Segelfrachter: Volkswagen sagt Ecoliner-Projekt ab – zu hohe Kosten für PKW-Verschiffung

VW dürfen doch nicht segeln

 

Vor einem Jahr verkündeten die von Umweltskandalen gebeutelten VW-Manager hoffnungsfroh, dass ihre PKW bald per Segelfrachter verschifft werden. Jetzt winkten die VW-Bosse ab – Segeln sei zu teuer! 

Ecoliner, Sailing Cargo

Der Ecoliner mit Dyna-Rigg soll bestens für den Transport von Autos geeignet sein. © Sailing Cargo

Während der vergangenen drei Jahre war Segeln in den Vorstandsetagen des VW-Konzerns ein ernst diskutiertes Thema. Nicht weil die Bosse unter dem Joch der Umweltskandale ihren Autos Windantrieb verordnet hatten, sondern aufgrund einer nicht ganz neuen und dennoch zukunftsweisenden Lösung im PKW-Vertriebswesen.

So bald wie möglich sollten VW-PKWs ausschließlich mit Ecoliner-Segelfrachtern über die Meere verschifft werden – nichts Geringeres als das größte, jemals gebaute Segelschiff sollte der Prototyp für eine innovative und grüne Flotte in der Handelsschifffahrt werden (SR berichtete). 

Der 200 Meter lange Segelfrachter, groß genug für bis zu 3000 neue PKW, sollte mit bis zu 80 Prozent Windkraft angetrieben werden und die Übersee-Autologistik revolutionieren.  20 Segel auf vier bis zu 80 Meter hohen Masten würden den Ecoliner auf 14 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit bringen.

„Weltweit umweltfreundliche Auslieferung von immer grüneren Fahrzeugen,“ war die Devise in dem vom Abgasmanipulationsskandal gebeutelten Konzern. Und der „Ecoliner“ aus dem Hause „Sailing Cargo“ bietet zumindest auf dem Papier mit seinen Segelfrachtern genau dies. 

“Alternative” gefunden

Doch trotz eines angeblich millionenschweren Engagements in der Entwicklung des „Ecoliners für Volkswagen“, winkten die VW-Bosse nun ab: Die Kosten pro transportiertem Neuwagen seien vergleichsweise zu hoch, ist aus Wolfsburg zu vernehmen. Zwar sei die Idee attraktiv und durchaus mit den (jüngsten) Prämissen des VW-Konzerns zu vereinbaren. Doch setze man lieber auf eine andere, umweltfreundliche Variante: LNG. 

Das Kürzel steht für „Liquified Natural Gas“ und erzeugt deutlich weniger Schadstoffe als herkömmlich in der Frachtschifffahrt verwendete Schwerdieselmotoren. Die führen zur Zeit die Umweltsünderskala mit deutlichem Abstand vor anderen Fortbewegungsmitteln an. Doch unterm Strich ist auch LNG – unabhängig von einigen offensichtlichen Vorteilen im Vergleich mit Diesel – nichts anderes als ein fossiler Energieträger. Und denen wird per se eine recht unsichere Zukunft prophezeit. 

Der geplante “Ecoliner” . © Fairtrade

Trotz der VW-Absage zeigen sich die Macher des Ecoliners weiterhin optimistisch. Man habe zwar einige hunderttausend Euro aufgrund von VW-Sonderwünschen während der Planungsphase in den Sand gesetzt, doch der „Ecoliner wird gebaut!“ ist aus dem Unternehmen zu vernehmen. Es fehlen eben nur noch „potente“ Geldgeber für das holländische Dykstra-Design. Ecoliner sollen in China auf Kiel gelegt werden und irgendwann einen Großteil der Welthandelsflotte ersetzen. Zukunftsmusik? 

Neue Ideen müssen her

Die Branche muss jedenfalls grundlegend umdenken. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis erste Staaten Sanktionen wegen besonders penetranter Umweltverschmutzung verhängen oder schlicht die Einfahrt in die Häfen verweigern.

Knackpunkte beim Thema Ecoliner dürften für Autobauer die Aufnahmekapazität und Auslieferungsgeschwindigkeit sein. Herkömmliche Autofrachter transportieren immerhin das Doppelte der Ecoliner-Ladekapazität – Frachter mit mehr als 6.000 PKWs an Bord sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Von den ca. 25 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit ganz abgesehen. 

Vollständig scheint das Thema „Segeln“ bei VW nun aber doch noch nicht vom Tisch zu sein. Denn mittlerweile hat sich die Konzernrevision im Hause Volkswagen des Vorgangs angenommen. Diese Abteilung ist laut Insidern immer wieder für eine Überraschung gut. Ganz oben auf ihrer Agenda soll übrigens nicht der direkte Kosten-Nutzen-Vergleich stehen, sondern wohl hauptsächlich umweltspezifische Belange. Es soll unter anderem untersucht werden, auf welcher Basis die Entscheidung zur Absage des vielversprechenden Objekts getätigt wurde, und wie umweltfreundlich LNG wirklich ist. 

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Michael Kunst

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