Schmuggel: 200 kg Kokain auf brennender Yacht in der Südsee gefunden – Drogen-Autobahn im Pazifik

Dumm gelaufen

Drogen, Schmuggel, Südsee

Weil nur 200 kg Kokain an Bord der ausgebrannten Yacht gefunden wurden, stellt man sich einige Fragen © gendarmerie

Sie wollten wohl auf die Schnelle „Geld beim Segeln verdienen“: Erneut wurden zwei spanische Schmuggler auf Tahiti festgenommen. Story eines etwas verpatzten Schmuggeltörns.

Für die einen mag es wie ein weiterer Beweis für die Wirksamkeit von „Murphy’s Law“ klingen. Andere bezeichnen es als ausgleichende Gerechtigkeit. Dritte wiederum sehen sowas als Bestätigung für die Mundart-Regel: „Shit happens“. Wie auch immer, die folgende Geschichte ist filmreif – als Komödie? 

Da segelt ein Boot von Panama Richtung Neukaledonien. An Bord der etwas vernachlässigt wirkenden Yacht sind zwei Spanier. Wie sie später aussagen werden, haben sie eher wenig Ahnung vom Segeln und noch weniger von der Navigation. Aber sie können GPS und Kartenplotter einigermaßen bedienen, damit sie zumindest wissen, wohin sie segeln. Der Pazifik zeigt sich für die beiden Männer auf ihrem Boot von seiner freundlichen Seite, tage- und wochenlang pustet der Wind aus der richtigen Richtung in gefälliger Windstärke. 

Drogen, Schmuggel, Südsee

Dubioses Angeschmortes © gendarmerie nationale

Nein, Segler und Boot befinden sich nicht auf einem Überführungstörn. Das heißt, im gewissen Sinne überführen sie schon etwas, nur eben nicht das Boot, sondern seine Fracht: Hunderte Kilogramm Kokain.
Männer und Boot sind auf einer Strecke unterwegs, die sich in den letzten Monaten den Spitznamen „Pazifischer Drogen-Highway“ verdient hat. Allein in diesem Jahr konnte die französische und polynesische Polizei bereits mehr als 1,4 Tonnen Kokain auf Segelyachten sicherstellen. Die Dunkelziffer liegt nach Aussagen der Behörden beim bis zu zwanzigfachen Ausmaß – die Drogenfahnder sprechen von einem „Tropfen auf dem heißen Stein“, wenn sie von ihren (durchaus beachtlichen) Erfolgen beim Aufspüren der Schmuggelyachten in den unendlichen Weiten des Pazifiks berichten.

Die Drogen-Autobahn

Der Transport der Drogen verläuft immer nach dem gleichen Muster: Auffallend häufig sind es Spanier, die sich in ein eilig gekauftes, meist schlecht ausgerüstetes Segelboot setzen, dasselbe bis unters Dach mit Drogen beladen und dann mehr oder weniger auf gut Glück Richtung Australien segeln. Häufig klauen sie für ihren Drogenschmuggel auch hochseegängig wirkende Yachten in Marinas von Mittel- und Südamerika. Wie viele dieser Schmuggelsegler tatsächlich in Neukaledonien, Australien oder Neuseeland ankommen, ist nicht bekannt. Wie viele auf ihrem Weg  über den Pazifik mit ihrer Fracht untergehen – darüber kann auch nur gemutmaßt werden.

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Die brennende Yacht auf dem Riff © gendarmerie nationale

Doch zurück zu den beiden anfangs erwähnten Glücksrittern. Die Segler schaffen es bis zu den „Inseln unter dem Wind“, wo sie einen Zwischenstopp geplant haben. Ob der wiederum wirklich nur zum „Beine vertreten“ gedacht war oder vielleicht sogar ein Umladen der Drogen auf ein Fischerboot stattfinden sollte (wie die Polizei vermutet), sei noch dahin gestellt. Tatsache ist, dass kurz vor dem Landfall die Elektrik an Bord versagt. Nichts funktioniert mehr, Navigation mit Karte, Kompass oder sogar Sextant sind den beiden Seglern unbekannt. 

Es kam, wie es kommen musste: Vor dem Atoll Faaite läuft das Boot auf ein Riff, schlägt leck und sitzt auf der Untiefe fest. Panik an Bord. Nicht, weil es um Leben oder Tod geht, sondern weil das Boot ohne fremde Hilfe nicht mehr flottzumachen ist und etwaige Helfer mit Sicherheit einen Blick ins Innere des Bootes werfen würden… 

Arme Schiffbrüchige

Also kommt man auf die glorreiche Idee, das ganze Vorhaben buchstäblich in Rauch aufgehen zu lassen – die Spanier legen Feuer an Bord. In der Hoffnung, sich so als arme Schiffbrüchige aus der (noch nicht entdeckten) Affäre ziehen können. 

Flammen und Rauch ziehen erste Helfer von bewohnten Nachbarinseln an. Die retten die beiden Havaristen mit leichten Brandwunden vom brennenden Boot, versorgen sie notdürftig medizinisch und empfehlen ihnen, die nächste Fähre Richtung Papeete, der Hauptstadt von Tahiti zu nehmen. 

In der Zwischenzeit  werden die Behörden von der brennenden Yacht unterrichtet, die schickt zwei Polizisten zur Untersuchung des Falls auf die Insel. 

Während die beiden leicht verletzten Spanier mit der Fähre Richtung Papeete übersetzen, machen sich einige Helfer an dem mittlerweile nur noch schwelenden Wrack zu schaffen. Zwischen der verkohlten Inneneinrichtung des Bootes finden sie teils angeschmolzene und völlig verkohlte Päckchen mit verdächtig wirkendem Inhalt. Schnell ist klar: Hier ist ein Schmugglerboot abgebrannt. Erneut wird mit Papeete telefoniert, dort schickt die Polizei ein schwer bewaffnetes Empfangskomitee in den Hafen, wo gerade die Fähre anlegt. Die beiden „Schiffbrüchigen“ werden widerstandslos festgenommen. 

Zweihundert Kilogramm teils verschmortes Kokain finden die mittlerweile beim Wrack angekommenen Polizisten. „Nur“ zweihundert Kilogramm? 

Waren mehr Päckchen an Bord?

Tatsächlich gehen auch die Behörden wohl davon aus, dass auf der Yacht deutlich mehr von der Droge geladen war. Nur – wo ist der Rest abgeblieben? Wurde bereits vor der Havarie ein Teil der Ladung gelöscht oder auf ein andere Boot gebracht? Dass sich die Helfer von Faaita etwas vom „Strandgut“ „abgezweigt“ haben, gilt als unwahrscheinlich. Wo also ist der Rest? Oder waren die beiden Glücksritter doch vernünftiger als man annehmen könnte und sind nicht wie ihre gefassten „Vorgänger“ bis unters Kajütdach vollgeladen auf den Pazifik hinaus gesegelt? Beide Schmuggler schweigen beharrlich, wohl aus Angst vor ihren Auftraggebern. 

Drogen, Schmuggel, Südsee

Das Atoll Faaite © nasa/wikipedia

„Wir sind uns mittlerweile sicher, dass die Buchten der bewohnten und unbewohnten Inseln von Polynesien nicht mehr nur ein Zufluchtsort für müde Segler nach ihrer Pazifiküberquerung sind, sondern dort ein Drogenumschlag im riesigen Ausmaß stattfindet,“ stellt der Polizeichef von Papeete in lokalen Medien klar. „Die Anzahl verlorener Boote mit wertvoller Drogenfracht, die den langen Weg nonstop über den Pazifik nicht geschafft haben, ist mittlerweile wohl auch den Auftraggebern im Schmugglerring zu hoch geworden. Deshalb legen sie jetzt immer öfter einen Stop auf einer der Südsee-Inseln ein.“ Ob zur Erholung von den Segelstrapazen oder zum Umladen der Drogen – wer weiß das schon? 

Tipp: André Mayer

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