Seenot: Laser-Segler nach Facebook-Eintrag gerettet

Facebook rettet Segler!

Nach Kenterung verliert der 18jährige den Mast und strandet auf einer Insel. Durchnässt versucht er zu telefonieren – doch nur das Internet funktioniert noch…

Es blies ordentlich am vergangenen Freitag Nachmittag, als der Teenager für ein paar Laser-Glitsch-Schläge von der englischen Hafenstadt Brixham auslief. Fünf bis sechs Beaufort, dazu die Ärmelkanal-Welle – der junge Mann hatte offenbar reichlich zu tun und dabei ordentlich Spaß. Ein paar Mal warf er die Jolle um, okay, das gehört dazu.

Kann Facebook Leben retten? Fowey lifeboats

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Doch dann brach ihm bei einer Kenterung neben einer Sandbank der Mast; Mann und Boot strandeten auf einer kleinen Insel in der Nähe, ca. 2 Seemeilen vom Festland entfernt.

„Ärgerlich, aber noch nicht gefährlich“, muss sich der Segler gesagt haben. „Schließlich habe ich ja mein Telefon!“ Doch als er mit dem durchnässten Gerät die Notrufnummer wählen wollte, hatte der Segelspaß endgültig ein Ende: kein Freizeichen, die Leitung war „tot“.

Seltsamerweise konnte der Teenager aber ins Internet. Und es fiel ihm nichts Besseres ein, als auf seiner Facebook-Seite kurz zu posten:

“Bin gestrandet!”

Jetzt hätte die Geschichte hiermit schon ihr glückliches Ende nehmen können, wäre da nicht der Umstand, dass offenbar nicht allzu viele „Freunde“ des Laser-Seglers regelmäßig auf dessen Facebook-Seite schauen.

Es war also mal wieder Mutti, die sich beim Abendessen über die Abwesenheit ihres Sohnes so ihre Gedanken machte. Sie fragte bei dessen Segelkumpeln nach, die wiederum kleinlaut eingestanden, es sei ihnen heute etwas zu windig zum Segeln gewesen… Kurz: Um 23 Uhr kam irgendjemand auf die Idee, auf der Facebook-Seite nachzuschauen, um 23:02 h rief Mutti bei der Polizei an, Minuten später war die Küstenwache alarmiert und unterwegs.

Mit mehreren Zodiaks und einem kleinen Rettungskreuzer wurde im Stockdunklen auf den bekannten Sandbänken und Inselchen nach der Jolle und ihrem Segler gesucht – die berühmte Nadel im Heuhaufen.

“Die paar Meter kann ich auch schwimmen!”

Hinzu kommt, dass sich der junge Segler mittlerweile auf „seinem“ Eiland zusehends unwohl gefühlt haben muss. Jedenfalls sprang er gegen 22 h in die Fluten, um rüber zum Festland zu schwimmen. Doch schon kurz darauf spürte er die starke Strömung, die ihn parallel zum Festland abtrieb. Wassertretend hielt der 18 jährige immerhin zwei Stunden durch, bis er Motorengeräusche in seiner Nähe hörte.

Auf einem der Zodiaks suchte man mit einem Suchscheinwerfer und tatsächlich leuchtete dort vorne etwas auf… aber nein, das kann nur eine dieser hellen Fischerbojen gewesen sein. Doch als diese „Boje“ dann anfing zu winken und zu rufen, war das kleine Wunder geschehen: Mitten in der Nacht wurde im Ärmelkanal, vor der Küste Englands, ein schwimmender Lasersegler gefunden und gerettet.

Die Moral von der G’schicht? Nein, wir empfehlen jetzt nicht, dass man als Segler unbedingt einen Account in sozialen Netzwerken haben sollte. Sondern halten es vielmehr mit der britischen Küstenwache, die stinksauer angesichts so viel Leichtsinn und Naivität im Umgang mit der See nochmals auf die wichtigsten Überlebensregeln verwies:

1. Wenn schon alleine auf Jollen unterwegs, dann sollten andere unbedingt über das „Wo?“ und „Wie lange?“ informiert sein. 2. Nach Kenterung niemals vom noch schwimmenden Boot entfernen. 3. Immer Respekt vor der See behalten: Auch als geübter Schwimmer können ein „paar Hundert Meter“ in der See tödlich lang werden. 4. Jollen nur unter „Aufsicht“ (wie etwa Trainer oder Clubkameraden auf einem Begleitboot) in der See segeln!

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Michael Kunst

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