahren!“ ist dort lapidar zu vernehmen. „Es habe sich um ein Kreditkartenproblem gehandelt,“ ist von lokalen Medien zu hören. Nur: Die Kaufmanns hatten ein Abbuchungsverfahren direkt von ihrem Konto mit der Gesellschaft vereinbart.

Schuldig oder nicht?

Am Montag haben die Kaufmanns nun Klage gegen die Telefongesellschaft eingereicht. „Die Leute glauben, wir hätten nur unser Boot verloren!“ beschreiben die Eltern. „Aber das war unser Zuhause, wir stehen heute völlig mittellos da, wir waren nicht versichert!“

Zudem forderte die Familie die mexikanische Küstenwache und die US-Navy auf, sich an dieser Klage zu beteiligen, um so ebenfalls Entschädigung von der Telefongesellschaft zu erhalten. Die Kosten für die Rettungsaktion hätten sich im Dollar-Millionenbereich abgespielt, heißt es. Ob sie auf diese Weise „erstattet“ werden, dürfte auch im durchaus unberechenbaren (verglichen mit europäischen Normen) US-Justizsystem eher fraglich  sein.

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

3 Kommentare zu „Rettungsaktion: Aus Seenot gerettete US-Familie verklagt Telefongesellschaft“

  1. avatar Alex sagt:

    Ich verstehe nicht, wie man sein Boot nicht VK versichert.
    Ich verstehe auch nicht, weshalb man die Telefongesellschaft jetzt haftbar machen möchte.
    Das fällt bei mir beides unter “hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen geschnappt”

    Dennoch kann ich nichts unverantwortliches finden.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 9

  2. avatar Luke sagt:

    Hätte man den Arzt nicht auch über Funk-Relais kontaktieren können? Sich lediglich auf eine einzige Kommunikationstechnik zu verlassen ist ja nicht so schlau – die Bergung wurde dann ja auch über Funk erledigt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 4

  3. avatar walte sagt:

    Bin selbst individualistischen Seglern sehr zugetan. Von mir aus kann jeder tun und lassen was er will. Vollkasko mit Allem oder alternativ nicht mal eine Krankenversicherung. Jeder nach seiner Fasson.

    Allerdings, wer mit einer 4-köpfigen Familie um die Welt segelt und sich gegen eine Versicherung entscheidet nimmt meines Erachtens Folgendes an:
    – Wir können einen Verlust komplett ausschließen
    – Wir können einen Totalverlust finanziell auffangen bzw. es ruiniert uns nicht

    Wer für diese Punkte Unwägbarkeiten für nicht tragbar hält sollte sich (insb. mit 2 kl. Kindern) versichern. Wenn dazu das Geld nicht reicht dann sollte man nicht Segeln gehen.

    Nun ist die Seifenblase leider geplatzt. Schade. Man “steht plötzlich völlig mittellos da”. Ist nun tatsächlich die Telefongesellschaft dafür haftbar? Das mögen Richter entscheiden. Wiese hatte man denn kein redundantes Kommunikationsmittel dabei, Kurzwelle o.Ä.? Ich finde, das Beschreiten des Rechtsweges hat in diesem Fall ziemlich Geschmäckle… Wird in den USA geklagt?

    Das sie mit der jungen Familie Segeln gehen wollten ist nicht dumm. Sich nicht gegen ruinöse Schäden zu versichern schon…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *