Seenot: Französischer Mini-Segler vor New York abgeborgen – Kollision mit Treibgut

„Das Boot lief sofort voll!“

Oliver Jehl, Transatlantik, Mini 6.50, Seenot

Oliver Jehl auf seinem Proto-Mini, kurz nach dem Start zum Transatlantik-Rekordversuch, der jäh endete © kils

Er wollte einen Mini-Rekord für den Nordatlantik aufstellen, doch Olivier Jehl kam nur 120 Seemeilen weit.

Der 34-jährige französische Mini-Segler Olivier Jehl ist so etwas wie ein „Überbleibsel“ der letzten Mini-Transat, die er als 11. Proto-Segler vor Guadeloupe nach 24:20 Tagen beendete.

Danach ließ er sich reichlich Zeit mit der Heimreise. Im Gegensatz zu den meisten Transat-Teilnehmern, die ihre Minis auf einem Cargo-Schiff nach Europa transportieren ließen, machte Olivier zunächst die Karibik unsicher und segelte mit Freundin Marina schließlich an die kolumbianische Küste.

Jehls Reise zu den kolumbianischen Kogis

Spirituelle Übergabe

Dort realisierte er ein seit langem geplantes Projekt, das in Frankreich viel Medienaufmerksamkeit erhielt. Der Mini-Proto-Segler übergab dem kolumbianischen Indianerstamm Kogi einige uralte, spirituell wertvolle Artefakte, die den Kogi vor langer Zeit gestohlen wurden und auf Umwegen schließlich in französischen Museen landeten.

Olivier Jehl, Transatlantik, Mini 6.50, Seenot

Die Übergabe-Zeremonie © jehl

Olivier Jehl hatte mit den Kogi über Mittelsmänner Kontakt aufgenommen und im Rahmen seiner Transatlantik-Überquerung eine Übergabe im Auftrag beteiligter Museen organisiert. „Es war ein tief bewegender Moment, als ich die Objekte übergab,“ berichtet Olivier (siehe Video).

Nach diesem Abenteuer segelte Jehl gemeinsam mit Freundin Marina nach Fort Lauderdale/Florida und schließlich nach New York, wo er sich das „Topfschlagen“ beim America’s Cup anschaute und die ersten THE TRANSAT-Segler (mit einigen ist er bereits seit Längerem befreundet) begrüßte. Und am Wochenende startete Olivier schließlich zu seiner zweiten Solo-Transatlantik-Reise innerhalb von sieben Monaten.

Olivier Jehl, Transatlantik, Mini 6.50, Seenot

Noch ziemlich gute Laune kurz nach dem Start in New York © jehl

Neuer Mini-Rekord

Wobei er nichts Geringeres als einen Mini-6.50-Rekord für den Nordatlantik aufstellen wollte: Einhand auf der klassischen Route zwischen New York und Lizard Point (südlichster Punkt Englands).

Doch der engagierte Prototypen-Segler kam nicht weit. Schon nach 120 Seemeilen kollidierte er bei ca. 12 Knoten Geschwindigkeit mit einem treibenden Gegenstand. Dabei wurden das Backbord-Ruder vollständig ausgerissen und große Teile des Hecks schwer beschädigt. „Das Boot lag im rückwärtigen Bereich offen auf dem Wasser. Es lief sofort voll,“ berichtete Olivier Jehl später. „Der Backstag wurde ebenfalls losgerissen, der Mast blieb jedoch stehen. Die Schäden waren viel zu heftig für eine Reparatur auf See; ein Umkehren unter Segeln unmöglich.“

Olivier Jehl, Transatlantik, Mini 6.50, Seenot

120 Seemeilen vor New York erwischte es Olivier Jehl auf seinem Proto-Mini © coast guard

Kurz darauf löste Jehl über EBIRP einen Notruf aus, worauf die US Coast Guard ihn mit einem Hubschrauber von der inzwischen aktivierten Rettungsinsel abbarg.

Die Küstenwache lobte später in einem Bericht ausdrücklich die hohen Sicherheitstandards der Mini-Klasse und bescheinigte Jehl ein in jeder Hinsicht richtiges Verhalten.
Derzeit treibt der Proto-Mini „Zigoneshi-Wichard“ vor der nordamerikanischen Küste. Jehl will offenbar versuchen, sein Boot wiederzufinden und zu bergen.

Ein Video aus glücklicheren Tagen: Die Überfahrt von Florida nach New York

 

Olivier Jehl auf Facebook

 

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Michael Kunst

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