Seenot: Verwirrter deutscher Einhandsegler vom Schiff gesprungen

+++ "Feindselige Männer an Bord" +++

Von seiner 13-m-Yacht „Großer Bär“ sendete ein 67-Jähriger Einhandsegler einen seltsamen Notruf: Er sei von mehreren Individuen umgeben und fühle sich bedroht.

63 km westlich des bretonischen Fischerortes Penmarc’h wurde der halluzinierende Skipper gerettet © google maps

63 km westlich des bretonischen Fischerortes Penmarc’h wurde der halluzinierende Skipper gerettet © google maps

Sein Englisch war eher gebrochen, seine Aussagen kaum verständlich. Der deutsche Skipper erklärte dem diensthabenden Offizier der französischen Küstenwache über Funk, dass mehre Individuen an Bord seiner Yacht gekommen seien. Und das auf offenem Meer, 65 km vor dem bretonischen Hafen „Penmarc’h“.

Verblüfft bat der Funker um präzisere Angaben, doch die Aussagen des Deutschen draußen auf See bleiben nebulös.

 Handelsschiffe alarmiert

Nach Überprüfung der Positionsangaben des Skippers kontaktierte die Küstenwache alle Handelsschiffe, die sich in unmittelbarer Nähe der „Großer Bär“ befanden. Gleichzeitig versucht der Funker, Klarheit in die Aussagen des Deutschen zu bringen. Wie kann es sein, dass der Segler noch Zugang zum Funkgerät hat, wenn er von „seltsamen Gestalten“ umgeben sei? Der Skipper erklärt, dass die Männer, die jetzt an Bord waren, neben ihm blieben, ihn misstrauisch beäugten, aber noch nicht angriffen.

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Trotz gewisser Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen, begann die Küstenwache mit einer Rettungsaktion. Ein „Cargo“-Containerschiff, das nur eine Stunde entfernt unterwegs ist, wurde gebeten, „nach dem Rechten“ zu sehen. Als die „Wilson Grimsby“ die „Großer Bär“ erreicht, sieht die Besatzung, wie sich der Skipper der Yacht ins Wasser stürzt und wild davonschwimmt, ganz so, als würde er vor etwas flüchten.

Mit einem Beiboot fingen die Seeleute den Schwimmer wieder ein, der körperlich völlig unversehrt schien. Der Mann stellt sich als Skipper der „Großer Bär“ vor, machte aber einen völlig verwirrten Eindruck und behauptete weiterhin, dass seine Yacht „gekapert“ worden sei.

Nach Rücksprache mit einem Arzt, beschloss die Küstenwache, den Verwirrten mit einem Hubschrauber von Bord der „Wilson Grmsby“ abzubergen.

Ist die “Großer Bär”? verflucht?

Noch in der gleichen Nacht wurde ein Vermessungsschiff der französischen Marine gebeten, die nun steuerlos treibende 13m-Yacht des Deutschen in Schlepp zu nehmen. Informiert über den Vorfall, begaben sich die Soldaten mit gebotener Vorsicht auf die „Großer Bär“, konnten aber bald feststellen, dass die „Individuen mit den feindseligen Blicken“ offenbar das Weite gesucht hatten.

Doch die Nacht war noch nicht zu Ende! Den Seeleuten des Vermessungsschiffes gelang es nicht, die 13m-Yacht so in Schlepp zu nehmen, dass sie heil im nächsten Hafen angekommen wäre. Also wurden drei Marineoffiziere dazu „verdonnert“, das offensichtlich verfluchte Geisterschiff in den Hafen von Brest zu segeln, wo sie am Samstag um 13 h festmachten.

Und der deutsche Segler? Offenbar gaben ihm der Lärm des schweren Rettungshubschraubers und der Flug durch die Nacht um 2 Uhr morgens „den Rest“. Als er im Krankenhaus ankam, halluzinierte er weiter. Erst nach entsprechender ärztlicher Behandlung besserte sich sein Zustand rasch.

 Halluzinationen – Grund für zahlreichen Dramen

Tatsächlich ist das Phänomen der „eingebildeten Mitreisenden“ seit Jahrhunderten bekannt und tritt vor allem dann auf, wenn sich die Segler seit Tagen oder Wochen alleine auf See befinden. Der Deutsche Segler war allerdings „erst“ zwei Tage unterwegs (von La Coruna/Spanien), hatte in diesem Zeitraum aber wohl nur sehr wenig geschlafen.

Man schätzt, dass viele „ungeklärte Dramen“ auf See, nach denen irgendwann herrenlos treibende Schiffe gefunden wurden, auf derartige Halluzinationen und den damit oftmals einhergehenden Panikattacken zurückzuführen sind. Die Dunkelziffer sei enorm hoch, gibt die französische Küstenwache in diesem Zusammenhang an.

Mit einem kleinen „Augenzwinkern“ erklärte die Küstenwache im Laufe des Sonntag gegenüber lokalen Medien, dass der Funker nach der ersten Schilderung des deutschen Seglers tatsächlich gedacht habe,  die afrikanischen Piraten treiben jetzt schon vor der bretonischen Küste ihr Unwesen…

Tipp von SR-Leser André Mayer

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Seenot: Verwirrter deutscher Einhandsegler vom Schiff gesprungen“

  1. avatar Brice sagt:

    Hi,

    We had the pleasure to meet this sailor during a stop at the Marina of la Linea close to Gibraltar.

    He is a nice fellow and very experienced sailor who was sailing his boat alone from Turkey back to Hamburg. This is quite an adventure and even more for a 67 year old guy!

    According to marinetraffic.com Grosser Baer is back in Hamburg.

    I hope Gunther is going well.

    Regards

    Brice from SV ZhuHai

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