Seenot: Nach Petition wird die Suche nach vermisster Crew der „Rafiki“ fortgesetzt

Volksbegehren stattgegeben

Die Vermissten, die gekenterte Yacht © privat, ENPA

Die Vermissten, die gekenterte Yacht © privat, ENPA

Nach einer 200.000-Unterschriften-Petition startete letzte Nacht die US-Coast-Guard erneut eine Suchaktion. Drei Flugzeuge, vier Schiffe sowie mehr als 30 Yachten suchen 3.000 Quadratmeilen ab.

Und manchmal geht die „Macht“ doch vom Volke aus: Nachdem vier britische Segler am Freitag letzter Woche einen Notruf abgesetzt hatten, nachdem während einer sofort eingeleiteten Rettungsaktion ihr gekentertes Schiff „Rafiki“ von einem Frachter offenbar leer und ohne Kiel gefunden und insgesamt 53 Stunden nach den Vermissten gesucht worden war, hatte die US-amerikanische Küstenwache die Suche nach den vier Briten aufgegeben und für aussichtslos erklärt (SR-Kurzbericht).

Doch mit Aufrufen an die Bevölkerung und wohlwollender internationaler Presse sowie offenbar auch diplomatischen Bemühungen seitens der britischen Regierung gelang es den Angehörigen von Andrew Bridge (22), James Male (23), Steve Warren (53) und Paul Goslin (56) eine Online Unterschriften-Petition zu organisieren.

200.000 Unterschriften

Innerhalb 48 Stunden konnten sie knapp 200.000 Unterschriften einreichen – nach US-amerikanischem Recht zwar kein offizieller Grund, die Suche nach den Vermissten wieder aufzunehmen, aber doch ein derart hoher öffentlicher Druck, dass die „Coast Guard“ erneut agierte.

Die Route der "Rafiki" © google-maps

Die Route der “Rafiki” © google-maps

Mittlerweile sind vier Schiffe und drei spezialisierte Suchflugzeuge der USA und Kanada in einem 3.000 Quadratmeilen großen Suchgebiet vor Cape Cod an der amerikanischen Ost-Küste im Einsatz.

Die britische RAF hat ebenfalls ein Such-Flugzeug zum Einsatzgebiet geschickt, das gegen 14h Ortszeit dort eintreffen wird.

Mehr als 30 vorwiegend britische und französische Segler, die sich – ähnlich wie die „Rafiki“ – gerade auf dem Weg nach Europa befinden, änderten ihren Kurs und beteiligen sich ebenfalls an der Suche in dem immens großen Gebiet. Ausgangspunkt ist für alle Beteiligten die Position, an der die gekenterte „Rafiki“ gefunden wurde.

„Strömungsverhältnisse sind in diesem Seegebiet nur schwer einzuschätzen,“ warnte der zuständige Leiter der Küstenwache. Im Prinzip können wir uns nur nach der Windrichtung, die seit dem Notruf vorherrschte, richten.

Überleben durchaus möglich

Die US-Küstenwache hatte die Suche nach den Vermissten am Sonntag aufgegeben, weil ihrer Einschätzung nach in der bewegten See auch in Rettungsinseln kein Überleben länger als 20 Stunden möglich sei. Dem widersprachen viele US-amerikanische und kanadische Segler bzw. Seeleute, zumal die britische Crew offenbar gut ausgerüstet gewesen sei (Überlebensanzüge, Rettungsinsel, aber wohl kein Epirb-System).

„Wir sind davon überzeugt, dass es die Segler in ihre Rettungsinsel geschafft haben, zumal sie noch einen Funkspruch absetzen konnten, bei dem sie „Schwierigkeiten mit dem Schiff“ angaben!“ sagten die Angehörigen gegenüber lokalen Medien.

Blick von der Frachter-brücke auf die "Rafiki". Es ist zu erahnen, dass die Yacht einen Kielschaden hat © ENPA

Blick von der Frachter-brücke auf die “Rafiki”. Es ist zu erahnen, dass die Yacht einen Kielschaden hat © ENPA

Ein Frachter, der sich am Wochenende an der Rettungsaktion beteiligt hatte, fand tatsächlich die gekenterte „Rafiki“ (siehe Foto), der Kapitän des Schiffes geht allerdings davon aus, dass sich aufgrund der tiefen Wasserlage der Yacht keine Luftblase mehr im Schiff befinden konnte, in der die Besatzung – ähnlich wie bereits bei mehreren Hochseeregattaseglern – hätte überleben können.

Anslie und Cameron baten um Wiederaufnahme

Der britische Rekordsegler Sir Ben Ainslie bat offiziell ebenso um die Wiederaufnahme der abgebrochenen Rettungsaktion wie der britische Premierminister David Cameron. Britische Medien gehen zudem davon aus, dass auf diplomatischem Wege verhandelt wurde. Im Prinzip sei die Lage gar nicht so hoffnungslos für die Vermissten, wie von der US-Küstenwache behauptet wurde. Entsprechend erstaunt sei man über den Abbruch der Suchaktion gewesen, berichten die Angehörigen.

Cheeki_Rafiki

Die Unglücksyacht “Cheeki Rafiki” hat offenbar ihren Kiel verloren.

Was jedoch alle Beteiligten zutiefst rührte und im positiven Sinne erstaunte, war die hohe Anteilnahme der amerikanischen, kanadischen und britischen Bevölkerung, die letztendlich zur erfolgreichen Petition führte. „Wir alle hoffen, dass der Glaube von so vielen Menschen nicht nur Berge versetzen und Behördenwillen erweichen kann, sondern auch die Suche nach einer winzigen Rettungsinsel in der Wasserwüste zu einem glücklichen Ende bringen wird!“ sagte die Tochter eines Vermissten. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Seenot: Nach Petition wird die Suche nach vermisster Crew der „Rafiki“ fortgesetzt“

  1. avatar Christian Maertin sagt:

    Warum ist es der US-Küstenwache nicht möglich, innerhalb von drei oder vier Tagen zu klären, ob sich noch Crewmitglieder im Rumpf befinden???

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 2

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