Sailing Conductors: 3.600 sm von Kapstadt nach Rio de Janeiro

Samba Atlântico

Die segelnden Dirigenten haben den Atlantik bezwungen. Wichtigste Frage auf dem Steg in Südamerika: Wo gibt’s das nächste Bier?

Sailing conductors, Atlantiküberquerung, Kapstadt-Rio

Hinterm Horizont geht’s weiter © sailing conductors

Noch vor zwei Jahren, als wir unsere musikalische Segelreise zu planen versuchten und noch mächtig viel Grünes hinter unseren Ohren zu finden war, hatten wir ja eigentlich alles ganz anders im Sinn. In 9 Monaten von Sydney durch den Suez Kanal bis nach Berlin. Immer schön brav an der Küste entlang. Weil das ja am ungefährlichsten ist und man bei Gefahr schnell mal an Land schwimmen kann. Denkste! Wie sind wir noch mal auf 9 Monate gekommen? Hatte ich mich nicht um die Routen- und Zeitplanung gekümmert? Ich war wohl schon halb mit den Gedanken auf einem Segelboot in wilden Stürmen unterwegs. Oder betrunken. Oder beides.

Und dann begann irgendwann unser erster Segeltrip von den Salomonischen Inseln nach Papua Neuguinea. Und mit ihm die erste Ozeanüberquerung über den Pazifik. Nicht ganz so weit zwar, aber trotzdem – wie war das noch mit „immer an der Küste entlang segeln“?

Grünzeug hinter den Löffeln abgebröckelt

Das Grüne hinter den Löffeln ist seitdem etwas abgebröckelt, unser Abenteuer hat sich zeitlich knapp um das 5fache verlängert, wir haben den Pazifik, den Indischen Ozean und nun auch den Atlantik überquert. Und 30.000 km auf dem Buckel.

Sailing conductors, Atlantiküberquerung, Kapstadt-Rio

Viel Zeit für Kaffeepause © sailing conductors

Wie kann man sich mental auf 5-8 Wochen auf See vorbereiten? Lange Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt, zu Freunden und Familie. Tage, die sich nach kurzer Zeit so sehr gleichen, dass man schnell vergisst, welcher Wochentag es ist und man ertappt sich dabei, dass man Januar denkt, obwohl aber schon Mitte März auf dem Kalender steht. Man kann sich nicht vorbereiten. Es ist und bleibt eine lange Zeit.

All diese Gedanken werden sowieso in der letzten Phase kurz vor Reiseantritt überschattet von der Vorfreude auf den nächsten großen Kontinent, dessen manchmal unaussprechliche Ländernamen, die fremden Sprachen und natürlich die Musik und Rhythmen der neuen Musiker. Gleichzeitig sind wir beschäftigt mit Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen und beladen die „Marianne“ mit so viel Wasser, dass unser Boot knapp 20 cm in die Knie geht und man die rote Wasserlinie schon nicht mehr sehen kann.

Sailing conductors, Atlantiküberquerung, Kapstadt-Rio

Hauptsache, das Logo kann man noch erkennen © sailing conductors

Egal, Hauptsache, man kann unser Logo noch klar und deutlich erkennen! Auch die guten Zusprüche der anderen Segler helfen. Die sagen alle, dass unsere Atlantiküberquerung von Kapstadt nach Rio bestimmt ein Klacks wird: „Hier blasen die Winde stetig das ganze Jahr und es gibt keine tropischen Stürme. Ihr seid also im Handumdrehen drüben!“. Na, das hört sich doch gut an.

Leinen los!

Wir sind guter Dinge. Einzig allein die Tatsache, dass ich in genau sieben Wochen in Rio sein muss, um meinen Flug nach Deutschland zu erwischen, bleibt als ein nervöser Druck im Hinterkopf zurück. Mein Cousin heiratet und da darf ich doch nun wirklich nicht fehlen. Und dank dem kleinen Unfall vor ein paar Tagen, bei unserem ersten Versuch ohne Motor aufzubrechen, haben wir schon eine Woche verloren.

Sailing conductors, Atlantiküberquerung, Kapstadt-Rio

Reichlich Inspiration fürs Kreative © sailing conductors

Wir hoffen also auf stetige Passatwinde, die ab dem 23. Breitengrad Süd anfangen sollen (sagt zumindest der Cruising Guide) und segeln deshalb etwas nördlicher als wir eigentlich müssten, um so schnell es geht in diesen Bereich zu gelangen. Doch alles kommt natürlich wieder ganz anders als man denkt.

Die ersten 2 Wochen, die windtechnisch eigentlich die unangenehmsten werden sollten, sind super. Wir brechen fast täglich unser Etmal. „Marianne“ ist nun mal kein Racer und wenn andere größere Boote oder Katamarane über Tage fluchen, in denen sie nur 200 Meilen (370 km) am Tag schaffen, sind wir die glücklichsten Segler der Welt, wenn wir unsere 100 sm (185 km) pro Tag absolvieren. Bisheriger Rekord lag bei 117 sm, den wir auf der Strecke von Sri Lanka nach Madagaskar geknackt haben. Doch jetzt läuft alles rund und wir brechen einen Rekord nach dem anderen. Erst 119 sm gefolgt von 122 sm und dann der nächste Tag – 129 Seemeilen! Na, wenn das so weiter geht, sind wir in Nullkommanichts da. Denken wir. Doch dann kommt der langersehnte und vielversprechende 23. Breitengrad Süd. Und der Wind macht auf Rente.

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