Seekrankheit: Studie bescheinigt Cinnarizin und Scopolamin-Pflaster größten Effekt

Nie wieder Würfelhusten?

Kein Platz für Würfel-Huster: Spucken verboten.

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Die britische „Yachting World“ hat die Ergebnisse einer Seekrankheits-Studie veröffentlich, die bereits im Jahr 2005 durchgeführt wurde. Sie hebt sich positiv von den meisten anderen Analysen ab, weil sie mit einer relativ hohen Fallzahl von Probanden arbeitet, die alle unter nahezu gleichen Umständen beobachtet wurden. Und weil sie nicht den Anspruch erhebt, das eine und einzige Wundermittel gegen Seekrankheit gefunden zu haben

Dafür wurde im gewissen Sinne an vorderster Brechfront ermittelt: 223 Segler der „Sir Chay Blyth’s Global Challenge“ bilden die Basis der Studie. Die Regatta wird über 27.000 sm rund um die Welt, „verkehrt herum“ also gegen die vorherrschenden Windrichtungen auf baugleichen 72-Fuss-Stahlschiffen in mehreren Etappen ausschließlich von Amateuren gesegelt. Der Beobachtungszeitraum für einen Großteil der Probanden beschränkte sich jedoch auf die Nordatlantik-Etappe zwischen Boston und La Rochelle – in Fachkreisen auch gerne “Kotz-Route” genannt.

Bei der „Global Challenge“ können die Besatzungsmitglieder jeweils über die gesamte Strecke, über mehrere oder nur eine Etappe mitmachen – in der Yachting World-Studie standen somit alte Salzbuckel wie auch Ein-Etappen-Segler unter Beobachtung.

Auszüge aus den Ergebnissen

• Wer wurde seekrank? 62% der Befragten, alle anderen hatten keine Probleme. Nahezu gleichmäßige Verteilung auf alle Boote, Ausnahme: Bei einer Yacht wurden 14 von 15 Stammseglern malade und 13 von 16 Etappenseglern.

 • Spielt das Alter eine Rolle? Die Studie zeigt, dass mit zunehmendem Alter die Anfälligkeit für Seekrankheit sinkt. Interessant: Der Großteil der Challenge-Crews hatte gleich viel Erfahrung auf See.

 • Männlich oder weiblich? 73% der Frauen und 62% der Männer wurden seekrank. Allerdings waren 75% der weiblichen Challenge-Teilnehmer unter 40 Jahre jung, hingegen nur 42% der Männer in diesem Alter.

 • Vor oder am Wind? Bei Halb- oder Vorwindkursen litten gesamt weniger Segler unter Seekrankheit als am Wind. Übrigens: 47% aller, die 1 x seekrank waren und sich wieder erholten, erwischte es später erneut!

Jetzt hilft nur noch… ja was, eigentlich? © privat

Jetzt hilft nur noch… ja was, eigentlich? © privat

 • Wie schlimm war’s denn? 84% aller Seekranken, darunter auch Segler mit Symptomen wie Übelkeit oder Erbrechen, erledigten weiterhin ihre Aufgaben. 16% ging es allerdings so schlecht, dass sie nicht mehr fähig waren, Wache zu gehen.

• Wie lange dauerte es bis zur Besserung? In den meisten Fällen fühlten sich die Betroffenen nach 1-2 Tagen wieder gut, selbst die härtesten Fälle waren nach 3-5 Tagen ok.

• Welche medikamentöse Behandlung hat geholfen? Viele, die nur schwach von Seekrankheit betroffen waren, nahmen keine Medikamente ein. Die Challenge-Ärzte empfahlen allerdings eine multi-modale Vorgehensweise, um mit mindestens 2 Medikamenten gleichzeitig gegen die Seekrankheit vorzugehen (womit sich die Chance erhöht, dass eines von beiden auch tatsächlich hilft).

Unter den jeweiligen Crews herrschten mitunter völlig unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Bekämpfung der Seekrankheit.

Unter mehr als 12 unterschiedlichen Medikamenten verließen sich die meisten Crews auf die Wirkstoffe Cinnarizine und auf Hyoscine-Pflaster. Einige Betroffene benutzten beide Mittel gleichzeitig, andere fanden durch Probieren ihren Favoriten.

Von den Plfastern behaupteten 50%, dass sie „sehr geholfen haben“, bei Cinnarizine sprachen 35% von „ein wenig“ Hilfe und weitere 35% sagten, dass dieses Mittel „sehr geholfen habe“. Der Wirkstoff Ondansetron galt als einziges Mittel, um Erbrechen bei Seekranken rasch zu stoppen.

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Michael Kunst

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6 Kommentare zu „Seekrankheit: Studie bescheinigt Cinnarizin und Scopolamin-Pflaster größten Effekt“

  1. avatar Thomas Jung sagt:

    In dem Artikel vermisse ich die Erwähnung vom “Geheimtip” Vitamin C
    (http://news.doccheck.com/de/article/199539-seekrankheit-schwank-aus-der-medizin/), der mir jedenfalls sehr geholfen hat. Klar – das ist keine Studie, aber ich bin eigentlich immer seekrank geworden – außer im letzten Segelurlaub. Da habe ich jeden Morgen eine 500mg VitaminC Kapsel gelutscht und hatte keine Probleme

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

    • avatar armchairadmiral sagt:

      Ja, Vitamin C und Histamin-arme Ernährung (also weniger Salami, Käse und Rotwein) scheinen auch wirklich Verbesserung zu bringen.
      Ist auch schöner, sich den letzten Abend beim Segeln nicht noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen…

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  2. avatar Lars sagt:

    Astronautentraining soll helfen: Vor dem Spiegel stehen, 3-4 Sekunden blöd mit dem Kopf wackeln – Wackelstopp und sofort den eigenen Blick im Spiegel fixieren. Bis alles ruhig ist. Dann Übung wiederholen. 5-6mal. Das Ganze morgens, mittags, abends nochmal. Mindestens drei Tage vor dem Törn damit anfangen.

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    • avatar O.h. sagt:

      Das hilft wirklich?

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      • avatar Lars sagt:

        Keine Ahnung. Ist der Tipp von einem alten Hasen. Habs nie gemacht. Werde kaum seekrank. Klingt aber logisch.

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        • avatar Binnenschiffer sagt:

          Wacheln beeinflusst das Gleichgewichtsorgan im Ohr, Anstarren die optische Gleichgewichtsmessage, die sich bei Seekrankheit widersprechen. Wenn dieser Widerspruch “normalisiert” wird tritt die Seekrankheit nicht auf

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