Segelfrachter: Gibt Volkswagen den Startschuss für das neue Zeitalter unter Segeln?

Ökologische Glaubwürdigkeit

Ecoliner, Sailing Cargo

Der Ecoliner mit Dyna-Rigg soll bestens für den Transport von Autos geeignet sein. © Sailing Cargo

Volkswagen will möglicherweise sein angekratztes Öko-Image mit dem Einstieg in die Frachtschiffahrt unter Segeln verbessern. Projekte gibt es genug, aber niemand traut sich so richtig.

Spiegel Online berichtet heute, dass sich eigenen Recherchen zufolge der VW-Konzern in Verhandlungen befindet, um mit dem Einstieg in Frachtschifffahrt unter Segeln “das ramponierte Umwelt-Image wieder aufzupolieren”. Einen offiziellen Vorstandsbeschluss soll es dazu noch nicht geben, aber die Überlegungen sind offenbar schon weit gediehen.

Unlogisch wäre es nicht. Es gibt immer mal wieder Projekte, die versuchen, den Durchbruch zu schaffen. Aber es fehlen die Geldgeber, die sich trauen, die neuen Techniken im großen Stil anzuwenden.

Ecoliner aus Hamburg

VW soll mit der ursprünglich holländischen Firma Ecoliner im Gespräch sein, deren Ideen SR vor vier Jahren vorgestellt hat. Nun wird Ecoliner mit der Hamburger Firma Sailing Cargo in Zusammenhang gebracht, die vonn der großen Reederei Döhle unterstützt wird.

Das Prinzip soll die Segeltechnik der 88 Meter Superyacht “Maltese Falcon” abbilden, deren Segel sich automatisch in die Rahen einrollen lassen. Der Luxus-Segler scheint bisher keine großen Probleme beim Beherrschen des Systems zu haben.

Maltese-Falcon

Die 88 Meter lange Maltese Falcon mit ihrem Dyna Rigg. © Perini Navi

Spon zitiert Dietmar Oeliger, den Leiter Verkehrspolitik beim Naturschutzbund, der bestätigt, dass “Schiffe mit Windantrieb ein enorm wichtiger Baustein für eine Dekarbonisierung der Schiffsantriebe” wäre.  Die Technik sei vorhanden, werde aber bisher kaum eingesetzt. Es brauche einen großen Konzern wie VW, um einen Durchbruch zu bewirken.

Mit Drachen auf hoher See

Mit großen Ambitionen war auch die Firma Skysails mit ih In jüngster Zeit gab es einige Ambitionen, den Segelantrieb für die Schiffahrt nutzbar zu machen. Sehr weit kam die Firma Skysails, die 2001 startete und auf Lenkdrachen setzte.

Sie geriet aber mit der Insolvenz der Beluga Reederei in Schwierigkeiten und musste 2012 dann auch Mitarbeiter entlassen. Das System wurde mit einem Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro gestützt, konnte sich bisher aber nicht durchsetzen.

Seitdem gibt es immer wieder Meldungen über segelnde Supertanker oder Hybrid-Solar-Segel-Frachter. Die Zeit scheint reif für einen ernsthaften Schritt in die segelnde Zukunft der Frachtschiffahrt. Dazu könnte der VW-Skandal die nötige Energie liefern. Die Autobauer aus Wolfsburg brauchen ein Leuchtturm-Projekt, das ihre ökologische Glaubwürdigkeit wieder herstellt.

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

4 Kommentare zu „Segelfrachter: Gibt Volkswagen den Startschuss für das neue Zeitalter unter Segeln?“

  1. avatar zweimastgaffeljollensegler sagt:

    Moin, Moin,
    mein Sohn schreibt gerade an einem Kurzvortrag zum Thema Segeln. Beim Thema Frachtsegler haben wir feststellen müssen, das seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts keine wirkliche ozeanische Segelfrachtransport mehr stattfand. Abgesehen von kleinen Reedereien, welche auch heute noch Fracht an den Küsten (z.B. Fankreich) segelnd transportieren, gibt es keinen Reeder mehr, der seine Schiffe vom Wind abhängig machen will und kann. Moderne Zeiten?! Bin sehr gespannt, ob es in Richtung Frachtsegler eine Renaissance gibt.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar Arwed sagt:

    One more design for the birds. Die Chance für solche Projekte, in der Tonne zu landen, liegt seit jeher bei 100%.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

  3. avatar Uwe R. sagt:

    Nur weil ein Schiff mit Wind angetrieben wird, muss die Ökobilanz nicht besser sein, als wenn es mit Motorkraft fährt. Auch ein Frachtsegler braucht einen Motor. Der Bau von Masten und Segeln sorgt also erst einmal für einen größeren Ressourcenverbrauch als ein reines Motorschiff. Zudem wird man mehr Crew brauchen, was den ökologischen Fußabdruck des Schiffes weiter vergrößert. Die Effizienz unter Motor wird auch geringer sein, da bei wenig Wind oder bei Gegenwind viel unnützer Ballast zu bewegen bzw. Windwiderstand zu überwinden ist. Zudem wird alle paar Jahre ein Satz Segel fällig, was sich ebenfalls negativ auswirkt, zumal Segel ja nicht mehr aus Baumwolle, sondern aus Kunststoff sind.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 5

  4. avatar Hurghamann sagt:

    Generell ist das mal ein Projekt das zumindest ansatzweise Zukunftsweisend ist. Der Schifstyp als RoRo Fahrzeug ist gut gewählt, die Ladung ist spezifisch leicht ( fällt schwer zu glauben bei Autos, aber ist so), die Be und-Entladevorgänge werden durch Masten nicht gestört – hier kranken die meisten Projekte, da (ausser bei Skysails) die Riggs mit den klassischen LoLo Entladevorgängen bei Stückgut (containerisiert) inteferieren.
    Lediglich erscheint mir das Dynarigg für einen wartungsarmen Dauerbetrieb zu kompliziert und zu teuer in der Realisierung. Die Maltese Falcon hat eine, im vergleich, große qualifizierte Crew und verhältnismäßig wenig Betriebsstunden auf dem Rigg – weiterhin ist sie häufiger in der Werft als es mit einem Handelsschiff möglich sein wird. Eine modifizierte Variante des Indosail-Rigg hat hier vieleicht vorteile.
    Einzig ist diese Diskussion akademisch: Wenn nicht Volkswagen das Projekt verbindlich Finanziert ist es tot. Beiden derzeitigen Brennstoffpreisen sind alle Projekte zu alternativen Antrieben und Brennstoffen die nicht schon Kiellegung überschritten haben auf Eis oder komplett abgewickelt. Keine BAnk hier im Norden wird so etwas Finanzieren….. Leider….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *