Skurriles: Versinkt das Forschungsschiff „FLIP“? Der Schein täuscht

Flip, kein Flop!

Die Tanks werden geflutet und versinken, der Bug richtet sich auf und schon „steht“ die Forschungsstation ruhig und stabil über dem Seegang. Ein skurriles Einzel- und Meisterwerk des Schiffbaus.

Wer auf hoher See unvorbereitet das „geflutete“ Forschungsschiff „FLIP“ erblickt, dürfte zunächst einmal einen gehörigen Schrecken bekommen. Denn zu groß ist die Ähnlichkeit mit einem gerade versinkenden Schiff – jeder Seemann würde sofort die Rettungsboote klarmachen, um Überlebenden zu helfen.

Der Hamburger Frachter "Cemfjord" ist am Wochenende vor der schottischen Küste gesunken

makabere Ähnlichkeit: Der Hamburger Frachter “Cemfjord” ist am Wochenende vor der schottischen Küste gesunken

Doch die „FLIP“ (Floating Instrument Platform) ist tatsächlich eine äußerst skurriles, aber ganz offensichtlich effektives Forschungsschiff, dessen Funktionsweise eher an eine Boje als an ein herkömmliches Schiff erinnert.

108 Meter lang, besteht diese Merkwürdigkeit zu einem Großteil aus Ballasttanks und hat lediglich im vorderen Fünftel Quartiere und Aufbauten, die an einen Schiffsbug erinnern.

Wie eine riesige Boje auf dem Meer

Wenn FLIP unterwegs ist, werden die Ballasttanks mit Luft gefüllt und das Schiff wird in klassischer, horizontaler Lage an die Orte geschleppt, wo das „US Office of Naval Research“ seine Untersuchungen vornehmen möchte.

Ist der Einsatzort erreicht, werden die Tanks mit Seewasser geflutet, der größte Teil des Schiffes sinkt ab in eine vertikale Position und die Forschungsstation als solche „steht“ einige Meter über dem Seegang in sicherer, stabiler Lage. Da der weitaus größte Teil des Schiffes außerhalb der Welleneinwirkung unter Wasser bleibt , verhält sich der Schiffsbereich über der Wasseroberfläche extrem ruhig. Auch bei hohem Seegang.

Vom Schiff zur Boje © Office of Naval Research

Vom Schiff zur Boje © Office of Naval Research

Ist die Forschungsmission beendet, wird Druckluft in die Tanks gefüllt und so ein aufrichtendes Moment erzeugt, bis die „FLIP“ wieder annähernd normal und horizontal auf der Wasseroberfläche schwimmt.

28 Minuten dauert so ein „Flip“, wobei sich die Besatzung des Schiffes an Deck aufhält. Fünf Stockwerke hoch ragt die „Plattform“ in vertikaler Lage aus dem Wasser.

Für jede Lage eine Tür

Im Inneren der Forschungsstation haben die Innendesigner im wahrsten Sinne des Wortes „mehrdimensional“ denken müssen. Denn fast alle Räume der Station besitzen mehrere Türen, jeweils für die vertikale und horizontale Schiffsposition ausgerichtet. Manche Instrumente müssen ab- und in neuer Schiffsposition wieder neu angeschraubt werden, vieles wurde jedoch gleich von Anfang an auf die beiden möglichen Positionen des Schiffes hin konzipiert, wie etwa kardanisch aufgehängte Küchen- und Laborgeräte.

Suchbild: Was stimmt hier nicht? © office of naval research

Suchbild: Was stimmt hier nicht? © office of naval research

Die „FLIP“ wurde bereits 1962 zu Forschungszwecken gebaut. Sie dient bis heute in erster Linie für Untersuchungen von Schallwellen unter Wasser. Hierfür wurde eine möglichst ruhige Plattform gesucht, die nur minimale Nebengeräusche produziert. Herkömmliche Schiffe eignen sich dafür nicht, weil sie in der See stampfen bzw. die Wellen laut gegen den Rumpf schlagen.

Das Video zeigt Ausschnitte von frühen und aktuellen Einsätzen des nur ein Mal gebauten Forschungsschiffes. Zudem kommen ehemalige Crewmitglieder zu Wort, die Dutzende Einsätze mitgefahren sind. Einer berichtet: „Jeder Flip war anders, keiner glich dem anderen!“

"Begegnung der dritten Art", mitten auf dem Ozean! © office of naval research

“Begegnung der dritten Art”, mitten auf dem Ozean! © office of naval research

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Michael Kunst

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