Skurrile Segler am Steinhuder Meer: Torfkähne kreuzen ohne Schwert und Ruder

Mit dem Torfkahn gegen den Wind

Torfkahn auf dem Steinhuder Meer ohne Schwert und Ruder gegen den Wind. © U. Tischmeyer

Und es geht doch. Man kann ohne Schwert und Ruder gegen den Wind segeln. Der Steinhuder Torfkahn kann es. Man sieht die schwarzen lange Holzkähne
auf dem Steinhuder Meer meist unter Motor im Uferbereich umherfahren. Aber sie können auch segeln.

Dabei handelt sich um einen Jahrhunderte alten Bootstyp, der ursprünglich den Steinhudern zum Torftransport über das Steinhuder Meer diente. Die Torfgebiete lagen auf der anderen Seeseite. Außerdem wurden und werden die Boote als Arbeitsschiffe, vornehmlich in der Fischerei genutzt.

Es sind etwa 9,5 Meter lange Eichenkähne mit einer zehn Zentimeter starken Bodenplatte. Sie wurden aus einem Stamm gefertigt. Es findet sich weder ein Schwert noch ein Ruder. So war es möglich bis in die flachsten Uferbereiche vorzudringen. Ursprünglich wurden die Boote mit langen Holzstaken über den See bewegt. Im Verlauf der Jahre entwickelte sich aber auch eine Technik diese Boote unter Segeln zu bewegen.

Dafür wird der Kahn beim Aufkreuzen mit 20 – 45 Grad Lage gefahren. So dienen die annähend geraden Bootswände als Schwertersatz gegen die Abdrift. Über den besten Lagewinkel wird unter den Fischern bei den Traditionsregatten immer noch gestritten.

Gesteuert wird mit einem Brett, das sogenannte Firrer. Durch das Eintauchen an der leeseitigen Bordwand, wird der Lateralplan des Schiffes verändert. Man kann das Firrer hoch oder runter stecken, das sogenannte Buttern, oder es an der Bordwand vor und zurückschieben.

In der Wettkampfvariante wird das Firrer leeseitig frei aus der Hand gefahren, wie ein Ruder. Das Abfallen funktioniert noch ganz gut, weil man das Brett and er Bordwand anlegen kann.  Aber für das Anluven benötigt man Arme wie Popeye. Gewendet wird meist unter Zuhilfenahme von Staken, Experten wenden jedoch nur mit Firrer und Segel. Der Wendekreis entspricht etwa dem eines Öltanker.

Zweimal jährlich treten die Akteure zu einer traditionellen Segelregatta an. Im August zum “festlichen Wochenende” sowie am ersten Samstag im September zum jährlichen Absegeln der Fischer.

Fotos von einer Torfkahn-Regatta

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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7 Kommentare zu „Skurrile Segler am Steinhuder Meer: Torfkähne kreuzen ohne Schwert und Ruder“

  1. avatar Marc sagt:

    In Steinhude kann man fast überall stehen 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

  2. avatar oh sagt:

    Wenn man mal kentert, bekommt man das ding wieder flott?

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    • avatar Name sagt:

      Aussteigen, ums Boot laufen, Mast hochheben.

      Ist ja überall sch…eiße flach da.

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  3. avatar Bimbo sagt:

    Hallo,

    die Boot kentern nicht, sondern sacken im Zweifelsfall
    direkt duch. Dann hilft nur noch eine Motorpumpe.

    Bei den Booten in der Bilderserie mit
    ersichtlichem Ruder, handelt es sich nicht um
    Torfkähne sondern um sogenannte Jägerschiffe.

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  4. avatar Kurt der 2. sagt:

    Die Boot, Das Ball http://img01.lachschon.de/images/108018_das_ball.jpg

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  5. avatar Bimbo sagt:

    dem nicht korregierbaren Fehler in das Programm

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  6. avatar Helmut Koller sagt:

    Also, am Samstag, dem 01. September 2012 umrundete ich mit meiner Frau von Mardorf aus auf Schusters Rappen das halbe Steinhuder Meer bis nach Steinhude. Gegen 16.00 Uhr fuhren wir per Elektroboot nach Mardorf zurück. Gleich beim ersten Anleger (noch zu Steinhude gehörend?) erblickten wird am Steg die gesamte Torfseglerregata bereit zur Ausfahrt. Ein wunderbarer, einmaliger Anblick! Ich zückte die Kamera und machte ein Foto. Ganz fasziniert von dieser Szenerie griff ich später zu Pinsel, Ölfarben und Leinwand und heraus kam ein sehr schönes Ölbild. Wer dieses Bild sieht, ist begeistert. Wer könnte Interesse an diesem Bild und den weiteren Fotos von mir haben? Bitte meldet Euch. Ich Kann Euch die Fotos und das Ölbild mailen.
    Helmut

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