Segelfrachtschiffe: Handel unter Segeln funktioniert wieder – 60 Meter Neubau für 12 Millionen

Transport unter Segeln

Segelfrachtschiff, Frachtgut, Transport

Die “Très Hombres” befährt die Atlantikroute © TOWT

Die Firma TOWT schont Ressourcen und schützt das Klima mit einer uralten Idee: Gütertransport mit Windkraft. Bereits acht Frachtsegler unter Vertrag – neuer Schoner in Planung.

So mancher französischer Kaffee- und Teeliebhaber dürfte in den letzten Monaten etwas verwundert auf die Verpackung seines Lieblingsgetränkes geblickt haben. Denn neben den (fast schon üblichen) Labels wie „Bio“ oder „Fair Trade“ sorgt ein neues Logo mit dem Aufdruck „Transport a la voile“ (Unter Segeln transportiert) für Aufsehen.

Tatsächlich gelang dem erst drei Jahre jungen Unternehmen „Transoceanic Wind Transport“ (TOWT) mit der Platzierung dieses Labels und seiner Produkte in ausgewählten Geschäften in Paris, in der Bretagne und im Vendée ein kleiner Coup. Zum ersten Mal seit mehr als 100 Jahren wird so dokumentiert, dass die bezeichneten Produkte über die größten Wegstrecken hinweg ausschließlich mit Windkraft transportiert wurden.

Vergangenheit und Zukunft

„Eine Premiere!“ freut sich Guillaume Le Grand, Boss von TOWT. „Das Label gibt dem Produkt ein positives Image – erstmals gilt der Transport nicht mehr als Kostenfaktor und Umweltbelastung, sondern als Aufwertung für das Produkt,“ beschreibt er auf seiner Website und in mehreren Interviews mit lokalen TV-Sendern.

Sein kleines Handelsunternehmen mit Sitz im bretonischen Brest (derzeit noch fünf Mitarbeiter) wird mittlerweile in Frankreich als eines der erfolgversprechendsten Start-Ups bezeichnet. „Dem Gütertransport unter Segeln könnte durchaus ein kleines Stück unserer Zukunft gehören,“ schwärmt Le Grand weiter.

Selbstverständlich werde man niemals mit Segelfrachtschiffen den großen Container-Riesen Konkurrenz machen können. Doch es gebe mehr und mehr ökologisch ausgerichtete Hersteller, die ihre Produkte so nachhaltig wie möglich bis zum Endverbraucher bringen wollen. Nicht zuletzt, weil der Konsument genau dies erwartet.

Segelfrachtschiff, Frachtgut, Transport

Das Etikett “Segelnd transportiert” bzw. “Unter Segeln transportiert” © TOWT

Im vergangenen Jahr 2015 ließ das kleine Handelsunternehmen bereits 185 Tonnen Waren transportieren, womit immerhin 65 Tonnen CO2 eingespart wurden. Zur Erinnerung: Die Handels- und Kreuzfahrtschifffahrt gilt als der stärkste Luftverschmutzer auf unserem Planeten, noch weit vor den Automobilen.

Aufwertung für das Produkt

Das Prinzip von TOWT ist so einfach wie uralt. Produzent X möchte seine Produkte von A nach B transportieren. Dafür schickt TOWT ein Frachtschiff seiner Flotte an einen vereinbarten Übernahmeort und erledigt die geforderte Dienstleistung. Wie es täglich hunderttausende Male auf den Weltmeeren abgewickelt wird – nur bei TOWT eben unter Segeln.

Drei große Frachtrouten bietet TOWT bereits: Transatlantik (Antillen, Bermudas, Azoren, Bretagne), europäische Küstenrouten (Portugal bis Skandinavien) und eine regionale „Linie“ (Bordeaux bis nördliche Bretagne). Auf diesen Routen sind Frachtsegler wie die „Très Hombres“ SR stellte vor), die „Biche“, „la Malouine“ usw. im Einsatz (siehe BilderStory). Hauptsächlich transportierte Waren: Weine, Portweine, Sherrys, Schokolade, Kakao, Tee, Jute-Produkte…

An Kapazitätsgrenzen gestoßen

Selbstverständlich sei die ursprüngliche Idee zu dem Unternehmen auch aus einer nostalgischen Liebe zu den alten Frachtseglern heraus entstanden, macht Le Grand deutlich. „Aber wir stoßen mit der Flotte leider bereits an die Grenzen der Ladekapazitäten!“ Die Nachfrage steige derzeit enorm an, doch die Flotte wachse nicht entsprechend mit.

Deshalb rührt TOWT weiterhin beherzt die Werbetrommel. Vor allem im Mittelmeerraum gebe es enormen Bedarf. Alle, die sich dort (und anderswo) um ein Frachtensegler-Projekt kümmern, sind aufgerufen, sich an dem neuen/alten Transportprinzip zu beteiligen.

Segelfrachtschiff, Frachtgut, Transport

Nicht nur Sherrys und Portweine sollen im sanften Wiegen eines Seglers besser reifen, auch Bordeaux-Weine… © TOWT

Doch das bretonische Handelsunternehmen ist bereits einen gewaltigen Schritt weiter gegangen. In einer Art Konsortium mit bretonischen Werften und mit staatlicher Unterstützung will TOWT bereits in Kürze mit dem Bau eines modernen Frachtseglers beginnen.

„Was wir hier in der Bretagne wirklich können, ist Segelschiffe bauen,“ macht Le Gros deutlich. Und deshalb sei es an der Zeit, den Frachtsegler des 21. Jahrhunderts zu bauen. Sechzig Meter lang soll das Schiff werden und mindestens 1.000 Tonnen Fracht aufnehmen können und schlappe 12 Millionen Euro kosten. „Eine Investition, die sich in jeder Hinsicht lohnen wird,“ ist sich Le Grand sicher. Bei welcher Werft wann mit dem Bau begonnen werden soll, will er allerdings noch nicht verraten.

Unter einem Euro pro Flasche

Eines sei jetzt schon sicher: Mit dem neuen Schiff werde man nahe an die „normalen“ Transportkosten herankommen, wie sie mit den großen Containerriesen entstehen. So sei bereits heute der Preis durchaus verträglich. Le Grand: „Normalerweise kostet der Transport einer Flasche Bordeaux-Wein in die Bretagne ca. 60 Cents pro Buddel. Wir bleiben schon heute mit unseren Schiffen unter einem Euro pro Flasche. Und je mehr Frachtgut wir aufnehmen können, umso mehr macht sich dies logischerweise beim Transportpreis bemerkbar!“

Die nächste Frachttour soll im März starten.

Website TOWT

Segelfrachtschiff, Frachtgut, Transport

Werden Frachtschiffe unter Segeln ihren Beitrag zum Klimawandel leisten? © TOWT

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Michael Kunst

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11 Kommentare zu „Segelfrachtschiffe: Handel unter Segeln funktioniert wieder – 60 Meter Neubau für 12 Millionen“

  1. avatar Uwe R. sagt:

    Ich halte das Projekt für Augenwischerei. Nur weil die Schiffe vom Wind angetrieben werden, heißt dies noch lange nicht, dass der Transport umweltfreundlicher als die Containerschifffahrt ist. Um diese Frage zu beantworten, müsste man den ökologischen Fußabdruck des Gesamtprojektes ermitteln. Ich vermute, dass sich dann das Projekt als ziemlich umweltschädlich heraus stellen würde.

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    • avatar Christof sagt:

      Wiso?

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      • avatar ahoi sagt:

        Weil man sich fragen sollte wieviel Antifouling, Diesel, Schmieröl, Altöl, Kloreiniger und nicht zu vergessen Flüge für Crewwechsel anfallen wenn da mit ziemlichen Aufwand Ware gesegelt wird.

        Die gerne vorgebrachte Aussage “Das Containerschiff fährt aber mit total dreckigem Öl” ist für sich genommen wertlos. Es muss gegenübergestellt werden wieviel Emissionen pro transportierter Wareneinheit auf einer gegebenen Strecke anfallen. Nur das beantwortet die Frage nach der Sauberkeit des Transportmittels.

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        • avatar ahoi sagt:

          Btw.: Das diese Idee wirtschaftlich tragfähig ist glaube ich durchaus (siehe auch der Erfolg von manufactum oder mit Epoxidharz verklebten Bambusfahrrädern), nur glaube ich nicht an die immer vorgebrachten Nachhaltigkeitsversprechen.

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        • avatar Heinz Otto sagt:

          dann schau Dir mal die Rundreisen der TRES HOMBRES an, das sind kaum Flüge für Crewwechsel zu erkennen, check mal selber:
          http://fairtransport.eu/ships/tres-hombres/
          Gruß, @windotto auf twitter

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  2. avatar Enzo Früh sagt:

    Die ETH-Zürich hatte die Energiebilanz von Lebensmittel analysiert.
    Der per Container-Schiff transportierte Wein aus Übersee schnitt energietechnisch nur unwesentlich schlechter ab, als Wein aus der Umgebung.
    Der Löwenanteil des Energieverbrauchs pro Flasche fällt ohnehin auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause an.
    Die romantische Idee von der ‘unter Segeln transportierten’ Flasche Wein gefällt mir zwar, vermute aber, dass Uwe R. aus ökologischer Sicht Recht hat.

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  3. avatar Michael Walther sagt:

    Dann lassen wir doch alles so wie es ist, oder? Läuft ja auch gerade so gut!

    Mal ehrlich – es ist beeindruckend wie man sogar in dieser Idee das Negative suchen kann und wieso häufig, ohne sich zu informieren. Habt ihr eine Ahnung wie oft die Crew auf den TOWT Schiffen gewechselt wird? Ist ja nicht so, dass die Seeleute auf den Containerschiffen aus dem Boden wachsen.

    Und wie es mit dem verwendeten Antifouling und den Ölabfällen aussieht ist auch nur einfach mal so in den Raum gestellt. Ohne jemals mit den TOWT Jungs gesprochen zu haben. Selbst die wissen das zur Zeit bei dem neuen Schiff wohl noch nicht, aber hier wird es schon zerredet. Beeindruckend!

    Was Diesel, Schmierstoffe usw. angeht, so gehe ich bei einem segelnden Frachtschiff erst einmal davon aus, dass es weniger benötigt als ein Containerschiff. Keine Ahnung wie ich darauf komme, aber halte ich für naheliegend… Und gerade wenn man sich mit Guillaume Le Grand etwas näher beschäftigt, wird schnell klar, dass er nicht bei der kleinsten Flaute oder Gegenwind den Diesel anwirft!

    Ach ja: Wenn der Löwenanteil des Energieverbrauchs auf dem Weg vom Supermarkt entsteht können wir ja alle mehr aufs Fahrrad umsteigen anstatt die Energie darin zu verschwenden gute Ansätze erst einmal schlecht zu reden!

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    • avatar ahoi sagt:

      Genau, einfach so in den Raum geworfen. So machen es die Leute von “Tres Hombres” in Interviews schließlich auch gerne wenn sie die moderne Containerschifffahrt verteufeln.

      Meine überspitzte Formulierung hatte nur den Zweck auf die Absurdität von für sich genommenen Behauptungen ala “Containerschiff = böse & dreckig” hinzuweisen.

      Ein seriöser Vergleich der beiden Transportmittel muss (wie schon oben angemerkt) die gesamte Transportkette betrachten! Das kann ich nicht mal so eben. Ein entsprechender detaillierter Vergleich sollte aber (wenn nicht nur wirtschaftliche Betrachtungen im Raume stehen) definitiv im Interesse der Betreiber von “Tres Hombres” sein.

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    • avatar Enzo Früh sagt:

      Wie gesagt, mir gefällt die romantische Idee von den Frachtseglern und bezweifle nicht, dass hinter dem Projekt ideologische Enthusiasten mit den besten Absichten und viel Herzblut stecken.
      Aber wie so oft bei emotionalen Themen ist die Meinung schnell gemacht, und die Rollen GutMensch SchlechtMensch klar verteilt. Kritik, auch wenn wissenschaftlich basiert, nicht erlaubt.
      Aus diesem Grund bezweifle ich auch nicht, dass es für das Label einen Markt gibt; die Geschäftsidee gefällt.
      Zwar ist der, unter Segeln transportierte, Wein nicht besser für die Umwelt; aber besser für Ihr Gewissen, Herr Walther.

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      • avatar Michael Walther sagt:

        Moin Herr Früh!

        Sie benennen es ja selbst – wissenschaftlich basiert. Haben wir hier von beiden Transportmöglichkeiten die nötigen Fakten? Oder finden wir die des neuen, noch nicht gebauten Frachtseglers schon irgendwo im Netz?

        Natürlich macht der Transport nur einen kleinen Teil aus, aber was spricht dagegen, diesen weiter zu verringern, wo es doch jedem einzelnen offensichtlich sehr schwer fällt, den größeren, selbstverursachten Anteil durch häufigeres Fahrrad fahren zu reduzieren?!

        Mich stört nur dieses schlecht-gerede ohne irgendwelche Fakten.

        Einen schönen Abend!

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  4. Lieben Uwe, Christof, Ahoi, Enzo Früh, Michael, Allen,

    Dessen sind wir klar bewusst, dass am wichtigsten die Emissionen pro transportierter Wareneinheit sind. Auch wenn wir derzeit mit viel kleineren Schiffen (als konventionnellen Container-carriers zB.), haben wir es mit weniger GHG (als Schiffe oder Lkw) geschafft, “unlächerliche” Quantitäten zu transportien, obwohl es schwieriger auf kleinere Distanzen ist.
    Wir stehen für kein Anachonismus oder Romantismus: die existierende Schiffe haben schon eine bezeichnende Kapazität und wir haben als Ziel ein Parallelmarket zu schaffen, wobei Shippingkosten immer marginal bleiben werden: nur nie Umweltmehrwert versuchen wir, am Markt zu transferieren.
    Dann muss man es alles im Perspektiv gucken. Wir haben es vom Nichts gestartet, wir sind klein, aber 1) Winde werden wahrscheinlich immer blasen und 2) Billiges Öl is anormal. Neue perspektiven wollen wir auch einfach öffnen.
    Excuse my German (langeher’s nicht mehr gescrieben) und sehr freundlichen Grüssen,
    A bientôt, Guillaume

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