Roboter unter Segeln: Moderne „Mayflower“ segelt 400 Jahre nach dem Original unbemannt über den Atlantik

Kein Leben auf MARS

Mayflower, Roboter, Trimaran

Unbemannt und autonom – wird es mit der modernen Mayflower endlich gelingen, den Atlantik auf einem Roboter-Boot zu überqueren? © MARS

Der Roboter-Trimaran der Uni Plymouth soll weniger geschichtliche Akzente setzen, sondern vorwiegend im Dienste der Wissenschaft unterwegs sein. Noch ist das Projekt nicht vollständig finanziert.

Das Mayflower Autonomous Research Ship, kurz MARS genannt, wird im Prinzip außer dem Antrieb durch Windkraft und der Route nur wenig mit der Original-Mayflower gemein haben. Transportierte die legendäre Fleute 1620 noch die sogenannten Pilgerväter und ihre Familien zur Besiedlung der „Neuen Welt“ an die Ostküste Nordamerikas, wird MARS ohne eine Menschenseele an Bord den Atlantik überqueren. Ein Roboterschiff zur Erinnerung an eine der kühnsten menschlichen Segelabenteuer der Geschichte?

Natürlich geht es um die Pioniertaten, für die „Mayflower“ bereits steht und MARS stehen soll: Am 16. September 1620 stach der Dreimaster von Plymouth aus mit 102 Siedlern in See, die am 21. November nahe dem heutigen Ort Provincetown an Land gingen. Zwei Menschen starben während der Überfahrt, ein Kind wurde geboren. Die Reise gilt weithin als erste Besiedlungsfahrt durch Europäer gen Nordamerika, was allerdings historisch nicht richtig ist: Bereits im 16. Jahrhundert wurde Neufundland besiedelt und 1583 als älteste britische Kolonie durch die englische Krone in Besitz genommen.

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Windsurf-Rigg, zwei Masten: Es gilt, die Segelfläche automatisch so schnell wie möglich zu reduzieren © MARS

Unbemannt und autonom

Die MARS wiederum soll 2020 tatsächlich als erstes, unbemanntes und autonom agierendes Segelschiff den Atlantik überqueren. Der entsprechend futuristisch anmutende Entwurf der britischen Yacht-Design-Agentur Shuttleworth stellt einen immerhin 100 Fuß langen Trimaran-Zweimaster dar, der mit einer Geschwindigkeit von ca. 20 Knoten unter Segeln und ca. 12,5 Knoten unter elektrisch angetriebenem Motor unterwegs sein soll.

Den Bootsdesignern ging es beim Entwurf dieser autonom segelnden Yacht erst in zweiter Linie um Geschwindigkeit und optimale Segeleigenschaften. Als primär wichtig werden die Aspekte Sicherheit und Forschung eingestuft. So wollen die auftraggebenden Wissenschaftler der Uni Plymouth hauptsächlich „eine Testumgebung für neue Navigationssoftware und neue Formen der Energieversorgung durch Solar-, Wellen- und Segeltechnik“ auf der MARS untersuchen. Außerdem sollen von der MARS aus startende Drohnen meteorologische, ozeanografische und klimatische Daten sammeln. Ähnlich wie bei der „Space Shuttle“ wird eine Nutzlast-Ladebucht im Schiff diverse Geräte für die Durchführung unterschiedlicher Forschungsaufträge transportieren.

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Bei Flaute soll ein Elektromotor ohne Reichweiteneinschränkung zum Einsatz kommen © MARS

Da keine Menschen auf dem Trimaran segeln, kann das Boot zwar mit technischem Equipment „vollgestopft“, es muss aber auch auf eine höchst simple Form der Segel“bedienung” zurückgegriffen werden. Das Zwei-Masten-System auf der Mars (Windsurf-Rigg) soll ein relativ einfaches, automatisches Reffen beider Segel (160 qm Gesamtsegelfläche) bzw. die rasche Reduzierung der Segelfläche durch Einrollen eines der beiden Segel möglich machen. Der ausschließlich mit autonom gewonnenem Strom angetriebene Elektromotor wird logischerweise bei Flaute zum Einsatz kommen. Die Energieversorung ist so ausgerichtet, dass die MARS bei etwa fünf Knoten Geschwindigkeit unter Motor ohne Reichweitenbeschränkung fahren kann.

Unter Motor ohne Reichweitenbeschränkung

Brett Phaneuf von der Werft Msubs, die MARS bauen soll, erklärte kürzlich, dass die Atlantiküberquerung mit dem Roboter-Trimaran bei optimalen Bedingungen etwa sieben bis zehn Tage dauern wird. Doch die Geschwindigkeit sei eigentlich unwichtig, so Phaneuf weiter, weil die MARS eben so konzipiert sei, dass sie Wochen und monatelang für die Wissenschaft an Land Daten und Proben sammeln soll. Ohne sich dabei um Einsamkeit, Krankheit oder eben ums Nachtanken kümmern zu müssen.

Derzeit wird ein Fundraising für das im unteren zweistelligen Millionenbereich angesetzte Projekt gestartet. Allein die Stadt Plymouth hat bereits mehrere Millionen Euro zugesagt und einige europäische Universitäten wollen MARS durch Forschungsaufträge unterstützen.

Mayflower, Roboter, Trimaran

Nachbau der guten alten “Mayflower” © MARS

Bleibt zu hoffen, dass MARS ähnlicher Erfolg beschieden sein wird wie der Mayflower vor bald 400 Jahren. Die brauchte zwar zwei Monate für die Überfahrt, kam aber immerhin mit nahezu allen Passagieren am Ziel an. Die letzten Versuche einer Überquerung des Atlantiks mit autonomen, unbemannten Segelbooten scheiterten dagegen kläglich. So versuchten 2014 zwei Teams bei der Microtransat Challenge von zwei Seiten aus ihr Transat-Glück. Die britische „Snoopy“ lief zwei Tage nach Start in England auf Grund. Und das A-Boot „Time“ der US Marineakademie versuchte sein Glück vom Cape Cod (dem eigentlichen Ziel der „Mayflower“) aus. Zehn Tage später zogen es Fischer vor Nova Scotia manövrierunfähig aus dem Wasser.

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Michael Kunst

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