Seenot: Traumyacht “Mariette” rettet Einhandsegler

Edel-Helfer

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Majestätisch, auch aus dem Blickwinkel “Oberkante Unterlippe” © YCCS

Die „Ghost“ macht Wasser, der Skipper löst sein EPIRB aus, kann aber mit seinen Rettern nicht kommunizieren. Da taucht der Herreshoff-Schoner „Mariette“ unter Vollzeug am Horizont auf.

Geschichten, wie sie das Seefahrerleben schreibt: Gespickt mit einer gehörigen Portion Glück, reichlich Hilfsbereitschaft, viel Naivität und natürlich Kismet.

"Mariette" (r.)  kreuzt vor der "Altair"

“Mariette” (r.) kreuzt vor der “Altair”. © Pendennis Cup

Ein norwegischer Einhandsegler ist auf seiner 12m-Yacht „Ghost“ in der Biskaya unterwegs. 220 sm südwestlich der Scilly-Inseln macht die „Ghost“ Wasser, läuft offensichtlich voll. Der Skipper kann keine Abhilfe schaffen und löst sein EPIRB aus.

Das Notrufsignal wird von der Küstenwache in Falmouth/GBR aufgefangen, die wiederum über MRCC (Maritime Rescue Coordination Centres) mit Spanien und Frankreich verbunden sind. Die Franzosen schicken ein Suchflugzeug in die Region, das die „Ghost“ rasch ortet. Allerdings können die Retter keinen Funkkontakt zu dem havarierten Schiff herstellen, das offenbar ohne VHF-Funk unterwegs war.

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Hier lief die “Ghost” voll und “Mariette” half © Brtische Küstenwache

Rettung mit Stil

Am Horizont entdecken die Flugzeugpiloten bald darauf einen majestätisch daher segelnden Klassikschoner, mit dem sie schließlich Funkkontakt aufnehmen.

Die „Mariette“  ist eine aufwändig restaurierte 40m-Herreshoff-Superyacht aus dem Jahre 1915, die mit Stammmannschaft auf den Meeren dieses Planeten unterwegs ist und gerade auf dem Weg nach La Coruna war.

Das Rettungsflugzeug dirigiert die „Mariette“ zur „Ghost“ und der Schoner legt sich längsseits, um ein VHF-Funkgerät für die Kommunikation mit dem Suchflugzeug zu übergeben.

"Mariette"

“Mariette” in voller Fahrt. © Ian Badley

Schließlich schickt der „Mariette“-Captain zwei seiner Techniker rüber zur „Ghost“, um mal nach dem Rechten zu schauen. Die beiden schaffen es innerhalb kürzester Zeit, das norwegische Boot trocken zu pumpen.

Der Herreshoff-Schoner nimmt bald wieder Fahrt Richtung La Coruna auf, wo er noch am gleichen Tag eintrifft. Der norwegische Skipper segelt seine Yacht einhand in Richtung französisches Festland.

Ohne Funk sprachlos

Schoner "Mariette"

Vom schmucken Schoner “Mariette” mag man sich gerne retten lassen. © Pendennis Cup

Die britische Küstenwache nimmt diese „Rettung aus Seenot“ zum Anlass, allen Bootsbesitzern eine VHF-Funkanlage nahe zu legen. EPIRB zur raschen Lokalisierung sei das eine – die Kommunikation zwischen den Menschen in Seenot und ihren Rettern aber mindestens ebenso wichtig!

Zum Schluss mal ehrlich: Was für ein Gefühl muss das gewesen sein, als die „Mariette“ ganz entspannt bei dem Norweger längs geht? Und deren Techniker dann auch noch das Boot in nullkommanix leeerpumpen? Peinlich? Überwältigend? Beides? Jedenfalls nahte im doppeldeutigen Sinne die Rettung in besonders edler Form.

 

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Michael Kunst

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