Shackleton-Expedition: Australische Crew beendet episches Antarktis-Abenteuer

"Schleichender Erfrierungsprozess"

Shackleton, Epic, Expedition, Abenteuer, Paul Larsen

Speedrekordler Paul Larsen navigierte die Shackleton-Epic-Crew im offenen Boot 840 sm durchs Eismeer. Gestern erreichten zwei der Abenteurer ihr Ziel in Stromness.

Es war dann doch alles härter als erwartet: Am 10. Februar um 22:45 h (lokale Uhrzeit) wankten zwei völlig erschöpfte Gestalten im Dämmerlicht des antarktischen Spätsommers auf die ehemalige Walfangstation Stromness zu. Expeditionsleiter Tim Jarvis und der Bergführer Barry Grey (beide Australier) schlugen symbolischen Alarm und beendeten damit ihre Shackleton-Epic-Expedition, die sie auf der Original-Route der Rettungsaktion vor fast 100 Jahren durchs offene Eismeer und nach einer haarsträubenden Bergtour ans Ziel brachte.

Auch wenn sie nicht die Ersten waren, die diese sagenhafte Rettungsexpedition nachlebten – der Deutsche Abenteurer Arved Fuchs schaffte dies mit seiner Crew bereits im Jahr 2000 – so vollbrachten die australischen Abenteurer diese Reise offenbar als erste in originalgetreuer Kleidung, die dann ausgerechnet zum Knackpunkt dieser Exkursion werden sollte.

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Höchstens zum Sundowner zeigte sich die Sonne © shackleton-epic

Nasses Eismeer

Die „Rettungsexpedition“ begann am Original-Strand auf der Elefanten-Insel. Die Wetterbedingungen waren „normal“ für antarktische Eismeer-Verhältnisse: 5-6 Bf., zunächst 2-3 m Seegang.

Um nach Südgeorgien zu segeln, mussten die sechs Abenteurer rund um den Expeditionsleiter Tim Jarvis (ein in Australien sehr populärer Abenteurer) einen wahren Horrortörn durchs Eismeer überstehen.

Auf dem offenen Rettungsboot „Alexandra Shackleton“, ein originalgetreu nachgebautes 7m-Holzboot, trotzten die sechs Männer 12 Tage lang quasi bewegungslos den Elementen.

Ihr Navigator Paul Larsen, frisch gebackener Speed-Weltrekordhalter und erfahrener Extrem-Hochseesegler, steuerte und navigierte Boot und Crew zwar sicher und verlässlich in Richtung Südgeorgien, doch konnte auch er nichts gegen das wohl größte Problem dieser Expedition ausrichten: Die Nässe in dem Boot ohne Kajüte oder Unterschlupf.

„Tatsächlich waren wir alle von der ersten bis zur letzten Stunde dieses Törns bis auf die Haut durchnässt,“ berichtete Larsen wieder zurück auf dem südgeorgischen Festland. „Wir erlebten eine Art schleichenden Erfrierungsprozess auf engstem Raum!“

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Nass, von Anfang bis Ende der Seereise © shackleton-epic

In der nur anfänglich wasserabweisenden Baumwoll- und Leinen-Bekleidung stießen einige der Exeditionsteilnehmer schon früh an ihre physischen Grenzen; als dann auch noch bei auffrischenden Winden der Seegang auf bis zu 7 m stieg, war es – auch wegen Seekrankheit, die offenbar jeden der Teilnehmer zumindest kurzfristig befiel – „nur schwer auszuhalten!“

Nach 1.480 km landete die „Alexandra Shackleton“ schließlich in der gleichen Bucht Südgeorgiens wie vor fast 100 Jahren Shackleton und seine Mannen.

Nicht alle kamen durch…

Und wie der berühmte Antarktis-Forscher seinerzeit musste auch  Expeditionsleiter Jarvis für die Überquerung zweier mehr als 1.000 m hoher, eisbedeckter Berge bis zum Ziel auf der anderen Seite der südgeorgischen Landmasse einige Kameraden „zurück lassen“. Ausgerechnet der Bergsteiger Ed Wardle (u.a. mehrfach Mt.Everest-Bezwinger) und der mehrfache Weltumsegler Nick Bubb mussten wegen Fußbrand-Symptomen aufgeben. Diese auch als Immersions-Kälte-Nässe-Schaden bekannte Gefäß- und Gewebeschädigung kann bis zur Nekrose und Amputation führen.

Beide Abenteurer wurden vom nachfolgenden Sicherungs- und Rettungsschiff aufgenommen und versorgt.

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Kurz vor dem Anlanden in Südgeorgien © shackleton-epic

Jarvis begann nach 2 Tagen Ruhezeit am Strand gemeinsam mit dem „anderen“ Bergspezi Barry Grey mit dem letzten Teil der Expedition. Sie überquerten in 3 Tagen und Nächten mit Original-Hilfsmitteln Dutzende Gletscherspalten, kletterten in 50° steilen Eiswänden, ertrugen einen Blizzard, liefen kilometerlang  über Eisfelder, die sich jederzeit in tiefen Spalten vor ihnen öffnen konnten.

Paul Larsen bis zum Ende dabei?

Nicht ganz klar ist die Rolle von Paul Larsen (neuer Spitzname: perma-smile) in diesem letzten Abschnitt der Expedition. Er wird zwar als „Begleiter“ von Jarvis und Grey genannt, und trug offenbar über einen Großteil der Strecke Hilfsmittel und Verpflegung, wird aber im Ziel nicht mehr erwähnt. In einer Mitteilung heißt es, dass Larsen und eine Kamera-Crew die beiden Bergsteiger 2 x mit zusätzlichen Nahrungsmitteln und Equipment versorgten.

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Am Ende ihrer Rettungsreise schlugen sie symbolisch Alarm © shackleton-epic

Sicher ist allerdings: Alle Expeditonsteilnehmer fanden sich am Ziel der Reise wieder. Tief beeindruckt darüber, wie es vor knapp 100  Jahren Shackleton und seinen Männern mit dem Mut der Verzweiflung nach monatelangem Hungern in der antarktischen Trostlosigkeit gelingen konnte, diese Heldentaten zu leisten. Um letztendlich ihre zurückgelassenen Kameraden auf Elephant-Island zu retten.

Eventseite Shackleton Epic

 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Shackleton-Expedition: Australische Crew beendet episches Antarktis-Abenteuer“

  1. avatar Christian1968 sagt:

    Ganz ehrlich, wo für braucht’s solche “Expeditionen” mit begleitendem Rettungsschiff und dem ganzen heutzutage (glücklicherweise) verfügbarem Rettungs-Background ?
    Ist wahrscheinlich eine Männer-Ego-Sache…aber irgendwie sinnlos.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 5

    • avatar hurghamann sagt:

      Warum man sowas macht, könnte ich ja gerade noch verstehen (Abenteuer, Ego, Frust mit der modernen Welt).
      Aber warum sucht man sich dann ein Projekt, das Arved Fuchs im Jahre 2000 schon erfolgreich durchgeführt hat (inklusive Bergsteigerei auf Sout Georgia) – wollten die Arveds Zeit unterbieten??
      Der neue Biatlon: Segeln im Eismeer auf Minibooten und Bergsteigen?

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar Set Sail For Fail sagt:

    Es mag vielleicht auf den ersten Blick sinnlos erscheinen, aber man schaue einfach nochmal auf die Crewzusammenstellung: durchweg extreme Typen. Man wächst halt mit seinen Herausforderungen, was könnte einen Extremsportler, wie es für mich Bergsteiger und Weltumsegler nunmal sind, noch reizen? Das die Aktion nicht jeden anspricht, dürfte auf der Hand liegen. Zu dem Einwurf mit dem begleitenem Rettungsschiff: wenigstens sind die Typen nicht komplett lebensmüde und scheinbar war es nicht nur Deko, sondern hatte auch seinen Nutzen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

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