Seychellen-Segeltörn mit Vollpension – Teil 2

... another Bloody Day in Paradise ...

Auch unter Wasser gibt es viel zu bestaunen.

Für die Taucher unter uns bietet der Tauchlehrer Ronny einen besonderen Luxus. An Bord ist ein Kompressor und mehrere komplette Tauchausrüstungen. Immer wann ein Gast die Unterwasserwelt erforschen möchte: Ronny ist da, hilft bei der Vorbereitung und taucht natürlich als privater Tauchguide mit. Auch Schnuppertauchgänge für Einsteiger sind möglich, sogar mit Prüfung! Unseren ersten Tauchgang unternehmen wir denn nahe Therese Island. El Nino, einhergehend mit Klimawandel und Temperaturerhöhung des Meerwassers, hat leider fast 60 Prozent der Korallenbestände vernichtet. Zum Glück erholen sich die Riffe so langsam, aber es wird Jahrhunderte dauern bis die alte Pracht wieder erblüht. Aber die Welt der Fische ist dafür umso bunter! Tropische Rifffische aller Coleur sind von unserer Anwesenheit wenig beeindruckt und lassen uns ganz nahe ranschwimmen: Steinfisch, Rotfeuerfisch und Muränen bekommen wir zu sehen. Sogar die großen Weißspitzen-Riffhaie lassen uns völlig unbehelligt. Eine Schildkröte kuckt mir minutenlang aus nur einem halben Meter Entfernung neugierig in die Augen und lässt sich sogar vorsichtig anfassen – so macht Tauchen richtig Spaß!

Catch of the day - ein fast meterlanger Dolphin

Während der mehrstündigen Passage nach Praslin werden die Schleppangeln ausgeworfen, und prompt gibt es lecker Abendessen! Ein etwa 60 Zentimeter langer Thunfisch zappelt am Haken, und nur wenig später holt Skipper Charlie einen fast meterlangen Dolphin an Deck! Abends zergeht das Thunfisch-Carpaccio, nur mit Limonen besprengt und mit ein paar Kräutern gewürzt, butterweich auf der Zunge, und die Dolphin-Steaks gibt es in der Pfanne gebacken als Hauptgang. Der leichte Chablis dazu ist das I-Tüpfelchen auf dieses grandiose Dinner mit dem „Catch of the Day“. Dritter Tag in Paradise.

St. Pierre - eines der typischen Fotomotive der Seychellen

Wir waren am Abend erst nach Sonnenuntergang am Ankerplatz angekommen, und so war die Überraschung am Morgen umso größer, als wir sahen, wo wir geankert hatten. Jeder, der schon mal Fotos von den Seychellen gesehen hat, kennt dieses Motiv: Das kleine Inselchen Saint Pierre ziert die meisten Prospekte. Und wir schweben nur 100 Meter davor auf diesem schon fast kitschig-schönen türkisblauen Wasser! Wenn das keine klasse Aussicht zum Frühstück ist?! Schon werden die Kameras gezückt, um dieses einmalige Motiv der von Wind und Wasser zerfurchten Granitfelsen und der sich im Südost-Monsun wiegenden Palmen für die Lieben daheim festzuhalten. Beim Schnorchelgang um das Eiland zeigen sich die vielen Rifffische in prächtigen Farben in der Morgensonne.

… War wieder nicht „meine“ Insel, sieht aber superklasse aus.

Die Seychellen haben viel Grün zu bieten. Das Vallee de Mai, ein Regenwald-Tal im Landesinneren, ist UNESCO Welt-Kulturerbe.

Die Seychellen haben viel Grün zu bieten. Das Vallee de Mai, ein Regenwald-Tal im Landesinneren, ist UNESCO Welt-Kulturerbe.

Noch ein weiteres Highlight dieser Reise steht auf dem heutigen Programm: Ein Ausflug zum von der UNESCO zum Welt-Kulturerbe ernannten Vallee de Mai. Skipper Charlie bringt uns mit dem Beiboot zum flach auslaufenden Strand und ein Taxi zum Eingang des Nationalparks. Dieses Regenwald-Tal ist berühmt für seinen Bestand der Palmenart Coco de Mer. An den weiblichen dieser bis zu 30 Meter hohen Palmenart hängen die größten Nüsse der Welt. Bis zu 20 Kilogramm kann eine Coco de Mer wiegen. Ihre Form erinnert an einen weiblichen Schoß, so dass sich seit alten Zeiten viele Legenden um diese außergewöhnliche Frucht ranken.

Coco de Mer, bis zu 20 kg schwer

Eine Reihe von Spazierwegen führen durch den grünen Dschungel und die Ranger erteilen bereitwillig Auskunft über die verschiedenen, teils endemischen Pflanzenarten, also Arten, die nirgends sonst auf der Welt wachsen. Zur Abkühlung unserer nach dem Spaziergang im Regenwald dampfenden Körper fahren wir an die Nordküste von Praslin zum Strand von Anse Lazio, der so aussieht wie man sich die Seychellen vorstellt: Feinsandig, palmenbeschattet, eine Bar samt Restaurant unter hohen Tamarinden, und am westlichen Ende eine kleine Lagune mit Süßwasser, wo denn meine paradiesischen Traum-Seychellenfotos entstehen. Es ist ein Ort zum Verweilen, und gleichzeitig eine der geschütztesten Ankerbuchten bei Südwestwinden. Another bloody day in Paradise.

Relaxtes, schnelles Segeln auf dem Mega-Cat "Sualiga"

Mit Kurs 338 Grad überwinden wir bei 4-5 Beaufort die knapp 50 Seemeilen bis nach Bird Island, das am Rand der ausgedehnten Seychellen-Bank liegt. Zwei Berge? Absolute Fehlanzeige! Bird Island ist keine Granitinsel sondern ein nur 2 Meter hoher, aber 1 Kilometer langer „Sandhaufen“, bewachsen mit Unterholz und Palmen. Georges und Margret Noah errichteten bereits im Jahr 1983 eine kleine, aber dabei umso feinere Lodge mit inzwischen 24 Bungalows – ohne Fernsehen, Telefon am Zimmer, ohne Swimmingpool und Animation …  Dafür aber in direkter Nachbarschaft mit teilweise Millionen von Vögeln, die hier ihren Nachwuchs großziehen.

Endlose weiße Sandstrände auf Bird Island

Ferner ist Bird Island eine der zehn wichtigsten Plätze weltweit, wo die Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Robby heißt der Ranger, der sein Leben in den Dienst der Erhaltung dieser Geschöpfe gestellt hat und der die Kleinen Babys aufpäppelt, wenn sie mal die eigentliche Brutzeit schon verpasst haben. “Sualiga” ankert in Lee, also an der Nordwestseite der Insel auf 5 Metern Wassertiefe. Trotz des schützenden Riffes in Luv, auf dem sich die Wellen brechen, hebt und senkt sich der Katamaran im Schwell, denn der Ankerplatz ist von drei Seiten offen zum Ozean und sollte nur bei langfristig guter Wetterprognose angelaufen werden. Zum Dinner hat uns der Skipper im Inselrestaurant eingebucht: Fangfrischer Fisch, Kokosnusswasser in frisch geöffneter Frucht gegen Durst, Passionsfrüchte… – Noch ein gelungener Tag in Paradise.

Landgang mit dem Dinghi

Cousin heißt eines der Eilande westlich von Mahe. Es ist bekannt für seinen langen Sandstrand, der fast die ganze Insel umgibt, für seinen Vogelreichtum im Naturreservat, und für das spannende Anlanden am Strand, und das geht so: Die Yacht ankert etwa 100 Meter vor dem Ostkap über gut haltendem Grund, aber in „rolly sea“ – es schaukelt ein wenig in der Dünung. Aber nur Montag bis Freitag, von 09:30 bis 12:00 Uhr – sonst hat die Insel geschlossen.

Ein Mitarbeiter der Inselverwaltung kommt mit einem außenbordergetriebenen Dinghi längsseits und lässt die Besucher einsteigen. Alsdann positioniert es sich gut 50 Meter vom Strand entfernt und wartet auf den richtigen Augenblick – wann dies der Fall ist, konnte ich nicht erkennen, der Bootsmann schon. Plötzlich gibt er Vollgas und mit dem Speed von 40 Pferdestärken rasen wir auf den Strand zu und brettern samt Boot den Strand hinauf, wo uns helfende Hände aus dem Dinghi helfen – wir sind angelandet. Diese Aktion muss so sein, denn die Wellen hier sind recht hoch und brechen sich ungestüm am Ufer. Erwischt man den falschen Zeitpunkt oder bringt das Boot nicht sofort aus der Uferzone überspült die nachkommende Welle unweigerlich das Beiboot. Der Skipper bezahlt die Landing-Fee und dem Rundgang steht nichts im Wege.

Grand Soeur - die Insel mit zwei Bergen und dem obligatorischen Sandstrand dazwischen

Ile Cousin ist eines der weltweit ersten Inselschutzgebiete, denn sie ist die Heimat einiger endemischer Vogelarten, von Tieren also die es nur hier gibt. Jährlich wird sie von bis zu 300.000 brütenden Seevögeln besucht. Sie rühmt sich mit der höchsten Dichte an Echsen pro Hektar – Begegnungen mit Eidechsen sind also nicht ausgeschlossen. Aber keine Angst: Sie beißen nicht, sind nicht giftig, dafür klasse Fotomotive. In einer Bucht im Norden von Mahe geht auch dieser Day in Paradise zu Ende.

Heute ist es endlich soweit! Meine langerwartete Insel mit zwei Bergen ist in Sicht – und wir kreuzen dahin auf. Die Überfahrt nach Grande Soeur, der Insel mit zwei Bergen, erfolgt am Besten von La Digue oder von Praslin aus, denn da gibt es einige Einkaufsmöglichkeiten. La Digue ist bekannt dafür, dass es (fast) keinen Autoverkehr gibt. Besucher können Fahrräder leihen oder sich auf einem Ochsenkarren, dem traditionellen Lastengefährt, kutschieren lassen.

Gewaltige Granitformationen, ganz typisch für die Seychellen

Gut ausgerüstet mit Holzkohle, Hähnchen, Salat und frischem Fisch, den wir bei einem Fischer gekauft haben, gehen wir westlich von Grande Soeur vor Anker und lassen uns vom Taxiboot durch und über die schmale und seichte Riffpassage zum Strand bringen. Die Insel besticht mit ihren grandiosen Felsformationen aus Granitstein, die typisch sind für die Seychellen – natürlich umrahmt von Palmen und anderer üppiger Vegetation.

Schildkröte Esmeralda, Seevögel und Echsen gibt es zu bestaunen

Etwas abseits liegt Esmeralda, die uralte Riesenschildkröte dösend im Schatten. Nach anfänglichem Unmutsgrummeln lässt sie sich von mir streicheln und sogar so weit in die Sonne locken, dass das Foto gut gelingt – Danke Esmeralda!

Der kurze Fußweg durch das Tal zwischen den zwei Bergen öffnet sich zur zweiten feinsandigen weißen Beach. Die Brecher aus Südost donnern spritzend gegen die Felsen und laufen den Strand hinauf – das ist Brandungsbaden für Geübte, denn der Sog kann auch einen geübten Schwimmer im Nu weit vom Ufer wegtragen.

Selten treffen sich mehrere Yachten in einer Bucht

Der Strand am Westufer ist bei dieser Wetterlage besser. In dem kleinen Palmenwald befindet sich der Grillplatz, der nicht nur von uns, sondern auch von anderen Yachten genutzt wird. Während die Gäste baden, schnorcheln, oder sich auf der Insel umsehen, heizen die Köche der Yachten mächtig ein: Die bereitstehenden Grills werden befeuert und kurz darauf brutzeln Red Snapper, Thunfisch und Hähnchen auf den Rosten. Bequem an Tischen und Bänken serviert unsere Crew die Leckereien samt Beilage und Salat. Da die Insel um 15:00 Uhr geschlossen wird bleibt noch genügend Zeit für einen Segelritt zu einer der Nachbarinseln mit geschützten Ankerplätzen – und eventuell einem Restaurant für das Dinner. So neigt sich auch dieser erlebnisreiche Day in Paradise, der mir meine Insel mit zwei Bergen gebracht hat, zu seinem entspannten Ende.

Geankert wird im Schutze der Inseln noch innerhalb des Korallenriffgürtels

Viele der Inseln sind relativ rund und nur wenig durch Einschnitte oder Buchten gegliedert. Ferner schützen teils weit vorspringende Korallenriffe die Eilande – nicht nur vor den heranbrausenden Wogen des Indischen Ozeans, sondern auch vor den Yachten. Diese müssen recht weit vor dem Ufer vor Anker gehen und sind der (Gezeiten-) Strömung und der Dünung voll ausgesetzt. Ankerplätze, die in der Jahreszeit der Nordwestwinde als sicher gelten sind bei Südost-Monsun voll dem Wind und der Dünung ausgesetzt, so dass diese dann nicht nutzbar sind. So kann man die Seychellen leicht zwei Mal, zu unterschiedlichen Jahreszeiten, besegeln und wird völlig andere Ankerplätze vorfinden.

Ich hätte ja gerne noch mehr „bloody days in paradise“ genossen, denn Inseln und Ziele gibt es genug, aber mein Rückflugticket hat unmissverständlich ein definitives Datum aufgedruckt.

Seychellen Inselhopping mit dem Rund-um-sorglos-Genuss-Paket auf dem Mega-Kat "Sualiga"

Gut gefallen haben die grandiosen tropischen Landschaften, das Kreuzen auf der “Sualiga” zwischen den vielen Inseln, bei dem quasi nebenbei so mancher Fisch für die Pfanne gefangen wurde, und die Emsigkeit unserer Crew. Selbstfahrer werden sich zuerst etwas schwer tun mit Tide, Strömungen, Sog, Riffen, und mit der etwas schwierigen Versorgungslage. Die Seychellen sind eher kein Revier für denjenigen, der täglich eine Marina samt Wasser- und Stromanschluss, samt Restaurant, Klo und Dusche an Land braucht. Für Individualisten, die abseits von Touristenrummel einen abwechslungsreichen Segeltörn an Bord eines großen Katamarans erleben wollen, bieten die Seychellen unvergessliche Days in Paradise.

In Teil III gibt es Tips, Fakten und Adressen zu den Seychellen.
Teil III wird Mitte Mai veröffentlicht.

Seychellen-Segeltörn mit Vollpension – Teil 1
Webseite von Hans Mühlbauer

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Hans Mühlbauer

... hat in mehr als drei Dekaden in Mittelmeer und Übersee auf diversen Charteryachten und auf eigenen Yachten über 100.000 Meilen als Skipper (mit SHS, LRC etc.), Reiseveranstalter, und als Fahrtensegler gesammelt. Als freier Journalist, Autor und Filmemacher erkundet er spannende internationale Reviere, publiziert Bücher, schreibt Fachartikel für Zeitschriften und produziert Videos auf DVD und für das Fernsehen. Mehr unter www.dmcreisen.de. Seine Praxistipps finden Sie hier
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