Schiffbau-Projekt: Schiffskörper in Form eines Segels soll Vortrieb erzeugen

Mit dem Rumpf segeln

Schiffsbau, Zukunft,

Sieht doch richtig nach “Segeln” aus © Tarje Lade

Skurill, aber spannend: Ein norwegischer Ingenieur entwarf ein Cargo-Schiff, dessen Rumpf wie ein riesiges Segel wirken soll. 60%  Treibstoffersparnis seien möglich.

Terje Lade ist Schiffsbauingenieur, arbeitete früher in der norwegischen Öl- und Schifffahrtsindustrie und widmet sich seit Anfang dieses Jahres ausschließlich der Vermarktung seines Konzeptes.

Das Prinzip des „Project Vindskip“ ist nicht neu: Ein beladenes Schiff auf hoher See soll ein Maximum vom kostenlos wehenden Wind profitieren, um möglichst viel Energie einzusparen und um (endlich) weniger Dreck in die Umwelt zu schleudern.

Dazu bedient sich Terje Lade jedoch nicht eines Segels am Mast oder etwa eines riesigen Zug-Kitesegels, der Tüftler sagte sich: Warum nicht den Rumpf des Schiffes zum Vortrieb nutzen?

Schiffsbau, Zukunft

Ähnlich hohe Schiffe befahren ja sowieso schon die Weltmeere © tarje Lade

Entsprechend großflächig, mehr oder weniger in Form eines riesigen Segels gestaltete er also den Schiffskörper seines Entwurfs. Bisher galt im Schiffsbau eigentlich: Möglichst wenig Windangriffsfläche bieten. Doch angesicht 15 Stockwerke hoher Containerriesen und Kreuzfahrtschiffe dreht Terje den Spieß nun um: „Ganz im Gegenteil – ich will, dass der Wind reichlich Platz zum Auftreffen hat!“

Ganz wie beim Segeln, möchte er dann die Schiffe auf hoher See im günstigen Winkel zum Wind steuern. Am und vor dem Wind!

Idee vom Rekordsegeln

Seine Argumentation leitet der Norweger übrigens aus den jüngeren Erkenntnissen bzw. der Praxis im Highspeed-Segeln ab. Die Hydropère, die AC72-Katamarane und auch etwa die Tornados würden sowieso bereits optimal vom Fahrtwind profitieren, erklärte Terje Lade kürzlich einer norwegischen Tageszeitung. „Die fahren ja sogar vor dem Wind mit dicht geholtem Großsegel und erreichen dabei Geschwindigkeiten, die doppelt so schnell wie der Wind sind!“ Entsprechend können die Windangriffsflächen respektive Schiffsrümpfe seines „Project Vindskip“ bei allen Windrichtungen für Vortrieb sorgen. Und auf eine Maschine wolle und könne er schließlich nicht verzichten, sondern lediglich deren Kraftstoffverbrauch drastisch reduzieren. Von bis zu 60 % Energieersparnis und erheblicher Verringerung der Luftverschmutzung ist die Rede; angesichts der Tatsache, dass die internationale Schifffahrt der mit Abstand größte Luftverschmutzer dieses gar nicht mehr so blauen Planeten ist, eine zumindest hehre Absicht.

Bald schon realisierbar?

„Das Schiff kann natürlich nur dann effizient voran gebracht werden, wenn der Rumpf optimal im segelspezifischen Sinne geschnitten ist und sich voll und ganz nach den Wetterbedingungen richtet,“ erklärt Terje Lade. „Der Computer steuert dann den durch die Maschine tatsächlich notwendigen Vortrieb in Bezug auf die vorherrschenden Wetterbedingungen und „richtet“ das Schiff zur Windrichtung optimal aus. So kann das Schiff auf der üblichen Geschwindigkeit von ca. 18 kn gehalten werden, unter Einsatz von Maschine und Wind!“

Bleibt abzuwarten, ob sich für die Realisierung des Vorhabens (vielleicht reicht ja für den Anfang schon ein Maßstab von 1:10 und man muss nicht gleich riesige Cargo-Schiffe bauen?) Geldgeber finden lassen. Angeblich sei Terje Lade mit Reedereien und staatlichen Forschungsinstituten in Verhandlung. Er spricht davon, dass in spätesten 3-4 Jahren das erste „Vindskip“ über die Meere „segeln“ werde. Im Wind- und Wellenkanal war ein Modell bereits so erfolgreich, dass die Tests vom norwegischen Staats-TV gesendet und als „erfolgreich“ bezeichnet wurden. Mehrere Professoren und Wissenschaftler arbeiten derzeit gemeinsam mit Terje an der Realisierung seiner Idee.

(Noch) nicht geäußert wurde sich über Krängungsverhalten, Abdrift, Instabilität im hohen Seegang und ebenso wenig über die dann doch sehr eingeschränkten Möglichkeiten, ein derart hochbordiges Schiff zu löschen. Aber es muss ja nicht alles gleich perfekt sein…

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Michael Kunst

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11 Kommentare zu „Schiffbau-Projekt: Schiffskörper in Form eines Segels soll Vortrieb erzeugen“

  1. avatar Harry Hirsch sagt:

    Schiffbau! 😉

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 5

    • avatar Rechtschreibungwächter sagt:

      Schiffbau soll StandarD bleiben!

      Die Version mit s sagt niemand in der Branche….

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  2. avatar 2fast4you sagt:

    Da fehlt das Gelenk in der Mitte des Schiffes 😉
    Ohne näheres zu wissen, würde ich dieses Projekt in den Ordner Forschungsgeldbetrug ablegen.

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  3. avatar <°((( ~~< sagt:

    Hihi, das erscheint mir immerhin nicht ganz so abwegig wie damals Skysails, die ausgerechnet auf Supertankern mit einem Kite Sprit sparen wollten.

    Dennoch bin ich natürlich gespannt, was auf so einem Schiff bei 30° Krängung mit der Ladung passiert. Noch lieber stelle ich mir beweglichen Innenballast vor: Nämlich, dass bei jeder Wende 8.000 werksneue Toyotas von der einen Seite zur anderen gefahren werden. Und bei der nächsten Wende zurück.

    An der Aerodynamik müssen sie aber noch ein wenig arbeiten.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

    • avatar chenninge sagt:

      Zum Thema Skysails:
      Über Umsetzbarkeit und Nutzen kann man sich ja (fundiert) streiten, die Firma existiert aber immernoch, leidet momentan unter den schlechtenn Frachtraten in der Schiffahrt (niemand hat Geld über, ums in solche Ideen zu investieren)
      Versuchen sich aber auf Energiegewinnung aus Höhenwind zu spezialisieren und entwickeln dazu Konzepte.
      Auch wenn so ein Kite sicherlich einige Probleme bereitet, so lässt er sich immerhin wegpacken…
      So ein Cargowing sollte im Hafen ja gut vertäut werden, wenn er nicht bei ungüstigem Wind wegsegeln soll- schwierig sollte auch die Naviagtion in engen Fahrwassern sein oder?
      Aber german Angst beiseite- hat was

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  4. avatar Olaf sagt:

    Große Kreuzfahrtschiffe und Autofrachter sehen heute schon so aus ….sparen aber keine 60% ein, da müssen die Ingenieur wohl was falsch gemacht haben….

    https://www.google.de/search?q=autofrachter&client=firefox-a&hs=0Ye&rls=org.mozilla:de:official&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=anw4UpjZPIaShQfj74DADA&ved=0CAcQ_AUoAQ&biw=1064&bih=855&dpr=1.25

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  5. avatar stephan sagt:

    Wo kommt die folgende These her:
    “…angesichts der Tatsache, dass die internationale Schifffahrt der mit Abstand größte Luftverschmutzer dieses gar nicht mehr so blauen Planeten ist…” ?

    Davon ausgehend das die Abgasemissionen grundsätzlich irgendwie proportional zum Brennstoffverbrauch sind und Schiffe mit meilenweitem Abstand den geringsten Brennstoffverbrauch pro transportierte Tonne und km haben halte ich diese These zumindest für gewagt. Gibt es dafür irgendwelche Belege?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 5

  6. avatar miku sagt:

    Von wegen Horst Evers “Gefühltes Wissen” – die Schiffffahrt gilt tatsächlich als “der größte” (bei einigen Instituten) und als “einer der größten” (bei anderen Instituten) Luftverschmutzer. Einige Beispiele findet ihr hier
    http://de.wikipedia.org/wiki/Emissionen_durch_die_Schifffahrt
    und hier
    http://www.nabu.de/schifffahrt/Hintergrund_Luftverschmutzung%20Schiffe_2012.pdf
    aber auch hier
    http://www.nabu.de/themen/verkehr/schifffahrt/mirstinkts/16042.html

    Ein wenig in den Suchmaschinen forschen, auch in Englisch und/oder Französisch, und ihr findet Dutzende ernüchternde Berichte und Studien über die Folgen des filterlosen Schweröl-Verbrennens der Schifffahrt.

    Grüße

    miku

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    • avatar stephan sagt:

      Vielen Dank für die Quellen. Ohne die Qualität der Dokumente zu diskutieren, behaupten allerdings weder die Wikipediaquelle noch die NABU Artikel, dass Schifffahrt der größte Luftverschmutzer auf diesem Planeten ist. Beide setzen sich mehr oder weniger qualifiziert mit den durch Schiffen verursachten Emissionen auseinander und arbeiten deutliche Schwachstellen heraus (die zweite NABU Quelle befasst sich ausschließlich mit Passagierschiffen). Die Stärken die sich zum Beispiel aus der extrem hohen Transporteffizienz ergeben oder die Tatsache, dass die Schifffahrt die erste Branche überhaupt war die weltweit verbindliche Vorschriften für Emissionen eingeführt hat und diese kontinuierlich weiter entwickelt und auch wieder die erste Branche ist die weltweit gültige CO2 Maßnahmen verabschiedet hat werden in den Quellen leider nicht gewürdigt. Aber auch ohne eine solche Würdigung bleibt nach Auswertung der Quellen übrig, dass die These im Artikel leider reiner Populismus oder eben “gefühltes Wissen” ist.

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