Satellitengestützte Ortung: Das russische GLONASS wird immer häufiger als GPS-Backup genutzt – auch in der Schifffahrt

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GLONASS, Satellit

Satellit im Orbit © ESA

GLONASS ist als russische Alternative zu GPS mittlerweile voll funktionsfähig. Kombigeräte und Smartphones, die beide Ortungssysteme empfangen, sind längst auf dem Markt.

Ende 2011 war es soweit – die erste weltweit verfügbare GPS-Alternative ging im Vollbetrieb „auf Sendung“: GLONASS (Globalnaya Navigazionnaya Sputnikovaya Sistema) hatte ebenso wie GPS zunächst einen ausschließlich militärischen Aufgabenbereich, der im Laufe der letzten 10 Jahre für einen zivilen und somit wirtschaftlichen Nutzen modifiziert und erweitert wurde. Fünf Milliarden Dollar ließen sich die Russen den Ausbau ihres satellitengestützten Ortungssystems kosten, die größte Investition, die sich Russland nach dem Ende der Sowjetunion im Orbit leistete.

Glonass, Ortungssystem

Glonass-Symbolik © glonass

Wie GPS benötigt auch GLONASS 24 Satelliten im Orbit, um das System im weltweiten Betrieb nutzen zu können. Zum weiteren Ausbau ihrer „Leistungsfähigkeit“ im All wollten die Russen kürzlich auf einer Proton-M-Rakete drei weitere Satelliten in die Erdumlaufbahn schicken, doch der Träger stürzte spektakulär direkt nach dem Start kopfüber wieder auf das Startgelände und explodierte.

Dennoch ist GLONASS weiterhin voll funktionsfähig und wird auch immer häufiger genutzt, vor allem in Extrembereichen, zu denen übrigens auch die Schifffahrt auf hoher See und in extrem nördlichen und südlichen Regionen zählt.

Während der letzten 15 Jahre vermehrten sich weltweit die Rufe nach einer Alternative zu GPS. Noch fest in US-militärischer Hand, schlich sich bei GPS mehr und mehr ein „ungutes Gefühl“ bei vielen ein, vollständig abhängig von Menschen zu sein, die durchaus damit drohen, im Falle eines „Konfliktes“ die „Waffe“ GPS zum Einsatz zu bringen, sprich: das System zumindest partiell abzuschalten.

Dass ausgerechnet Russland in diesem Zusammenhang keine Alternative zu den USA sein kann, liegt auf der Hand – sich von der einen in die andere Abhängigkeit zu begeben, wäre schildbürgerlich.

GLONASS

GLONASS-Architektur und die vorteile von beiden Systemen, gleichzeitig genutzt © SDCM

Kombiniert bieten beide Systeme jedoch deutliche Vorteile für den Nutzer, insbesondere in der Schifffahrt. Den bei GPS mitunter suboptimalen Empfang in Extrembereichen wie auf hoher See, aber auch an Land in Schluchten oder zwischen Wolkenkratzern, bügelt GLONASS Experten zufolge bestens aus.

Beide Ortungsverfahren funktionieren nach dem gleichen System: Ein Empfänger erhält Satellitensignale und berechnet anhand der darin enthaltenen Informationen die eigene, aktuelle Position. Die Art der Informationsübermittlung ist jedoch unterschiedlich: GPS-Satelliten senden auf einer Frequenz, Glonass-Satelliten auf zwei Freuqenzbändern. Die (immer wieder auftretende) Verzögerung von Signalen kann mit dem russischen System so besser ausgeglichen werden; tatsächlich wird über die Genauigkeit von GLONASS nur Bestes berichtet.

Folgerichtig wird es richtig spannend für den Nutzer, wenn er beide Systeme gemeinsam nutzt. Das ist technisch durchaus möglich und wird seit mehr als einem Jahr bereits häufig von den Hardware-Herstellern genutzt, sei es auf Smartphones oder auf leistungssärkeren Ortungsgeräten etwa in der Schifffahrt.

GPS/GLONASS-Empfänger haben so auf fast doppelt so viele Satelliteninformationen Zugriff, wie bei der ausschließlichen Nutzung eines Systems. Normalerweise müssen drei Satelliten empfangen werden, um die gewünschte Ortungsgenauigkeit von 10 Metern zu erzielen. Durch die Nutzung von GPS/GLONASS wird die Ortung deutlich genauer und bleibt auch in extremsten Situationen und Empfangsbereichen verlässlich.

APP zur Ermittlung der Übertragungswerte der jeweiligen Ortungssysteme © Röttgering

APP zur Ermittlung der Übertragungswerte der jeweiligen Ortungssysteme © Röttgering

Etwas weniger bekannt ist, dass auch immer mehr Smartphones auf den Empfang beider Systeme setzen, wie das Sony ExperiaZ, Samsung Galaxy S4, Nokia Lumia 720, HTC und natürlich Apple I Phone 5 (um nur eine kleine Auswahl zu nennen).

Mit der Android App „AndrioTS GPS Test“ kann man den Empfang der beiden Systeme auf dem Smartphone übrigens ganz nett visualisieren.

Wer also in Zukunft sicher, zumindest weniger abhängig als zuvor und vor allem genauer navigieren möchte, sollte darauf achten, dass seine Geräte für  GPS/GLONASS empfänglich sind. Ein US- und russisches System, das weltweit gleichzeitig von allen genutzt werden kann – wer hätte das vor 25 Jahren gedacht?

Professionelle Kombigeräte, die beide Systeme empfangen:

Idee: Uwe Röttgering

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Satellitengestützte Ortung: Das russische GLONASS wird immer häufiger als GPS-Backup genutzt – auch in der Schifffahrt“

  1. avatar Addi sagt:

    Danke für diese Info und den Hinweis auf die Android App, Uwe.

    Weiss eigentlich jemand, was mit Galileo abgeht? Seit dem ersten Satelliten habe ich nichts mehr gehört

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  2. avatar hurgahmann sagt:

    Besten Dank

    Du hast nen Buchstabendreher im App namen beim oi

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar Georg sagt:

    Galileo sollte in den nächsten Jahren voll funktionsfähig sein. Dann steht einer perfekten GPS Ortung nichts mehr im Weg.

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  4. avatar goetzke sagt:

    Gibt es für glonass eine app wie die Google maps Danke für die Antwort

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